Vor dem Viertelfinale

München macht’s immer mit der gleichen Masche

Red Bull will mit Offensiv-Eishockey als erster Klub den vierten DEL-Titel in Folge holen. Aber der Respekt vor den Eisbären ist groß.

Eisbären-Verteidiger Florian Kettemer (r.) kennt sich mit den Münchenern bestens aus

Eisbären-Verteidiger Florian Kettemer (r.) kennt sich mit den Münchenern bestens aus

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin. Von außen betrachtet wirkt die Situation wenigstens ein bisschen bizarr. Gut drei Monate ist es her, da fanden sie beim EHC Eisbären, dass Trainer Clément Jodoin der Mannschaft nicht mehr weiterhelfen kann. Genau jener Coach gehört nun zum Stab des Teams, gegen das die Berliner im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) antreten. Zwar steht der Kanadier nicht in der Hauptverantwortung, ist aber einer der Assistenten bei Red Bull München.

Stéphane Richer lächelt, er habe noch keine Nachricht von Jodoin erhalten, seit das Duell feststeht. Der Sportdirektor und Interimstrainer der Berliner misst dem kuriosen Umstand auch keinerlei Bedeutung zu. „Für mich ist das kein Vorteil für München. Alle Trainer machen sowieso ihre Arbeit per Video. Und wir kennen die Mannschaft von Don Jackson auch, er spielt seit Jahren den gleichen Weg mit Erfolg“, sagt Richer. Geheimnisse gibt es bei der Vielzahl der Aufeinandertreffen ohnehin nicht. Und ja, keiner weiß besser, wie Münchens Cheftrainer tickt, schließlich gewann der mit den Eisbären fünf Meisterschaften.

München will als erster Klub vier DEL-Titel in Folge

Mit den Bayern sind es nun schon drei Titel in Serie. Vier in Folge gelangen noch keinem Klub in der DEL, diese Marke zu erobern, ist das Ziel von Jackson. Doch die aktuelle Aufgabe erledigt sich nicht von selbst für den Titelverteidiger. „Wir dürfen uns nicht täuschen lassen davon, wo Berlin im vorigen Jahr stand und wo sie jetzt sind“, sagt Jackson.

Vergangene Saison trafen sich beide Teams im Finale, nach acht Play-off-Serien hintereinander mit maximal einem Sieg für den Gegner gelang es den Eisbären fast, die Münchener zu entthronen. 3:4 unterlagen sie. Jetzt musste der EHC nach schwacher Hauptrunde den Umweg über das Pre-Play-off nehmen, um überhaupt ins Viertelfinale zu kommen.

Die Eisbären müssen Mittwoch zuerst auswärts spielen

Mittwoch geht es los in der „Best of seven“-Serie, zunächst in München (19.30 Uhr, Magentasport). „Mit Berlin haben wir die stärkste Mannschaft getroffen. Sie waren das ganze Jahr angeschlagen, aber jetzt sind sie topfit. Das wird eine harte Serie. Wir müssen Charakter und unser bestes Eishockey zeigen“, sagt RB-Torhüter Danny aus den Birken. Sie haben Respekt.

Auch, weil der Hauptrundenabschluss mit zwei Niederlagen nicht optimal war und es dagegen bei den Eisbären mit sechs Siegen in Serie bestens läuft. Vor allem aber, weil die Eisbären nach zwei gescheiterten Versuchen, 2017 trafen beide Klubs im Halbfinale aufeinander (1:4), noch ehrgeiziger in den dritten Anlauf gehen. „Die wollen sicher was zurückzahlen“, ahnt Münchens Verteidiger Konrad Abeltshauser. Sein Sturmkollege Frank Mauer sagt: „Wir müssen höllisch aufpassen.“

Bayern mit so vielen Punkten wie noch nie

Großer Favorit bleiben die Bayern mit ihrem unwiderstehlichen Offensivstil dennoch, obwohl sie nach drei Jahren erstmals nicht die Hauptrunde für sich entschieden. Was aber keineswegs gegen sie spricht. München veränderte den Kader stark, holte trotzdem so viele Punkte in Hauptrunde wie noch nie (109). Nur war eben Mannheim noch besser (116).

„Hier hat sich eine ansteckende Siegermentalität aufgebaut“, sagt Abeltshauser, der mit seiner Mannschaft als erstes deutsches Team sogar das Finale der Champions Hockey League erreicht hat. Keines der vier DEL-Punktspiele konnten die Eisbären, bei denen eine Rückkehr von Mark Olver (Hand) bevorsteht, für sich entscheiden.

Kettemer ist heiß auf den alten Klub

Dafür gelang es den Berlinern in den vorigen beiden Play-off-Duellen, jeweils die erste Partie in München zu gewinnen. „Viele der Spieler waren im vorigen Jahr schon da und wissen, was zu tun ist“, sagt Jackson über die Eisbären. Verteidiger Florian Kettemer ist erst seit dieser Saison bei den Berlinern, kennt sich aber dennoch bestens aus, denn er war bei allen Münchener Titeln mit dabei. „Wir sind heiß“, sagt er, „das wird eine geile Serie.“