Eisbären Berlin

Die Eisbären Berlin und ihr Held mit Aussetzern

Als Torhüter Kevin Poulin zu den Eisbären kam, begeisterte er sofort. Inzwischen steht es aber infrage, ob er in Berlin bleibt.

Kevin Poulin ist öfter mal frustriert

Kevin Poulin ist öfter mal frustriert

Foto: Andreas Gora / picture alliance / Andreas Gora

Berlin.  Fans vergessen nicht so schnell, der Platz in ihrem Herzen, einmal im Sturm erobert, ist ein ziemlich sicherer Hafen. Dessen konnte sich Kevin Poulin jüngst überzeugen. Den großen Rest der Mannschaft des EHC Eisbären, so beschleicht einen das Gefühl in der Mercedes-Benz Arena immer öfter, haben die Anhänger des Rekordmeisters der Deutschen Eishockey Liga (DEL) langsam satt. Wenn er denn nicht verletzt und damit auch nicht verantwortlich ist für die Leistungen. „Außer Kevin könnt ihr alle gehen“, sang der Chor der Enttäuschten.

Nur der Torwart des Tabellenneunten also verdient noch die Zuneigung des Anhangs. Viele unglaubliche Paraden und so manche Spiele, die einzig dank der Fähigkeiten des Kanadiers gewonnen wurden, lassen das mehr als nachvollziehbar erscheinen. Ohne Poulin wäre wohl selbst das Pre-Play-off für die Berliner bereits kein Thema mehr. Lange stand es daher außer Frage, dass der Vertrag mit dem 28-Jährigen unbedingt verlängert werden muss. Doch das Verhältnis zwischen Klub und Goalie ist mittlerweile von einer großen Ungewissheit geprägt.

Poulin weiß, dass er Fehler gemacht hat

Beim EHC mag man aktuell keine voreiligen Entscheidungen treffen. „Wegen unserer Situation wollen wir am Ende der Saison alles analysieren“, so Sportdirektor Stéphane Richer. Das heißt, dass einiges in der Bewertung davon abhängen kann, wie sich diese enttäuschende Spielzeit noch entwickelt. Zwar hemmen die Vorwochen die Fantasie bezüglich eines versöhnlichen Endes. Doch gerade Poulin in seiner exponierten Rolle ist in seinen Leistungen nicht unbedingt auf seine Vorderleute angewiesen. „Ich weiß, dass Eishockey ein Teamsport ist, doch ich muss mich auf mich selbst fokussieren“, sagt er und blickt selbstkritisch zurück: „Ich muss dem Team eine Chance geben zu gewinnen. Das habe ich zuletzt nicht immer getan.“

Als Poulin kurz nach Saisonbeginn kam, war er der unverhoffte Glücksgriff. Einer, der von vielen Klubs übersehen wurde. Trotz 52 Spielen in der nordamerikanischen NHL und Olympiabronze 2018. Ohne viel Training hielt und hielt er. Doch die immer schwächeren Darbietungen seiner Mitspieler brachten ihn in Schwierigkeiten. Sein Ehrgeiz schlug um in Frust und Jähzorn, oft demonstrierte er auf dem Eis, was er von der Arbeit seiner Kollegen hielt. Das kam nicht gut an bei den Offiziellen der Eisbären. Zumal deshalb nicht, weil Poulin sich in seinem Frust verlor und seine Arbeit nicht mehr auf dem Niveau verrichtete, dass er erreichen kann. Er wurde zu einem Helden mit Aussetzern.

Gegen Augsburg steht der Kanadier im Tor

Seine Neigung erklärt sich ein Stück weit mit einem Blick auf seine Vergangenheit. Die Berliner sind sein achter Verein seit 2015, Poulin sucht Konstanz und kämpft vehement darum, sie endlich zu finden. Grundsätzlich hat sich seine Meinung daher auch nicht geändert: „Wenn die Möglichkeit da wäre, würde ich bleiben. Jedes Jahr ist anders, die nächste Saison muss ja nicht wieder so laufen wie diese.“ Wie sinnvoll eine weitere Zusammenarbeit mit den Eisbären ist, dessen scheint er sich dennoch nicht vollends sicher zu sein. „Es wird insgesamt auf die Angebote ankommen“, so Poulin. Seine Fangquote liegt trotz der vielen Gegentore in den jüngsten Wochen – der EHC ist mit 142 Gegentreffern das Team mit der viertschlechtesten Abwehr – noch bei passablen 91,4 Prozent. Nur sechs Torhüter überbieten das.

Wenn die Mannschaft vor ihm funktioniert, kann Poulin sie zweifelsohne mit seinem Talent noch besser machen. Diese Überlegung müssen die Berliner in ihre Gedanken zur neuen Saison einfließen lassen. Sie müssen sich ebenso entscheiden, ob sie vielleicht doch, wie ursprünglich für diese Spielzeit geplant, mit zwei deutschen Torhütern weitermachen wollen. „Ich konzentriere mich jetzt darauf, zu spielen und zu gewinnen“, sagt Poulin vor der Partie gegen Augsburg am Sonntag in der Mercedes-Benz Arena (14 Uhr). Geht es nach der Meinung in der Halle, wäre Poulins Weiterbeschäftigung längst fixiert.

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