Punkte-Endspurt

Der alte Mann der Eisbären will mehr

Mit fast 39 Jahren steht Eisbären-Verteidiger DuPont in der DEL am meisten auf dem Eis. In Schwenningen startet das Hauptrunden-Finale.

Micki DuPont (l.) startet mit den Eisbären in Schwenningen

Micki DuPont (l.) startet mit den Eisbären in Schwenningen

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin.  Er schaut ernst. Es liegt zwar nah, die jüngsten Entwicklungen beim EHC Eisbären als vorteilhaft zu bewerten und sich deshalb zu einem entspannten Gesichtsausdruck verleiten zu lassen, doch für Micki DuPont ist das eher eine Illusion. Klar, nach der Länderspielpause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) stehen den Berlinern vier Spieler mehr zur Verfügung. Das allein heißt aber nichts. Es hilft, natürlich, aber für DuPont ist eines entscheidend: „Wir müssen jetzt die Arbeit erledigen.“

Die spürbare Anspannung des Verteidigers entbehrt nicht eines ernsten Hintergrunds. Bei aller Härte der Verletztenproblematik ließen zu viele Spieler in dieser Saison das nötige Engagement vermissen. Was ein Grund dafür ist, weshalb die Eisbären in den letzten sieben Spielen der Hauptrunde, beginnend mit dem Auftritt am Freitag beim Letzten in Schwenningen (19.30 Uhr, Magentasport), jetzt darum bangen müssen, ihren zehnten Platz zu verteidigen – und so als letztes Team das Pre-Play-off zu erreichen. „Wir akzeptieren die Situation und wollen uns durchkämpfen, füreinander kämpfen“, so DuPont, der darauf hofft, dass die Eisbären endlich besser als Team funktionieren.

Im Durchschnitt 23:28 Minuten pro Spiel im Einsatz

Sein eigener Beitrag zur Leistung der Eisbären fällt in dieser Saison noch mehr auf als sonst. Erstmals veröffentlicht die DEL die Eiszeiten aller Profis, und DuPont steht pro Partie durchschnittlich 23:28 Minuten auf dem Eis. Kein anderer Feldspieler ist so viel in der DEL im Einsatz. Dabei ist der Kanadier, der in zwei Monaten 39 Jahre alt wird, nicht nur der älteste Spieler des EHC, sondern auch der zweitälteste Aktive der Liga nach dem Augsburger Arvids Rekis. „Ich liebe das einfach. Ich möchte so oft auf dem Eis sein, wie ich kann“, sagt der Abwehrspieler. Für ihn ist das Teil der Verantwortung, die er übernimmt.

DuPont gibt viel für seinen Sport. „Wenn du älter wirst, realisierst du, wie viel Glück du hast, Eishockey spielen zu können und dafür bezahlt zu werden“, erzählt er. Entsprechend lebt der Kanadier, ernährt sich bewusst, verzichtet auf die bei Nordamerikanern beliebten Burger weitgehend. „Ich esse lieber Gesundes, denn du musst gut auf deinen Körper aufpassen. Ich trinke viel Wasser“, sagt DuPont. Er esse sogar ziemlich viel für seine Größe von 1,76 Meter, „um genug Energie zu haben“ für die viele Eiszeit.

Ein neuer Vertrag in Berlin ist das Ziel des Kanadiers

Den Kraftstoff benötigt er nicht nur dafür, DuPont gehört zu denjenigen, die sowieso nie genug bekommen können: „Ich brauche viel Bewegung, das hilft mir.“ Durch die Stadt fährt er lieber mit dem Rad als mit dem Auto. Nach dem offiziellen Training sieht man den Senior im Team oft am längsten auf dem Eis. „Jeder tut, was er für richtig hält“, sagt er. Für ihn zahlt sich sein Verhalten aus, „obwohl es natürlich Tage gibt, an denen du müde bist und lieber im Bett bleiben würdest“. Mit seiner Disziplin, seinem präventiven Krafttraining, das Verletzungsrisiken verringern soll, und seinem Ehrgeiz hat er es geschafft, seit seiner Rückkehr nach Berlin 2015 lediglich acht Spiele zu versäumen. Nur Jens Baxmann fehlte einmal weniger in dieser Zeit.

Sein guter körperlicher Zustand lässt das Alter für ihn in den Hintergrund treten. „Als Verteidiger ist es ohnehin leichter, etwas länger zu spielen. Du musst nicht die ganze Zeit sprinten, sondern das Spiel mehr lesen und klug agieren“, sagt der Kanadier und verbindet damit eine klare Vorstellung von der Zukunft: „Ich arbeite hart, um einen neuen Vertrag zu erhalten.“ Berlin wäre seine erste Wahl, sieben Jahre ist er im Klub, war Teil der ersten beiden Titel. Sollte es hier nichts werden, würde er es auch anderswo probieren, „denn ich habe noch die Leidenschaft für das Eishockey“.

Seit 2015 jedes Jahr der punktbeste Verteidiger

Einige starke Argumente sprechen für ein weiteres Engagement. Seit 2015 ist er jede Saison der punktbeste Verteidiger des EHC, er schießt am meisten aufs Tor. In der vielen Eiszeit zeigt sich ohnehin die Wertschätzung, die er genießt. Und Klubchef Peter John Lee geht sowieso davon aus, dass DuPont aufgrund seiner Konstitution bis 40 spielen kann. Wobei es unbestritten seiner außergewöhnlichen Qualitäten schon einiges über den Zustand des Teams sagt, wenn der mit Abstand Älteste in einigen Bereichen so hervorsticht. Das weiß Micki DuPont – und schaut vielleicht auch deshalb so ernst.