Eishockey

Ortega lässt die Eisbären jubeln

Der neue Stürmer trifft beim 6:3 gegen Verfolger Krefeld doppelt, Berliner können nun fürs Pre-Play-off planen.

Der neue Eisbären-Stürmer Austin Ortega (l.) feiert den Treffer zum 1:1, lässt später noch ein weiteres Tor und eine Vorlage folgen.

Der neue Eisbären-Stürmer Austin Ortega (l.) feiert den Treffer zum 1:1, lässt später noch ein weiteres Tor und eine Vorlage folgen.

Foto: Mathias Renner / City-Press GmbH

Die Lippe zeigte noch deutliche Spuren. Ein fetter Kratzer in der Mitte, oben und unten gerötete Schwellungen. Es war ein Crosscheck mitten ins Gesicht, den Austin Ortega abbekommen hatte. Und der ihm die Eigenheiten der Deutschen Eishockey Liga (DEL) etwas näher brachte. „Das wird nur mit zwei Minuten bestraft in dieser Liga, obwohl es geblutet hat“, wunderte sich der US-Amerikaner, konnte aber darüber auch schmunzeln. Denn die Strafe für den Gegner in den letzten Minuten des Spiels öffnete dem EHC Eisbären den Weg zum Sieg gegen die Krefeld Pinguine. „Ich habe das für die Mannschaft eingesteckt“, so Ortega nach dem 6:3 (1:1, 1:2, 4:0) der Berliner in der mit 14.200 Zuschauern ausverkauften Mercedes-Benz Arena.

An dem Zugang der Berliner ließ sich die Intensität der Partie gut ablesen. Beide Mannschaften standen sich in einem äußerst wichtigen Spiel gegenüber. Entsprechend stark war die körperliche Komponente ausgeprägt, entsprechend nervös waren die Akteure. „Beide haben super hart für die Punkte gekämpft “, stellte Verteidiger Florian Kettemer fest. Die Eisbären konnten mit dem erst spät erstrittenen Erfolg den zehnten Platz absichern und am Ende des Tages auf Rang neun klettern. Bei noch fünf ausstehenden Spielen bis zum Ende der Hauptrunde und nun acht Zählern Vorsprung auf den Elften Krefeld sollte die Qualifikation für das Pre-Play-off ein gutes Stück näher gerückt sein. „Ich bin sehr froh“, sagte Trainer Stéphane Richer.

Nicht nur die gewonnenen Punkte lösten diese Erleichterung bei Richer aus. Auch die Entscheidung, Ortega vergangene Woche zu verpflichten, erweist sich als guter Zug der Berliner. Schon am Freitag beim 5:3 in Schwenningen fiel der Stürmer mit zwei Vorlagen auf, nun erzielte er bei seinem Heimdebüt den ersten und letzten Treffer der Eisbären und legte ein weiteres Tor auf. „Ich versuche nur, mein Spiel zu spielen und so hart zu arbeiten, wie ich kann“, sagte der 24-Jährige. Er belebt die Offensive des EHC mit seinem guten Auge und seinem Tempo. „Seine Qualität hat er gezeigt“, freute sich Richer.

Kapitän Rankel gibt ein unauffälliges Comeback

Dennoch durchlebten die Eisbären, bei denen Kapitän André Rankel nach einer Muskelverletzung wieder dabei war, gegen Krefeld ein Wechselbad der Gefühle. Nach gutem Start schlichen sind immer wieder Unachtsamkeiten ein, die die Berliner dreimal einem Rückstand hinterherlaufen ließen. Krefelds erstes Tor durch Daniel Pietta (10.), glich Ortega aus (14.). Geschossen hatte er allerdings nicht, er schlug über den Pass. Der Puck sprang jedoch an sein Knie und von dort ins Tor. Travis Ewanyks Treffer konterte Jamie MacQueen in Überzahl (32.). Doch nur 39 Sekunden später, wohl geistig noch mit dem Jubel beschäftigt, ließen die Eisbären wieder Pietta zu viel Platz – 2:3.

Die Rückstände beschäftigten die Berliner. Sie bemühten sich um Spielkontrolle, schafften es aber nicht, die Krefelder permanent unter Druck zu setzen. Zu viele Pässe waren voreilig, manchmal auch ungenau. Auch die Zaghaftigkeit im Duell Mann gegen Mann wirkte sich immer deutlicher zum Nachteil aus. Mehr nach Verlegenheit sah schließlich auch der Schuss von Kettemer aus, der aber doch zum 3:3-Ausgleich im Netz landete (47.). Allerdings nur, weil er von einem Krefelder abgefälscht worden war. „Wir haben nach den Gegentoren den Kopf oben behalten und geduldig weitergespielt“, sagte Richer, der in dieser Saison oft gesehen hat, dass seine Mannschaft in solchen Situationen eingebrochen ist.

MacQueen sorgt für die erste Führung

Diesmal schien der dritte Ausgleich den Willen der Berliner zu stärken, sie wurden wieder aggressiver, wollten den Sieg unbedingt. Die Chance darauf bot sich, als die Eisbären nach dem Foul an Ortega ein doppeltes Überzahlspiel hatten, erneut MacQueen drosch den Puck in die Maschen (54.), Marcel Noebels traf anschließend zum 5:3 (56.), Ortega erhöhte mit einem Schuss ins leere Tor noch auf 6:3 (60.). „Das war ganz schönes Hin und Her, aber ein großer Sieg für uns“, so der Neuling. Dank des spät erkämpften Erfolgs können die Eisbären nun um einiges entspannter in die letzten beiden Wochen der Hauptrunde gehen.