Eishockey

Endlich ganz oben: Krönung für Mannheims Trainer Gross

Über viele Jahre machte er in Wolfsburg aus wenig viel. Bei den viel besser gestellten Adlern gelingt auf Anhieb der Meistertitel.

Mannheims Trainer Pavel Gross (l.) mit seinem Assistenten Mike Pellegrims, zwischen ihnen der DEL-Pokal

Mannheims Trainer Pavel Gross (l.) mit seinem Assistenten Mike Pellegrims, zwischen ihnen der DEL-Pokal

Foto: Uwe Anspach / dpa

Berlin.  Als die ersten Plaketten vergeben wurden, stellte sich auch bei Pavel Gross langsam das Dauerlächeln ein. Gut 20 Minuten waren da bereits vergangen, seit der Puck in der 74. Minute der Verlängerung zum 5:4 für die Adler Mannheim ist Tor geflogen und die Finalserie mit 4:1 Siegen gewonnen war. Gross’ Arme zuckten in diesem Moment blitzartig nach oben, aber sein Blick blieb ungläubig, der Mund zeugte mehr von Erstaunen denn von Freude.

Pavel Gross muss viel durch den Kopf gegangen sein in diesen Momenten, als die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) perfekt war. Der Trainer der Kurpfälzer hatte sich mental darauf vorbereiten können, zu dominant spielte seine Mannschaft die ganze Saison und auch im Finale gegen Red Bull München. Doch der 50-Jährige sah so aus, als könnte er den Augenblick nicht fassen und müsste alles erst verarbeiten.

Adler jetzt wie die Eisbären mit sieben DEL-Titeln

Die Geschichte, die am Freitagabend ihren Höhepunkt fand, besitzt einige besondere Facetten. Zu allererst sind da die Adler. „Ich freue mich riesig für die Mannschaft. Die Mannschaft hat das verdient“, sagte Gross, der den Klub zum siebten Titel in der DEL führte. Damit zogen die Mannheimer mit dem EHC Eisbären gleich, dürfen sich wieder Rekordmeister nennen. Das ist wichtig für die Adler-Seele, für das Selbstverständnis dort.

Als Spieler legte Gross einst mit den Grundstein für diese besondere Mentalität. Die ersten drei DEL-Titel gewann er als Stürmer mit Mannheim. Nun kehrte er als Trainer zurück und gab dem Klub zurück, wonach der sich so lange sehnte: Dominanz. „Er ist ein Gewinnertyp. Das hat man von Tag eins, von Minute eins, von Sekunde eins an gemerkt. Das schwappt auf 25 Jungs über, wenn da ein Mann vor dir steht, der durch die Wand gehen würde für Erfolg“, sagte Adler-Angreifer David Wolf: „Er hat einen Riesenanteil.“

Gross bezwingt im vierten Final-Anlauf Jackson

Daran, den Seriensieger München zu entthronen. Drei Titel in Folge hatte Red Bull zuletzt gefeiert, so wie es bisher in der DEL nur Mannheim und den Eisbären gelungen war. Dazu musste Gross endlich in einem Finale Münchens Trainer Don Jackson bezwingen. Drei Mal war der gebürtige Tscheche in einer Endspielserie schon an dem US-Amerikaner gescheitert, jeweils mit Wolfsburg (2011 an den Eisbären, 2016 und 2017 an München).

Damals waren die Voraussetzungen allerdings andere. Bei den Grizzlys lag der Etat stets weit unter dem der großen Gegner, doch mit seinem großen taktischen Geschick sowie der Fähigkeit, Spieler weiterzuentwickeln, machte Gross den Klub über viele Jahre zum konstantesten in der Liga. Der Schritt zu einem der Branchenriesen war eine Frage der Zeit, Mannheim am Ende aufgrund der Vergangenheit vielleicht sogar eine Herzenssache. Gross kam, änderte viel, brachte eine neue Arbeitsmoral ins Team und gab dem Spiel der Adler eine klare Struktur.

Wer gewinnt, darf auch mal länger feiern

Gleich die erste Chance bei einem großen Klub nutzte Gross nun, um sich seinen ersten Titel als Trainer zu holen. Das unterstreicht seine Klasse. Milder machte es den sonst recht strengen Coach für den Moment auch: „Wir müssen jetzt ein bisschen feiern. Von mir aus auch drei Tage, das ist mir egal.“