Nach Aus im Viertelfinale

Dringender Handlungsbedarf bei den Eisbären

Fehler der sportlichen Leitung lassen die Eisbären früh scheitern. Jetzt ist es notwendig, harte Entscheidungen zu treffen

Die Eisbären schieden gegen München aus.

Die Eisbären schieden gegen München aus.

Foto: dpa/Maurizio Gambarini

Der Weg nach oben ist mitunter lang. Mit Geduld aber lässt er sich durchaus bewältigen. Über Jahre boten die Eisbären ein gutes Beispiel dafür. Immer wieder gelang es ihnen zwischen 2015 und 2018, einen Schritt mehr zurückzulegen. Bis ins Finale kämpften sie sich schließlich.

Ausgerechnet an diesem Punkt kehrte sich der Trend um, statt konsequent an der Weiterentwicklung der Mannschaft zu arbeiten, ließ man sich in der Überschwänglichkeit des Moments blenden. Die sportliche Leitung beschränkte sich auf das Nötigste, nachdem ihr gleich als erstes in Uwe Krupp der Trainer, der den Aufstieg begleitet hatte, davongelaufen ist.

Gute Spiele im Viertelfinale dürfen nichts kaschieren

Immerhin waren Klubchef Peter John Lee und Sportdirektor Stéphane Richer, der sogar als Interimstrainer einspringen musste, so ehrlich zuzugeben, dass sie dachten, man könne einfach weitermachen wie bisher. Das war ein grober Fehler, wie sie inzwischen erkannt haben. Krupps Assistent Clément Jodoin zum Chef zu befördern ging ebenso wenig auf wie die Verlängerung von Verträgen im Dutzend.

Schon während der katastrophalen Hauptrunde mit Platz neun versprachen Lee und Richer Konsequenzen. Das frühe Scheitern im Viertelfinale sollte verhindern, dass diese Meinung noch einmal abgeschwächt wird. Es hat belegt, dass die vielen Verletzungen nicht der alleinige Grund für die zahlreichen Niederlagen waren. Obwohl das Team zuletzt durchaus punktuell gute Leistungen zeigte. Es braucht jetzt dringend einen größeren Schnitt im Kader. Allerdings nicht nur bei den Ausländern, die meist leicht zu ersetzen sind.

Inzwischen kranken die Eisbären daran, dass ihr deutsches Personal nicht mehr höchsten Anforderungen genügt. Die Spitzenklubs sind ihnen da enteilt. Doch fast alle deutschen Spieler besitzen Verträge für die nächste Saison. Genau an diesem Punkt wird sich zeigen, was die angekündigten Konsequenzen tatsächlich bedeuten.

Klub und Besitzer müssen wissen, was sie wirklich wollen

Schon wird wieder von den Top 4 für die nächste Saison geredet. Von ihren Ansprüchen wollen die Berliner nicht abrücken. Das geht auch nicht. Schließlich hat man gegenüber den 14.000 Zuschauern, die selbst bei schlechten Spielen die Arena füllen und dem Klub beständig Platz eins in der Besuchertabelle bescheren, auch eine Verpflichtung, wenn man sie schon damit lockt, ein Spitzenteam aufs Eis zu stellen.

Die finanziellen Möglichkeiten, das tatsächlich zu tun, wären bei Eisbären-Besitzer Anschutz vorhanden. Aber sind Anschutz und die Eisbären wirklich bereit für echte Investitionen in die Qualität des Kaders? Das ist die Frage, die am Ende darüber entscheidet, ob der Weg nach oben in nächster Zeit für die Berliner ein realistisches Thema ist.