Eishockey

Ex-Eisbär Steen gewinnt den Stanley Cup

Am historischen Triumph der St. Louis Blues in der National Hockey League war ein Berliner beteiligt. Doch der Star war jemand Anderes.

Alexander Steen mit der begehrten Trophäe.

Alexander Steen mit der begehrten Trophäe.

Foto: Winslow Townson / USA Today Sports

Berlin/Boston. Thomas Steen war ein großer Eishockeyspieler. Mehr als 1000 Partien in der besten Liga der Welt, der nordamerikanischen NHL, absolvierte der Schwede. Als er Ende der 90er noch drei Jahre bei den Eisbären in Berlin spielte, war er der große Star des Teams.

Damals spielte sein Sohn Alexander im Nachwuchs der Berliner. Inzwischen ist er 35 Jahre alt, spielte lange in der NHL und hat dort schon mehr Partien absolviert als einst der Vater. In der vergangenen Nacht krönte der Stürmer seine Karriere und gewann mit den St. Louis Blues erstmals die Meisterschaft in der NHL, den Stanley Cup.

Ein großer Moment für Steen, aber auch für Laila Anderson. Den 20 Kilogramm schweren Cup konnte sie im Gegensatz zu dem Schweden nicht allein tragen. Die elf Jahre alte Anhängerin des neuen Champions benötigte die Hilfe von Blues-Profi Colton Parayko.

Gemeinsam stemmten sie die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt nach dem 4:1 im entscheidenden siebten Spiel der NHL-Finalserie bei den Boston Bruins in die Höhe. „Es ist real“, rief Parayko nach dem ersten Titelgewinn in der 52 Jahre alten Team-Historie vor Freude und wandte sich an den treuen Fan: „Wir haben es geschafft.“

Kleiner Fan als großes Vorbild

Anderson ist für die Profis der Blues im Meisterjahr zum Sinnbild geworden. Das Mädchen leidet an Hämophagozytischer Lymphohistiozytose (HLH), einer hochgefährlichen und sehr seltenen Autoimmunerkrankung. Ihr Abwehrsystem hat eine gestörte Regulation, produziert zu viele Immunzellen.

„Wir blicken zu ihr auf“, erklärte Blues-Stürmer Patrick Maroon. „Sie war das ganze Jahr eine Inspiration für uns. Wir haben für sie gekämpft, für das, was sie jeden Tag durchmachen muss.“

Vor dem Entscheidungsspiel am Mittwoch in Boston luden die Blues-Profis auf Initiative von Stürmerstar Steen ihren kleinen Fan ein. Die Ärzte gaben das Okay, Laila Anderson durfte mitfliegen und beim historischen Triumph live dabei sein.

Nach dem 4:1 durch die Treffer des wertvollsten Finalspielers Ryan O’Reilly (17. Minute), Alex Pietrangelo (20.), Brayden Schenn (52.) und Zach Sanford (56.) wurde sie gemeinsam mit ihrer Mutter von ihren Idolen auf das Eis geholt, sie wurde wie ein Team-Mitglied behandelt. „Ich liebe diese Mannschaft“, sagte Anderson mit Tränen in den Augen: „Ich liebe sie so sehr.“

Jubel auch bei den Baseballern

Jubelstürme gab es zur selben Zeit auch in der Stadt am Mississippi. In der heimischen Arena wurde gefeiert und getanzt. Auch im Busch-Stadium, der Heimat des Baseball-Team der St. Louis Cardinals, fielen sich die Anhänger beim Public Viewing in die Arme. „Unsere Fans mussten lange auf diesen Moment warten. Es ist aufregend. Wir werden viel Spaß haben“, versprach Profi Jaden Schwartz mit Blick auf die voraussichtlich am Freitag (Ortszeit) stattfindende Stanley-Cup-Parade in der Stadt.

Spaß hatten die Blues-Anhänger in der Vergangenheit selten. Das Team galt als Synonym für Mittelmaß. Es existierte einfach, ohne groß aufzufallen – weder positiv noch negativ. Auch in dieser Saison sah alles wieder nach einer enttäuschenden Hauptrunde aus.

Im Januar noch schlechtestes Team

Noch im Januar hatte die Mannschaft des zwei Monate zuvor eingestellten Trainers Craig Berube die schlechteste Bilanz aller NHL-Teams. Danach folgte allerdings die Wende mit dem souveränen Play-off-Einzug, den Erfolgen über die Winnipeg Jets, den Dallas Stars, den San Jose Sharks und am Ende mit dem 4:3-Serienerfolg gegen die Boston Bruins.

Passend dazu war auch der heimliche Held das siebten Finalspiels. Torhüter Jordan Binnington sollte in der Vorsaison eigentlich in die drittklassige East Coast Hockey League abgeschoben werden.

Am Mittwoch parierte er 32 von 33 Bruins-Schüssen. „Es war eine unglaubliche Saison, eine unglaubliche Geschichte“, schwärmte Binnington, ehe auch er den Stanley Cup in die Höhe stemmen durfte und der Trophäe einen Kuss gab.