DEL-Viertelfinale

Die Eisbären wollen Herz zeigen

Wenn sie erneut verlieren, ist die Saison für die Eisbären beendet. In München ist am Sonntag vor allem Kampfgeist gefragt

Stärke zeigen: Eisbären-Profi Sheppard (r.) im Zweikampf mit Münchens Daryl Boyle

Stärke zeigen: Eisbären-Profi Sheppard (r.) im Zweikampf mit Münchens Daryl Boyle

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Egal, wem man über den Weg lief, die Mienen waren überall in ähnlicher Weise zu deuten. Wer aus der Kabine des EHC Eisbären trat nach dem vierten Spiel im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL), trug ein leichtes Entsetzen im Gesicht. Gerade so, als wäre da ein Gespenst durch den Raum gegeistert. Eines, das vom Ende dieser Saison kündete.

Für einen Moment zumindest fehlte den Berlinern die Kraft, an sich zu glauben. „München hat verdient gewonnen, sie haben mit Tempo gespielt, nach vorn gespielt“, sagte Trainer Stéphane Richer nach dem 2:5. In der „Best of seven“-Serie steht es nun 1:3, keine Konstellation, die es noch sehr wahrscheinlich macht, sich gegen den Titelverteidiger durchzusetzen. Dazu wären drei Siege in Folge nötig. Jede Niederlage kann schon das Ende bedeuten, etwa Sonntag in Spiel fünf (17 Uhr, Sport1).

Fatale Fehler gleich zu Beginn

Eine Woche ist es erst her, da war der Optimismus schier grenzenlos. Die Eisbären hatten ein tolles Spiel 4:0 gewonnen und durften nach einer verheerenden Hauptrunde plötzlich auf ein kleines Wunder hoffen. Nun wirkten sie, als hätte die Realität die Mannschaft eingeholt. Und Platz neun in der Punkterunde erschien auf einmal wieder als weit mehr als nur ein verletzungsbedingter Betriebsunfall. „Wir müssen ehrlich mit uns selbst sein. Wir haben nicht durch Pech verloren“, befand Stürmer Marcel Noebels konsterniert.

Schon von Beginn an sagte ihm sein Gefühl, was er gar nicht hören wollte. „Es war so ein Tag, wo du wusstest, du verlierst hier“, erzählte Noebels. Energisch wollten sie auftreten, resolut gegenüber dem Kontrahenten und forsch am Puck. Bereit sein, nennt man das gern. Dann beginnt das Spiel, und sofort nimmt eine Fehlerkette ihren tragischen Lauf. „Erst haben wir einen Scheibenverlust, dann wird kein Schuss geblockt, dann verlieren wir den Mann zum Tor“, sagte Richer und verdreht die Augen: „Das sollte nicht passieren.“ Nach 28 Sekunden stand es 0:1.

Zwei Niederlagen in Folge haben Spuren hinterlassen

Dabei habe man in der Vorbereitung alles getan, was notwendig sei, um zu gewinnen, so Noebels. Doch die Nerven, wandte Angreifer James Sheppard ein, spielten wohl nicht mit. „In so einer Situation kann es passieren, dass du dich auf die falschen Dinge konzentrierst. Man denkt zu sehr daran, was man zu tun hat, hält dabei vielleicht den Schläger zu fest“, so der Kanadier. Es schwang viel Selbstmitleid mit bei den Berlinern nach der zweiten herben Niederlage in Folge. Erst als das Spiel gelaufen war, konnten sie sich mehr zeigen.

Das genügt in der Summe kaum, um noch Platz für ein wenig Zuversicht zu finden. Doch manchmal weckt der Mut der Verzweiflung den Kampfgeist noch einmal. Die Erwartungen sind nun jedenfalls minimiert, das gibt den Eisbären vielleicht etwas Lockerheit zurück. „Jetzt haben wir eine ganz schwere Aufgabe vor uns“, sagt Noebels. Richer überlegt sogar, den Kader zu verändern. Verteidiger Jens Baxmann wurde zuletzt nicht berücksichtigt und könnte auflaufen. „Wir dürfen kein Spiel mehr verlieren und werden alles tun, um zu gewinnen“, kündigt der Trainer an.

Weniger denken, einfach machen

Vergangene Saison lagen die Eisbären in der Finalserie gegen Red Bull München auch mit 1:3 hinten. Sie schafften es dennoch bis ins siebte Spiel. Obwohl die Ergebnisse nicht viel anders waren, fühlte es sich damals aber so an, als wären die Berliner näher dran an den Bayern als jetzt. „Die Umstände sind anders. Wir müssen den Kopf einfach ausschalten und mehr auf das Herz hören“, sagt Sheppard, der sich bewusst ist, dass die Münchner in der aktuellen Form kaum zu Nachlässigkeiten neigen: „Sie geben dir den Sieg nicht einfach so, du musst ihn dir verdienen.“

Kollege Noebels hatte sich inzwischen etwas erholt von dem Schreck und die Gedanken an das Gespenst aus der Kabine verdrängt: „Wenn man uns jetzt abschreibt, ist das gefährlich.“ Das durfte man als verhaltene Kampfansage verstehen.

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