DEL-Viertelfinale

Eisbären beweisen Charakter

Titelverteidiger München war sich zu sicher: Die Eisbären gewannen im DEL-Viertelfinale an der Isar 33:0 und erzwangen ein fünftes Spiel in Berlin.

Daniel Ortega (2.v.l.) hat zum zweiten Mal getroffen und wird von den Eisbären gefeiert.

Daniel Ortega (2.v.l.) hat zum zweiten Mal getroffen und wird von den Eisbären gefeiert.

Foto: Lino Mirgeler / dpa

München. Das Lächeln kehrte zurück. Als die Schlusssirene ertönte, fiel nicht nur eine Last ab von den Spielern des EHC Eisbären, sie freuten sich vor allem darüber, nach den jüngsten Enttäuschungen gezeigt zu haben, dass sie sich nicht einfach so ergeben. Mit 3:0 (1:0, 0:0, 2:0) schlugen sie Red Bull München im fünften Spiel des Viertelfinales der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Damit verhinderten sie das Saisonaus und verkürzten in der „Best of seven“-Serie auf 2:3.

Lebensgeister der Eisbären neu geweckt

Zwei Spiele in Folge haben die Eisbären den Bayern nur wenig entgegenzusetzen gehabt, waren nie wirklich in der Partie gewesen. Entsprechend resigniert mussten die Profis des EHC nach Spiel vier der Serie die Überlegenheit der Mannschaft von Trainer Don Jackson anerkennen. Das tat weh, weckte aber ganz offensichtlich noch einmal die Lebensgeister der Berliner.

Während sich in den jüngsten Partien schon jeweils gleich zu Beginn abzeichnete, wer als Sieger vom Eis gehen würde, waren die Eisbären diesmal sofort bei der Sache. Kein langes Sortieren der eigenen Optionen, keine unnötigen Strafzeiten. Das genügte zwar nicht, um den Bayern spielerisch gefährlich zu werden. Aber die Partie verlief immerhin nicht einseitig. Und als die Eisbären eine Überzahlgelegenheit erhielten, nutzten sie diese prompt. Jamie MacQueen, der lange nicht aufgefallen war in der Serie, traf zur Führung (12.).

Richer mischt die Sturmreihen neu

Trainer Stéphane Richer hatte alle vier Sturmreihen für dieses fünfte Spiel kräftig durchgemischt, um noch einmal neue Möglichkeiten im Zusammenspiel zu eröffnen. Das führte zwar nicht zu mehr Kreativität, in Bedrängnis geriet der Titelverteidiger aber trotzdem. Den Berlinern tat die Führung gut. Sie trauten sich mehr, packten härter zu, ließen die Münchner nicht mehr so dicht vor das eigene Tor. Das zeitigte eine Wirkung, der Meister verlor langsam aber stetig seine Souveränität, die Erinnerungen an die zwei Spiele zuvor verblassten.

München schien auf einmal wieder schlagbar, aus entfesselter Leidenschaft wurde sichtbare Nervosität. Der Widerstand der Eisbären beschäftigte die Bayern ungewohnt viel in der Defensive, aus der sie sich selten mit effektiven Angriffen befreien konnten. So viel Verve hätte den Berlinen nach den jüngsten Auftritten kaum jemand zugetraut. Sie schienen nach einer erfolgreichen Phase zum Ende der Hauptrunde am Ende ihrer Kräfte, aber auch ihres Könnens.

Verbissene Zweikämpfe und eine Verletzung

Doch schon als es um Punkte ging, zeigten die Berliner in einzelnen Partien, dass sie in bestimmten Momenten zu besonderen Leistungen fähig sind. Nur konservieren ließ sich dieses Potenzial selten dauerhaft. Zumindest für dieses Spiel aber hatte sich das Team von Richer vorgenommen, nicht einzubrechen. Immer verbissener ging es zu auf dem Eis. Die Stimmung im Olympia-Eisstadion wurde hitziger, als der Münchner Verteidiger Konrad Abeltshauser nach einem Zweikampf mit Sheppard offenbar mit einer Knieverletzung vom Eis musste, der Berliner Stürmer allerdings keine Strafe erhielt.

Mit fortschreitender Zeit stieg die Wut der Bayern, sie versuchten, mit Härte und Tempo Akzente zu setzen. Doch die Eisbären sprachen darauf nicht an, sie hatten ihre Linie gefunden und blieben konsequent dabei. Natürlich musste Torhüter Kevin Poulin noch einige Male eingreifen, aber außer Kontrolle geriet den Berlinern das Spiel nicht mehr. Stattdessen nutzten die Berliner ihre Gelegenheiten. Mit einem Doppelschlage binnen 37 Sekunden besiegelte Austin Ortega (49.) den Erfolg für den EHC und führte das Team in ein sechstes Spiel, das am Freitag in Berlin stattfindet.