Eishockey

Serge Aubin ist der neue Trainer der Eisbären Berlin

Die Eisbären haben klare Ansprüche an den Kanadier, er soll offensives Eishockey spielen lassen. Es gibt aber Gegenwind

Serge Aubin mit dem Meisterpokal, den er 2017 mit den Vienna Capitals gewann

Serge Aubin mit dem Meisterpokal, den er 2017 mit den Vienna Capitals gewann

Foto: GEPA pictures/ Daniel Goetzhaber / imago/GEPA pictures

Berlin. Das Warten schien kein Ende zu nehmen. Obwohl die Suche schon seit dem 19. Dezember 2018 lief. Viel Zeit, um sich allerhand Sachen zu überlegen. Doch hatte sich in den vergangenen Monaten bereits stark herauskristallisiert, dass die sportliche Leitung des EHC Eisbären vor allem einen Kandidaten als neuen Trainer im Auge hat. Wenig überrascht dürften daher viele nun zur Kenntnis nehmen, dass es tatsächlich Serge Aubin geworden ist.

Ein recht junger Trainer übernimmt damit die Geschicke beim Rekordmeister der Deutschen Eishockey Liga (DEL), 44 Jahre alt ist Aubin, kann als Spieler auf eine veritable Karriere in der nordamerikanischen Profiliga NHL und in der Schweiz verweisen. Bei den Hamburg Freezers beendete er 2012 seine Karriere.

Starke Führungspersönlichkeit

Für manch einen im Umfeld der Eisbären beginnt dort das Problem. Stéphane Richer war damals Sportdirektor der Freezers, stellte Aubin danach auch als Co- und später als Cheftrainer der Hamburger ein. Das rückt die neuerlicher Verbindung für viele in ein zwiespältiges Licht. Dem Verdacht eines Freundschaftsdienstes traten Sportdirektor Richer und auch Klubchef Peter John Lee im Interview der Morgenpost bereits entgegen. Beide sind von den Qualitäten des Franko-Kanadiers überzeugt. „Er ist eine starke Führungspersönlichkeit und sehr kommunikativ“, sagt Richer zur offiziellen Verpflichtung von Aubin.

Die jüngste Episode als Trainer verlief für den früheren Stürmer nicht sonderlich erfreulich, bei den ZSC Lions in Zürich wurde er im Januar entlassen. Zuvor aber arbeitete Aubin mit einigem Erfolg in Österreich, gewann 2017 mit den Vienna Capitals den Titel, stellte mit zwölf Play-off-Siegen in Folge einen Klubrekord auf und stand ein Jahr später im Halbfinale. Mit Hamburg verpasste er 2016 das Play-off, im Jahr zuvor endete die Saison im Viertelfinale.

Besonders viel Wert wurde auf den Spielstil gelegt

Um Titel soll es nun wieder bei den Eisbären gehen, Richer und Lee hatten betont, einen Trainer zu suchen, mit dem man langfristig etwas aufbauen könne. Die Ansprüche an den Coach waren klar formuliert und gelten immer noch. „Er kann mit jungen Spielern gut umgehen“, sagt Richer, dem dieser Punkt sehr wichtig ist. Denn die Berliner haben sich zum Ziel gesetzt, wie in den frühen Erfolgsjahren vermehrt Talente aus dem eigenen Nachwuchs in die Spitze zu führen und an der Seite starker Importprofis reifen zu lassen.

Daneben legen die Berliner vor allem auf eines Wert. „Wir wollen den Stil der Eisbären spielen, offensiv, attraktiv, schnell nach vorn“, so Richer. Das habe man bei den letzten persönlichen Gesprächen mit den Kandidaten explizit hervorgehoben, um nicht wieder eine Überraschung zu erleben. Die hatte es nämlich im vergangenen Sommer gegeben, als der frühere Assistent Clément Jodoin nach der Übernahme des Amtes von Uwe Krupp plötzlich sehr passiv spielen ließ. Ganz anders, als man es abgemacht hatte. Was schließlich in der Entlassung des Kanadiers Mitte Dezember resultierte. Richer führte die Saison in Doppelfunktion zu ende und schied mit dem Team nach schwacher Hauptrunde im Viertelfinale aus.

Bislang zwei neue Spieler verpflichtet

Wie gut der Auswahlprozess diesmal nun auch vorbereitet war, die Ressentiments seitens vieler Fans gegenüber Serge Aubin werden so schnell nicht verschwinden. Sie könnten sogar in heftigem Gegenwind ausarten, sollte der Start misslingen. Letztlich aber, das ließ Geschäftsführer Lee durchklingen, wäre der Anhang ohnehin nur bei sportlichem Erfolg zufrieden, weshalb es keine Rolle spiele, wer nun an der Bande stehe.

In erster Linie werden Lee und Richer jetzt gefordert sein, dem neuen Trainer auch starkes Personal zur Verfügung zu stellen. Einiges am Team der Vorsaison schien sich abgenutzt zu haben, neun Spieler gehören bereits nicht mehr zum Kader. In den nächsten Tagen wird wohl der zehnte hinzukommen. Mit Ryan McKiernan, der zuvor in Düsseldorf spielte, haben die Berliner bisher einen schussgewaltigen Verteidiger verpflichtet. In Nationalspieler Leonhard Pföderl kommt aus Nürnberg ein starker deutscher Stürmer nach Berlin. Mit zunächst fünf ausländischen Profis im Kader können noch vier weitere Importstellen, eine davon in der Defensive, besetzt werden, ohne über der Kontingentgrenze zu liegen.

Vielleicht kann Serge Aubin sogar etwas Einfluss darauf nehmen, welche Spieler noch kommen. In jedem Fall wird das Warten auf die nächsten Verpflichtungen weniger langwierig als die Suche nach dem neuen Trainer.

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