Eishockey

Doppelte Ladehemmung bei den Eisbären

Im 4. Viertelfinale gegen München geht es für die Eisbären um viel. Alle müssen funktionieren, aber zwei Stürmer treffen nicht mehr.

Erst ein Tor im Play-off, unter seinem Leistungsvermögen: James Sheppard (v.) hat zur Unzeit eine Torflaute.

Erst ein Tor im Play-off, unter seinem Leistungsvermögen: James Sheppard (v.) hat zur Unzeit eine Torflaute.

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin. Am vergangenen Wochenende erreichte die Eisbären eine unerwartete Botschaft aus Bayern. Es handelte sich um ein Video der Blaskapelle der Pipinsrieder Musikanten aus der Nähe von Dachau, die vor dem dritten Viertelfinalspiel der Berliner gegen Red Bull München eine äußerst schmissige Version von „Hey, wir wolln die Eisbärn sehn“ zum Besten gab. In dieser Form hatte man den Klassiker der Puhdys auch noch nicht gehört.

Ein Sieg ist quasi Pflicht

Letztlich verfehlte die musikalische Motivationsspritze allerdings ihre Wirkung: Die Eisbären verloren das Spiel mit 1:4 und liegen damit auch in der Serie mit 1:2 zurück. Am Freitag (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) will der EHC nun vor heimischer Kulisse zurückschlagen, wo der Eisbären-Klassiker nicht bloß Folklore ist, sondern gelebte Tradition.

Ein Sieg ist quasi Pflicht, ansonsten droht den Berlinern bereits am Sonntag das frühzeitige Saisonende. Denn auch wenn die Eisbären gegen den amtierenden deutschen Meister bislang gut mithalten: Davon auszugehen, dass sie nach einem möglichen 1:3-Rückstand in der Serie anschließend drei Spiele hintereinander gegen Red Bull gewinnen, wäre vielleicht doch ein wenig vermessen.

Trainer Richer glaubt, dass die Pause hilft

Andersherum wäre bei einem Sieg für den Hauptstadtklub alles wieder offen, und der Druck läge auf einmal wieder beim Favoriten aus München. „Wir wissen, was wir tun müssen, um München zu schlagen“, sagt EHC-Trainer Stéphane Richer. Aufgrund des veränderten Spielplans im diesjährigen Play-off hatten beide Teams nach dem letzten Duell etwas länger Zeit als sonst, sich auf die Partie am Freitag vorzubereiten. Richer glaubt daher: „Die Mannschaft, die am besten wieder in den Rhythmus findet, wird das Spiel gewinnen.“

Dabei setzen die Eisbären darauf, dass sich die Atmosphäre auf den Rängen auf die Mannschaft überträgt und den Spielern zusätzlichen Schwung gibt. Erst in den vergangenen Wochen hat sich der Heimvorteil auch wirklich wieder zu einem solchen entwickelt. Seit der Länderspielpause im Februar haben die Berliner in eigener Halle nicht mehr verloren, mittlerweile also seit fast sieben Wochen. Auch im ersten Heimspiel der Serie gegen München gab es zuletzt einen deutlichen 4:0-Erfolg. „Die Fans machen schon einiges aus. Mittlerweile haben wir zu Hause wieder ein richtig gutes Gefühl“, sagt Berlins Kapitän André Rankel.

Innere Mitte ist abhandengekommen

Die Eisbären dürfen jedoch nicht allein auf ihre Heimstärke vertrauen, gewissermaßen die äußeren Bedingungen. Auch innerhalb des Teams müssen in der Auseinandersetzung mit Red Bull sämtliche Puzzleteile ineinanderpassen. „Wir müssen unser System durchziehen und das umsetzen, was uns stark macht“, so Rankel. Sein Trainer meint ebenfalls: „Wir brauchen eine geschlossene Mannschaftsleistung, um München zu schlagen.“ Momentan ist den Eisbären allerdings ein wenig die innere Mitte abhandengekommen. Während auf dem Flügel Sean Backman und Brendan Ranford im Play-off bisher mit starken Leistungen aufwarten, die beide während der regulären Saison nicht immer überzeugen konnten, kommt von der zentralen Position bislang noch zu wenig.

Center Louis-Marc Aubry etwa hat in der K.o.-Runde erst zwei Scorerpunkte zu Buche stehen, auf sein erstes Play-off-Tor wartet der Kanadier noch. Dabei schien er gegen Ende der Hauptrunde gerade so richtig in Fahrt zu kommen, als er an 16 der 29 Eisbären-Treffer nach der Länderspielpause beteiligt war. Seit Beginn der Endrunde läuft die Punkteproduktion jedoch eher schleppend.

Letzte Saison war Aubry viel stärker

Auch im Eishockey gilt: In der Mitte liegt die Kraft. Dominante Center können das Spiel an sich reißen und am Ende wie in der vergangenen Saison den Ausschlag geben, als Aubry als bester Berliner Torschütze im Play-off mitverantwortlich dafür war, dass die Eisbären bis ins Finale vorstießen. Nicht zu Unrecht waren Aubry sowie James Sheppard danach die einzigen Spieler, die der Ex-Trainer der Eisbären Uwe Krupp gern zu seinem neuen Verein nach Prag mitgenommen hätte.

Von der Verfassung des Vorjahres sind beide derzeit aber weit entfernt, denn auch Sheppard hat im laufenden Play-off erst zwei Punkte erzielt. Louis-Marc Aubry blieb beim Training am Donnerstag extra lang auf dem Eis, so als ob er spürte, dass von ihm in dieser Phase der Saison noch mehr kommen muss. „Man muss an den kleinen Dingen arbeiten, um sich zu verbessern“, sagte er. Er habe ja durchaus gute Torchancen gehabt, doch bislang habe der Puck eben nicht ins Tor gehen wollen. „Da muss man positiv bleiben. Hoffentlich mache ich am Freitag ein paar Dinger rein und komme dann so richtig ins Rollen“, meinte Aubry. Denn so sehr sich die Eisbären über unerwartete Unterstützung wie jetzt durch die Dachauer Blaskapelle freuen: Noch wichtiger wäre es, wenn die bewährten Kräfte das Niveau abrufen, zu dem sie in der Lage sind.