Eisbären-Zugang Pföderl

„Der Verein, die Stadt, das fühlt sich richtig an“

Mit Nationalspieler Leonhard Pföderl gelang den Eisbären ein wichtiger Transfer. Im Interview spricht der Stürmer über seinen Wechsel

Leonhard Pföderl (l.) am Puck

Leonhard Pföderl (l.) am Puck

Foto: Mika Volkmann / picture alliance / Mika

Berlin. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) geht die Meisterfindung in die entscheidende Phase. Ohne Leonhard Pföderl, der befindet sich gerade im Trainingslager der deutschen Nationalmannschaft in Garmisch-Partenkirchen. Im Viertelfinale scheiterte er mit den Nürnberg Ice Tigers an Mannheim, „denen traue ich den Titel am ehesten zu“, sagt Pföderl. Der 25-Jährige war in den vergangenen Jahren einer der treffsichersten deutschen Stürmer, gewann mit dem Nationalteam vor eineinhalb Jahren Silber bei Olympia. Nun wechselt er zu den Eisbären und soll helfen, die ebenfalls im Viertelfinale ausgeschiedenen Berliner wieder näher an die DEL-Spitze zu führen. Die Morgenpost sprach mit dem Angreifer.

Berliner Morgenpost: Guten Tag, Herr Pföderl. Ihre kleine Saisonunterbrechung nach dem Viertelfinal-Aus der Ice Tigers ist vorüber, Sie sind jetzt beim Nationalteam zur Vorbereitung auf die WM in der Slowakei. Was haben Sie in den vergangenen gut zwei Wochen so getrieben?

Leonhard Pföderl: Ich war in Nürnberg, habe trainiert, einige Sachen erledigt und natürlich mit den Kollegen ein bisschen Abschied gefeiert.

Um ihre Zukunft mussten Sie sich ja nicht mehr kümmern, diese Weichen haben Sie frühzeitig gestellt.

Anfang Oktober, glaube ich, habe ich bei den Eisbären unterschrieben. Trotzdem gibt es noch ein paar Dinge, die ich in Nürnberg zu tun habe, wenn ich von der Nationalmannschaft zurück bin. Danach komme ich dann nach Berlin, um mir alles anzuschauen.

In Nürnberg lief es diese Saison nicht sonderlich gut. Warum?

Man darf den Umbruch nach der vorherigen Saison nicht vergessen. Wir haben viele wichtige Spieler verloren mit Dave Steckel, Yasin Ehliz, Steven Reinprecht. Dann kam ein früher Trainerwechsel hinzu. Da war einfach der Wurm drin. Auch die Leistungsträger waren nicht mit der besten Saison unterwegs. Bei mir oder Patrick Reimer lief es anfangs richtig schlecht.

Den Eisbären erging es im Prinzip ähnlich, hinter ihren Zielen blieben die Berliner deutlich zurück. Haben Sie zwischendurch überlegt, ob Ihr geplanter Schritt nach Berlin wirklich so glücklich war?

Ich habe die Eisbären in der Saison interessierter verfolgt als in den Jahren zuvor. Bereut habe ich aber nichts, da waren ja auch so viele Spieler verletzt. Im Viertelfinale, als die Mannschaft wieder komplett war, wurde es wirklich eng gegen München. Von daher schaue ich schon guten Mutes in die Zukunft, dass wir Top-Eishockey spielen können.

Was hat Sie denn überhaupt zu den Eisbären verschlagen?

Wenn mal die Chance besteht, zu den Eisbären zu gehen, das habe ich immer gesagt, werde ich mir das auf alle Fälle überlegen. Dann kamen die Angebote. Der Verein, die Stadt, das hat sich einfach richtig angefühlt. Es war aber keine leichte Entscheidung. Ich habe viele Jahre in Nürnberg verbracht, super Jahre. Dann habe ich mir gesagt, ich probiere jetzt einfach mal etwas Neues aus.

Das hätten Sie auch in München oder Mannheim tun können, diese Klubs waren auch hinter Ihnen her. Die Chancen auf Titel wären dort sicher etwas größer gewesen. Spielte das bei Ihnen nur eine sekundäre Rolle?

Natürlich habe ich mir das auch überlegt. Man hat gesehen, wie stark München über die vergangenen Jahre war und was Mannheim so eingekauft hat. Aber ich denke, mit Berlin gibt es da auch Chancen. Das ist vielleicht noch ein bisschen reizvoller.

Berlin ist weit weg von Ihrer bayerischen Heimat und auch so ganz anders. Welche Bedeutung hatte diese Ebene bei ihrer Entscheidung?

Das ist ein großer Faktor, definitiv. Mich interessiert die Stadt sehr. Ich habe mich mit vielen Leuten unterhalten, mit ehemaligen Eisbären-Spielern, mit jetzigen natürlich auch. Alle schwärmen von der Stadt. Und ich mag jetzt einfach mal raus. Da freue ich mich sehr drauf.

Bei den Eisbären sieht es nach einem großen Wandel in der Mannschaftsstruktur aus. Neun Spieler mussten bisher gehen, der Klub scheint gewillt, den Abstand nach vorn zu verringern. Freut Sie das auch?

Was die Verantwortlichen so vorhaben, das weiß ich nicht. Offenbar findet ein großer Umbruch statt, aber das muss ja nichts Schlechtes sein.

Vielen erscheint das als eine Notwendigkeit und daher als etwas Gutes. Vor allem mit Ihnen als erstem Zugang. Durch Ihre Torgefährlichkeit wollen die Eisbären besser werden. Bedeutet das für Sie großen Druck?

Das passt schon, ich habe selbst große Erwartungen. Auch in meinen jungen Jahren habe ich schon gezeigt, dass ich damit ganz gut umgehen kann. In Nürnberg waren die Erwartungen nicht anders.

Bei der Nationalmannschaft treffen Sie jetzt auf die Berliner Kai Wissmann, Marcel Noebels und Jonas Müller. Da können Sie sich über die jüngsten Entwicklungen in Berlin informieren.

Ich bin gespannt, wer der neue Trainer wird. Vielleicht wissen ja die Jungs ein bisschen mehr. Die eine oder andere Frage habe ich schon, da werden sie mir ganz gut helfen können.

Inwiefern geht es für Sie alle vier bei der Nationalmannschaft, die am Donnerstag in Kaufbeuren im ersten Testspiel auf die Slowakei trifft (19 Uhr, Magentasport), auch darum, den Frust nach dem frühen Saison-Aus zu verarbeiten?

Natürlich wäre jedem lieber, noch im Play-off zu sein. Jetzt können wir mit der Nationalmannschaft angreifen, ich denke, das haben wir alle vor. Ich bin gespannt, wie es wird mit Toni Söderholm als neuem Bundestrainer. Ich habe ein paar Mal mit ihm telefoniert, alles klang sehr positiv, es waren sehr gute Gespräche. Ich denke, wir haben eine interessante Zeit vor uns. (Marcel Stein)