Wieder daheim verloren

Zitternd gehen die Eisbären in die Pause

Nach dem 0:1 gegen Augsburg müssen sich die Eisbären in der Länderspielunterbrechung der DEL aus der Negativspirale befreien.

Die Eisbären und Stéphane Richer verlieren erneut

Die Eisbären und Stéphane Richer verlieren erneut

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Mit strammen Schritten eilte Mike Stewart zur kleinen Analyse, sprach mit fester Stimme. Seine Worte waren vom Inhalt her aber weicher, als sein Auftritt es hätte vermuten lassen. Der Trainer würdigte sein siegreiches Team, lobte aber vor allem auch den Gegner. Doch genau das klang jedoch irgendwie nach Mitleid für einen gepeinigten Kontrahenten. Als solchen betrachten sich die Eisbären Berlin gemessen an ihren Ansprüchen auch. Und genau einen solchen repräsentierten die Berliner in Person ihres Trainers. Schlurfend und mit hängenden Schultern kam Stéphane Richer zur kleinen Analyse. In sich zusammengesunken musste er über die nächste Niederlage, die nächste enttäuschte Hoffnung reden.

Als Zehnter der Tabelle der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gehen die Berliner nun in die Länderspielpause. Nicht wie gewünscht als Neunter und mit einem Sieg gegen die Augsburger Panther. Sie verloren 0:1 (0:0, 0:1, 0:0), schossen zum fünften Mal in dieser Saison kein Tor, unterlagen zum vierten Mal hintereinander daheim. „Wir haben im letzten Drittel richtig Druck gemacht, aber der Puck wollte nicht rein“, so Richer. Über die ersten 40 Minuten war nicht viel zu erzählen, zumindest kaum Gutes. Die wenigen Chancen der Eisbären wurden kläglich vergeben. Derweil erzielte Sahir Gill das entscheidende Tor (29.). Immerhin zeigte EHC-Torhüter Kevin Poulin vor 14.200 Zuschauern in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena sein ganzes Potenzial und hielt sein Team in einer engen Partie.

Zum fünften Mal ohne Tor

Doch mangelnde Durchsetzungsfähigkeit, fehlende Spielkontrolle und kaum individuelles Geschick – die bekannten Unzulänglichkeiten also – verhinderten selbst in der Druckphase ein Erfolgserlebnis. „Die haben defensiv sehr gut gestanden“, sagte EHC-Stürmer Martin Buchwieser. Sein Trainer befand, dass „die Jungs alles gegeben haben, das Spiel war ausgeglichen, trotz unserer Aufstellung“. Wundenlecken, Spiel abhaken. Möglichst schnell.

Einfach wird das aber nicht. Mit dem Gefühl des Verlierens beginnt nun die Pause, mit der Gewissheit, dass die nächsten Wochen ein Tanz auf der Rasierklinge werden. „Es ist wichtig, dass wir ein bisschen Abstand nehmen“, sagt Buchwieser. Die Berliner müssen versuchen, sich gedanklich aus der Negativspirale zu befreien, in der sie sich seit Wochen befinden. Die fast zwei Wochen ohne Spiel sind daher gerade sehr willkommen.

Gefüllt werden die nächsten Tage nicht mit den sonst üblichen privaten Vergnügungen. Richer lässt bereits Dienstag alle wieder antreten, er will die Zeit nutzen, mit so vielen Spielern wie lange nicht gezielt arbeiten zu können. „Der Spaß muss auch im Training zurückkommen, das Selbstvertrauen muss zurückkommen“, so Buchwieser. Das Wichtigste aber wird sein, dass möglichst viele der Verletzten wie erhofft in der Pause wieder einsteigen können.

Vier Spieler sollen zurückkommen

Mit Kapitän André Rankel, Verteidiger Florian Kettemer und vor allem den beiden Mittelstürmern James Sheppard und Louis-Marc Aubry werden vier der sieben aktuellen Ausfälle zurückerwartet. „Thomas Oppenheimer und Mark Olver sind die Sorgenkinder, sie sind auch nach der Pause fraglich“, sagt Trainer Richer. Für Mark Cundari ist nach seinem Kreuzbandriss die Saison beendet.

Allein wieder halbwegs vollzählig in die entscheidende Saisonphase zu starten, dürfte den Berlinern einen emotionalen Schub geben und die Stimmung im Team heben. Mit fünf Punkten Vorsprung auf Platz elf, der das Saisonende bedeuten würde, gehen die Berliner in die letzten sieben Partien der Hauptrunde. „Das sind alles mehr oder weniger Endspiele für uns, in denen wie hoffen, dass wir das Pre-Play-off noch schaffen“, sagt Buchwieser. Schon direkt nach der Pause in Schwenningen (15.2.) und vor allem gegen den Elften Krefeld (17.2.) können die Berliner daran arbeiten, selbst wieder einen kernigeren Auftritt zu haben.