Eishockey

Leon Gawanke ist noch lange nicht zufrieden

Der Berliner hat einen Vertrag beim NHL-Klub Winnipeg unterzeichnet. Der Weg bis zum ersten Spiel dort kann aber noch weit sein.

Leon Gawanke schuftet im Kraftraum der Eisbären

Leon Gawanke schuftet im Kraftraum der Eisbären

Foto: Mathias Renner / City-Press GmbH

Berlin. Die Zeit, in der man auch mal etwas zurückgeben kann, die kommt meistens. Drei Jahre lebte Leon Gawanke an der kanadischen Ostküste bei Gasteltern, bei einer kanadischen Familie, die schon einigen jungen Eishockeyspielern ein Heim geboten hat. Diese Familie besuchte gerade einen tschechischen Spieler, der mal bei ihr wohnte, in dessen Heimat. Und da dies nicht weit entfernt ist von Berlin, kamen die Gasteltern nun für eine Woche von bei den Gawankes vorbei. Leon (20) konnte nun also mal Gastgeber sein.

Es war ihm eine Freude. „Ich hatte echt Glück, dass ich so eine nette Familie abbekommen habe“, sagt der Berliner. Gerade 17 geworden zog er 2016 über den Atlantik, auf in ein neues Lebens. Mit klaren Zielen zwar, aber auch vielen Ungewissheiten. Ein geordnetes Ersatz-Zuhause ist da eine wichtige Basis. Eine, von der aus er seine Pläne konsequent verfolgte und gerade einen wichtigen Etappenerfolg feiern konnte. Gawanke unterzeichnete vor knapp drei Wochen einen Vertrag bei den Winnipeg Jets aus der nordamerikanischen NHL.

Sommertraining bei den Eisbären

Die ganz große Euphorie darüber sucht man vergebens bei dem Verteidiger. Natürlich, er ist stolz, denn er hat etwas erreicht. Aber längst nicht alles. „Es ist wieder ein weiterer Schritt in meiner Eishockeykarriere“, erzählt er im Wellblechpalast. Hier trainiert er im Moment, hält sich an die Pläne, die ihm Winnipeg übermittelt hat. Meistens ist er im Kraftraum, manchmal geht er laufen. zweimal die Woche steht er mit den deutschen Spielern des EHC Eisbären auf dem Eis.

Für das Profiteam der Berliner hat Gawanke nie gespielt, durchlief aber im Nachwuchs alle Stationen und machte in den vergangenen Jahren auch immer die Saisonvorbereitung beim EHC mit. „Mit James Sheppard habe ich mich da gut ausgetauscht, weil er früher auch in Cape Breton gespielt hat“, sagt Gawanke, dessen erster Wunsch es einst war, mal in Kanada zu spielen. Der erfüllte sich, wie auch der zweite, nämlich bei der Wahl der besten Talente in der NHL von einem Team ausgewählt zu werden als potenzieller Profi. Winnipeg zog ihn 2017 an Stelle 136.

Drei gute Jahre in der kanadischen Nachwuchsliga

Die drei Jahre in der Nachwuchsliga QMJHL bei den Scearming Eagles überzeugten die Jets, auch den dritten Wunsch von Gawanke wahr werden zu lassen: den Vertrag, der über drei Jahre läuft. „Aber der absolute Traum ist natürlich, mal das Jets-Trikot anzuziehen und das erste Spiel in der NHL zu machen. So lange ich das nicht erreicht habe, werde ich mich nicht zufrieden geben und weiter hart arbeiten“, so der Berliner, den der Kontrakt noch mehr anspornt, an seinen Zielen festzuhalten.

Bis zum ersten Spiel in der besten Eishockeyliga der Welt ist der Weg aber noch weit. „Ausbaufähig sind auf jeden Fall meine Defensivkünste, vor dem Tor muss ich noch härter werden, mein physisches Spiel noch mehr zum Vorschein bringen“, sagt der Verteidiger, der in der Offensive bestens unterwegs ist. Unter den Abwehrspielern seiner Liga traf er mit 17 Toren am häufigsten. Aber auf der nächsten Stufe kommt es eben mehr auf den defensiven Auftritt an.

Erst der zweite Berliner, der es in die NHL schaffen kann

Ende nächster Woche fliegt der Berliner für ein paar Tage nach Kanada, zu einem Camp der Jets, danach trainiert er in Berlin weiter, bevor es Mitte August im nächsten Camp schon darum geht, wie sein Weg sich fortsetzt. Gleich in die NHL wird er kaum führen. „Ich will AHL spielen und mich da ins Team kämpfen“, so Gawanke, der zunächst mit dem Farmteam Manitoba Moose eine Liga tiefer plant. Und hofft, dass er Einsätze im darunter angesiedelten Drittliga-Farmteam vermeiden kann.

Mit der richtigen Mischung aus Talent und Hartnäckigkeit soll sich irgendwann der nächste Wunsch erfüllen. Vor Gawanke hat es erst ein einziger gebürtiger Berliner geschafft, ein NHL-Trikot zu tragen. Marcel Müller (30) war das, drei Partien für Toronto absolvierte er einst. „Wenn ich in den nächsten Jahre mal drei NHL-Spiele habe, wäre ich schon sehr glücklich“, so Gawanke.

Eines wird sich für den Berliner dabei auf jeden Fall ändern, Gawanke wird Profi, verdient sein eigenes Geld. Gasteltern gibt es dann nicht mehr. Er muss sich eine eigene Wohnung suchen.