Eishockey-Viertelfinale

Eisbären-Profi Braun ist wieder stabil

Der EHC Eisbären startet zuversichtlich in das Viertelfinale gegen München. Verteidiger Constantin Braun ist ein Grund dafür.

Abwehrspieler Constantin Braun (r.) stand in dieser Saison erst in 13 Partien auf dem Eis. Seine Präsenz hilft den Berlinern, sich durchzusetzen

Abwehrspieler Constantin Braun (r.) stand in dieser Saison erst in 13 Partien auf dem Eis. Seine Präsenz hilft den Berlinern, sich durchzusetzen

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin. Sein Lachen ist ansteckend. Mit breitem Grinsen im Gesicht steht Constantin Braun vor der Kabine des EHC Eisbären. Vielleicht waren zum Geburtstag genau die richtigen Geschenke dabei – 31 Jahre wurde der Verteidiger am Montag alt – und die Freude darüber ist noch sehr präsent. Womöglich kann er es auch kaum erwarten, dass das Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) losgeht. Ganz sicher hat seine gute Laune einiges damit zu tun, dass er überraschend schnell wieder zu einem wichtigen Faktor im Spiel der Berliner avancierte.

Wer ihn beobachtet, sieht ihm einfach an, dass er sich prima fühlt auf dem Eis. Braun spielt entschlossen, geht überall dazwischen, ihm unterlaufen kaum Fehler. So muss es sein, wenn die Eisbären die „Best of seven“-Serie gegen Titelverteidiger München, die am Mittwoch mit einem Auswärtsspiel beginnt (19.30 Uhr, Magentasport), bestehen wollen. „Das ist eine läuferisch starke Mannschaft, die viel Druck auf den Gegner ausübt“, sagt Braun. Stabilität, speziell in der Defensive, ist also gefragt. Braun demonstriert gerade in jeder Partie, was das bedeutet.

Zweikämpfe und ein guter Pass als Priorität

Dass er schon wieder so auftritt, ist keineswegs als selbstverständlich zu werten. Fünf Monate fehlte der Abwehrspieler, er unterzog sich einer Therapie wegen seiner Alkoholsucht. Es stand infrage, wie es überhaupt weitergeht, schließlich war es seine dritte lange Auszeit. 2013 fehlte er vier Monate wegen einer Depression, 2017 noch einmal drei Monate. „Funktioniert das noch oder nicht?“ Das war die Frage, die er sich bezüglich des Eishockeys stellte.

Es geht sogar besser, als man erwarten durfte. „Er spielt sehr solide“, lobt Trainer Stéphane Richer. Ende Januar absolvierte Braun seine erste Saisonpartie und fand sofort seinen Rhythmus. „Ich bin in die ersten Spiele gegangen – im Prinzip tue ich das immer noch – und habe es für mich als Aufgabe gesehen, meine Zweikämpfe nicht zu verlieren und einen guten Aufbaupass zu spielen“, erzählt der Verteidiger. Basisarbeit, mehr nicht, aber genau das ist eben die Voraussetzung für alles andere. „Damit habe ich mir Selbstvertrauen geholt“, sagt Braun.

Rückkehr als Teil eines Prozesses

Diese Sicherheit hilft ihm nicht nur auf dem Eis. Mit der Rückkehr allein ist nämlich längst nicht alles geschafft. Sie ist nur die nächste Stufe eines langen Prozesses. Zumindest für den Moment scheint es, als hätte die Therapie ihm genug Optionen an die Hand gegeben, um auch abseits des Eises ein stabiles Leben zu führen. Das ist das Wichtigste für Braun. Nur wenn ihm das dauerhaft gelingt, liegen auch noch einige Jahre im Eishockey vor ihm.

Für langfristige Betrachtungen ist aber gerade keine Zeit, im Play-off geht es um die unmittelbare Perspektive. Das nächste Spiel. München. „Ich beschränke mich darauf, mich mental auf das Einfache vorzubereiten. Alles andere ist Bonus“, erzählt Braun, der das Play-off vergangene Saison wegen einer Handfraktur verpasste. Wenn das klappt, geht auch mal etwas Komplizierteres.

Anfangs war er etwas ausgepumpt

Aber das ist mehr Sache von Abwehrpartner Micki DuPont, den zieht es oft nach vorn, so dass Braun überwiegend hinten absichert. Auch dank seiner Größe und Statur verhalf er dem Team zu mehr Durchsetzungskraft vor dem eigenen Tor und in den Ecken. Damit leistete er seinen Beitrag, um die Berliner nach enttäuschenden Monaten zur aktuellen Erfolgsserie zu führen.

Weil Richer ihm gleich viel Eiszeit gab und ihn in allen Situationen einsetzte, war Braun anfangs ziemlich kaputt. „Auf der anderen Seite war ich schnell wieder mittendrin im Geschehen“, so der Verteidiger, der inzwischen kein Problem mehr hat mit dem Tempo. Das ist bedeutsam gegen München, ein forderndes Team, das die Verteidiger des Gegners früh am Aufbaupass hindert und Puckverluste provoziert. „Wir wollen schauen, dass wir schnellstmöglich aus dem eigenen Drittel herauskommen und viel bei denen im Drittel spielen“, sagt Braun. Die Devise ist also klar, wie gut die Umsetzung funktioniert, davon hängt der Erfolg in der Serie ab.

Sie wollen unangenehm sein für München

Mit dem Schwung der jüngsten sechs Siege sieht Constantin Braun kein größeres Problem in dieser Aufgabenstellung. „Wenn wir konstant die Leistung der vergangenen Wochen abrufen, sind wir für jede Mannschaft unangenehm“, sagt der Verteidiger mit einem Lächeln, das wie eine Garantie für seine Worte wirkt.