Hauptrunden-Finale

Welcher Eisbär gehen könnte – und wer bleibt

Die Eisbären treffen in den letzten beiden Punktspielen auf Köln und Düsseldorf, sie wollen sich auf das Play-off einstimmen.

EHC-Topscorer Jamie MacQueen ist bei den Kölner Haien im Gespräch

EHC-Topscorer Jamie MacQueen ist bei den Kölner Haien im Gespräch

Foto: Andreas Gora / picture alliance/dpa

Berlin. Das letzte Wochenende der Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) liegt vor dem EHC Eisbären. Nur unter größten Mühen gelang es den verletzungsgeplagten Berlinern, die als Vizemeister mal einen Platz unter den ersten Vier angepeilt hatten, das Pre-Play-off zu erreichen. Ein Trainer, Clément Jodoin, blieb dabei auf der Strecke. Gerade so dürfte das Resultat der Punkterunde der Saison 2016/17 noch überboten werden, der schwächsten seit dem letzten Verpassen des Play-off 2001. Damals versöhnte die Mannschaft die Fans allerdings mit dem späteren Halbfinaleinzug.

Wenn der diesmal nicht gelingt, dürfte der Kader einen größeren Umbruch erfahren. Zu viele Spiele blieben trotz schwieriger Umstände hinter den Erwartungen. Bei seiner jüngsten Reise nach Los Angeles zu den Kings aus der nordamerikanischen NHL, die beim gemeinsamen Besitzer Anschutz eine Kontrollfunktion über den EHC ausüben, hat Eisbären-Geschäftsführer Peter John Lee das Vorgehen nach Saisonende besprochen. „Wir reden über einen Kader, der uns in die Top Vier bringt“, lautet seine Prämisse. Das Budget dafür werde an den Notwendigkeiten ausgerichtet, auch laufende Verträge aufzulösen, „ist schon möglich“.

Doppeltes Heim-Wochenende gegen Haie und DEG

Vor den Partien am Freitag gegen Köln (19.30 Uhr) und am Sonntag gegen Düsseldorf (14 Uhr, jeweils Mercedes-Benz Arena) beleuchtet die Morgenpost die Perspektiven der Spieler bei den Eisbären, die auch noch einen Trainer suchen:

Jamie MacQueen (30 Jahre, Kanada): Er ist zwar der wichtigste Torschütze mit 21 Treffern, hinzukommen 15 Vorlagen. Für die Defensivarbeit fühlt er sich aber nicht verantwortlich, er steht sehr oft bei Gegentoren auf dem Eis. Sein Vertrag endet, eine Verlängerung ist sehr fraglich. Er orientiert sich wohl ohnehin anderweitig.

Louis-Marc Aubry (27, Kanada): Fand erst sehr spät in der Saison seinen Rhythmus, wenn er ihn hat, ist der Mittelstürmer, der 12 Tore und 22 Vorlagen verbucht, ein Motor des Teams. Seine Option auf ein weiteres Vertragsjahr ist wohl gezogen.

James Sheppard (30, Kanada): Der Center (12 Tore, 22 Vorlagen) ist einer von zwei Ausländern, die einen Kontrakt für die kommende Saison besitzen. Mit seiner Präsenz und seinem Spielverständnis der wichtigste Mann bei den Eisbären.

Marcel Noebels (26, Deutschland): Der Flügelstürmer (9 Tore, 24 Vorlagen) agierte lange unglücklich, biss sich aber durch schwere Monate und untermauerte seinen Anspruch, ein deutscher Führungsspieler zu sein. Hat noch drei Jahre Vertrag.

Micki DuPont (38, Kanada): Der älteste Spieler im Kader würde gern einen neuen Kontrakt unterschreiben. Dagegen spricht nichts, mit vier Toren und 23 Vorlagen ist er wie immer der punktbeste Verteidiger im Team, hat zudem die meiste Eiszeit der Liga und fällt fast nie aus.

Brendan Ranford (26, Kanada): Er rackert, er kämpft, wirkt trotz 13 Toren und 12 Vorlagen aber oft verloren aufgrund seiner geringen Körpergröße. Das Arbeitspapier des Stürmers läuft aus, er ist ein Kandidat für einen Wechsel.

Sean Backman (32, USA): Zwar ist der Amerikaner (13 Tore, 11 Vorlagen) von ähnlicher Statur wie Ranford. Doch sein Vertrag läuft noch über die nächste Saison, dabei wird es wohl bleiben, da er als Vorbild für die Kooperation zwischen LA und Berlin steht.

Colin Smith (25, Deutschland): Mit 4 Toren, 17 Vorlagen und einer großen Defensivschwäche wäre der Stürmer als Ausländer durchgefallen. Durch seinen Passwechsel in der Saison erlangte der Deutsch-Kanadier eine neue Perspektive, als nun zweitbester deutsche Scorer dürfte er bleiben.

Florian Kettemer (32, Deutschland): Zweifellos ist der Verteidiger eine der Überraschungen dieser Saison, 10 Tore und 9 Vorlagen liegen über den Erwartungen. Er besitzt einen Vertrag für die nächste Saison.

Frank Hördler (34, Deutschland): Talent und Routine kommen bei ihm zusammen. Zwar unterliefen ihm ungewohnt viele Fehler in dieser Saison, in der Defensive ist Hördler (6 Tore, 12 Vorlagen) aber ein wichtiger Faktor und weiter gesetzt.

André Rankel, (33, Deutschland): Der Kapitän verliert seine Torgefährlichkeit, könnte zum ersten Mal seit 2008 unter zehn Toren in der Hauptrunde bleiben (8 Tore, 9 Vorlagen). Er kämpft, bekommt aber nicht die gewohnte Wucht aufs Eis. Er wird sich wohl mit einer weniger tragenden Rolle begnügen müssen.

Florian Busch (34, Deutschland): Der glorreiche 85er-Jahrgang der Eisbären (Rankel, Hördler, Baxmann und Busch) ist im letzten Drittel seiner Karriere angekommen. Busch steht exemplarisch dafür, ist sehr oft verletzt, bringt als Stürmer wenig Torgefahr (5 Treffer, 8 Vorlagen). Trotz aller Verdienste und eines laufenden Vertrags könnte sein Platz ein Spielraum sein, den Kader aufzufrischen.

Daniel Richmond (34, USA): Bringt nicht die Leistung, die einen Top-Verteidiger ausmacht (1 Tor, 10 Vorlagen), setzt auch im Überzahlspiel zu wenige Akzente. Er sollte den EHC verlassen.

Jonas Müller (23, Deutschland): In der Defensive ist der Nationalspieler (5 Tore, 5 Vorlagen) eine Stütze, wenn auch mit einem Hang zur Leichtsinnigkeit.

Martin Buchwieser (29, Deutschland): Der Stürmer (2 Tore, 7 Vorlagen) muss oft die offensiveren Kollegen absichern. Ein Kämpfer, aber zu ungefährlich. Hier wäre trotz Vertrag eine Möglichkeit, den Kader zu verändern.

Mark Cundari (28, Kanada): Für den Verteidiger begann erst die Saison schlecht, dann riss er sich das Kreuzband. Nur 14 Spiele (3 Tore, 4 Vorlagen) absolvierte Cundari. Ob er eine neue Chance erhält, ist sehr ungewiss.

Austin Ortega (24, USA): Gerade erst angekommen, hinterlässt der Stürmer großen Eindruck: 3 Spiele, 2 Tore, 5 Vorlagen. Gute Argumente für einen Anschlussvertrag.

Daniel Fischbuch (25, Deutschland): Leider lässt der Stürmer keine Entwicklung mehr erkennen, Torgefahr ist kaum vorhanden (2 Treffer, vier Vorlagen). Trotz Kontrakt ein Kandidat, um Platz im Kader zu schaffen.

Jens Baxmann (33, Deutschland): Für den langjährigen EHC-Verteidiger (1 Tor, 5 Vorlagen), in der Absicherung vor dem eigenen Tor immer unauffällig, wird es wohl keinen neuen Vertrag mehr geben in Berlin.

Kai Wissmann (22, Deutschland): Ein Verteidiger mit der Perspektive Nationalmannschaft. Wegen eines Fingerbruchs bisher nur 16 Spiele im Einsatz (kein Tor, drei Vorlagen).

Constantin Braun (30, Deutschland): Trotz wiederholter gesundheitlicher Probleme bei seiner Rückkehr in nur neun Partien (kein Tor, 1 Vorlage) ein Stabilitätsfaktor in der Abwehr. Sollte das auch weiterhin sein können.

Thomas Oppenheimer (30, Deutschland): Seine Kampf- und Durchsetzungskraft fehlte den Berlinern wegen eines Schlüsselbeinbruchs im ersten Spiel (1 Tor) für den Rest der Saison. Er bleibt.

Mark Olver (31, Deutschland): Mit Handproblemen der nächste Langzeitverletzte (9 Spiele, kein Tor, 1 Vorlage. Der Mittelstürmer hat einen Vertrag.

Kevin Poulin (28, Kanada): Der Torwart wurde schnell zum Fanliebling, zeigte oft starke Leistungen, hatte aber auch Schwächephasen. Eine Weiterverpflichtung erscheint sinnvoll, doch es gibt auch Vorbehalte seitens der Klubführung. Das Play-off dürfte eine wichtige Rolle bei der Beurteilung spielen.

Maximilian Franzreb (22, Deutschland): Er ist ein entwicklungsfähiger Backup für den Stammtorhüter mit der Aussicht, es zu einer Nummer eins zu bringen.

Marvin Cüpper (25, Deutschland): Durch Verletzungspech blieb der Goalie ohne Einsatz. Wie es mit ihm weitergeht, dürfte trotz Vertrag mit der Entscheidung zusammenhängen, ob Poulin bleibt oder die Eisbären vielleicht mit zwei Deutschen im Tor in die nächste Saison gehen wollen.

Fazit: Alles in allem sind in etwa fünf bis sieben Veränderungen im Kader realistisch. Wobei die Nachwuchsakteure Maximilian Adam, Charlie Jahnke und Vincent Hessler hier nicht eingerechnet sind, da sie nicht als Stammspieler eingeplant waren. Geht man davon ausgeht, dass mit Leonhard Pföderl (Nürnberg, 17 Tore) und Anthony Camara (Iserlohn, 21 Tore) zwei Spieler wie kolportiert bereits verpflichtet worden sein sollen, bleiben noch drei bis fünf weitere Profis als Zugänge zu erwarten. Damit wäre eine gute Durchmischung des Kaders gewährleistet und ein Angriff auf die Top Vier möglich in der nächsten Saison.

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