Schickalsspiel

Zeit für neue Helden bei den Eisbären

Die Eisbären wollen im Duell mit Krefeld eine Vorentscheidung im Kampf um den letzten Platz für das Pre-Play-off erzwingen

Louis-Marc Aubry (r.) gibt den Eisbären mehr Durchschlagskraft

Louis-Marc Aubry (r.) gibt den Eisbären mehr Durchschlagskraft

Foto: EIBNER/Sven Laegler / imago/Eibner

Berlin.  Es ist Zeit, sich der alten Helden zu erinnern. Ziemlich genau 20 Jahre liegen die großen Tage von Moskau zurück, als der EHC Eisbären Platz drei in der European Hockey League, einem Vorgänger der heutigen Champions Hockey League, eroberte. Es war einer der schönste Momente der Klubgeschichte, und er soll an diesem Sonntag noch einmal aufleben. Ein paar Stars von damals schauen extra vorbei, Mike Bullard etwa, Leif Carlsson oder Derek Mayer lassen Fotos mich sich machen. Das aktuelle Team trägt spezielle Trikots beim Aufwärmen.

Rahmen- und Hauptprogramm könnten am Sonntag in der Mercedes-Benz Arena kaum besser harmonieren. Die Berliner treffen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) auf die Krefeld Pinguine (17 Uhr, Sport1), sechs Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde ist es das Duell zwischen dem Zehnten und dem Elften. Krefeld sucht bei fünf Zählern Rückstand seine wohl letzte Chance, das Aus nach der Punkterunde zu vermeiden. Für den EHC geht es darum, den Konkurrenten im Kampf um den letzten Platz für das Pre-Play-off zu distanzieren und den Nervenkitzel für die nächsten Partien zu minimieren. Es ist also Zeit für neue Helden.

Personallage stützt die Zuversicht

Der Testlauf für das überaus wichtige Spiel gelang den Eisbären, nach dem Ende der Länderspielpause gewannen sie 5:3 in Schwenningen. „Das erste Drittel war vielleicht unser bestes Drittel seit Langem. Wenn man sich unsere Saison anschaut, sind wir mit dem Sieg natürlich sehr zufrieden, aber es war ein harter Kampf“, so Trainer Stéphane Richer. Wichtig war für ihn zu sehen, dass das Team mit der Rückkehr von James Sheppard, Louis-Marc Aubry und Florian Kettemer sowie dem Zugang Austin Ortega deutlich an Schlagkraft zugelegt hat. Ein Drittel der 15 Berliner Scorerpunkte in Schwenningen verteilten sich auf diese vier Spieler.

Die personell entspannte Lage lässt die Zuversicht für den Rest der Hauptrunde wachsen. „Wir hatten zu oft in dieser Saison einfach keine Optionen. Jetzt haben wir welche, und das merkst du schon im Training. Es ist ein Konkurrenzkampf da“, sagt Richer. Das führte dazu, dass er Daniel Fischbuch im Schwarzwald auf die Tribüne setzen konnte. Sind auch André Rankel und Mark Olver in den nächsten Tagen wieder einsatzfähig, werden zwei weitere Profis Fischbuchs Schicksal teilen.

Zittern bis zum Schluss möglichst vermeiden

Richer genießt das gerade. Seit er das Traineramt übernommen hat, häuften sich die negativen Nachrichten. Nun scheint sich das Blatt ein wenig zu wenden. „Es ist das erste Mal, dass wir so viele Leute haben. Das macht einfach mehr Spaß, die Intensität ist höher. Ich glaube und ich will, dass wir das im Spiel umsetzen“, so der Sportdirektor in Doppelfunktion. Noch mehr Spaß würde es ihm allerdings bereiten, wenn der Vorsprung auf Platz elf auf acht Punkte wächst und die letzten fünf Partien weniger Endspielcharakter hätten. Das große Zittern bis zum Schluss, das andernfalls absehbar wäre, also vermieden werden könnte.

Auch die Krefelder wissen um den Ernst der Situation. „Wir dürfen den Eisbären nicht das Momentum überlassen. Wenn sie ins Laufen kommen, wird es schwer für uns“, sagt Trainer Brandon Reid, dessen Team die Berliner im jüngsten Aufeinandertreffen mit 6:2 geschlagen hatte Da war Anfang Januar, in der Zeit der größten Eisbären-Krise. Davon haben sich die Berliner längst erholt, die Stimmung in den letzten Tagen vermittelte eher etwas von Aufbruch und Neubeginn. Von einem Team, das endlich in die Position kommt, sein vermeintliches Potenzial auch abrufen zu können. Wenn den Eisbären das wirklich gelingt, dürften die neuen Helden sogar nach vorn schauen auf Platz neun, der einen Punkt entfernt ist.