Eishockey

Wenn selbst ein Trainerwechsel den Eisbären nichts bringt

Die Eisbären drohen den direkten Einzug ins Play-off zu verpassen, weil die Stürmer viel schwächer spielen als vergangene Saison.

Jamie MacQueen (l.) kommt nicht zum Torschuss: So läuft es viel zu häufig in dieser Saison.

Jamie MacQueen (l.) kommt nicht zum Torschuss: So läuft es viel zu häufig in dieser Saison.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Eine Medaille hat bekanntlich zwei Seiten, da macht die erneute Ehrung von Eisbären-Torhüter Kevin Poulin als EHC-Spieler des Monats keine Ausnahme. Bereits zum dritten Mal hintereinander wurde er von den Fans gewählt, was in erster Linie natürlich eine Auszeichnung für seine starken Leistungen ist. Es ist aber auch eine schallende Ohrfeige für die Feldspieler, insbesondere für die Stürmer, die auf dem Eis die Akzente setzen sollen.

In der Offensive drängt sich bei den Eisbären niemand auf. Lediglich 98 Mal haben sie bislang getroffen – nur die beiden Tabellenletzten aus Wolfsburg und Schwenningen haben noch weniger Tore erzielt. Am Freitag beim 0:1 nach Penaltyschießen gegen Straubing blieben die Berliner bereits zum dritten Mal in der laufenden Saison ohne Torerfolg. Im Schlussdrittel gab es zwar einige Chancen, aber „es ist so ein bisschen die Geschichte unserer Saison, dass wir dabei kein Tor schießen“, wie Trainer Stéphane Richer treffend bemerkte.

Man muss in der Scorerliste der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) schon weit nach unten schauen, um den ersten Eisbär zu finden. James Sheppard ist 22. in dieser Liste mit 28 Punkten (11 Tore/17 Vorlagen), Jamie MacQueen (27/16/11) folgt auf Platz 23. Dahinter klafft erst einmal eine große Lücke, ehe auf Rang 62 mit Micki Dupont (21/2/19) der nächste Berliner auftaucht. Das ist kein Vergleich zur vergangenen Saison, als vor allem der Sturm mit Sheppard, Sean Backman und dem im Sommer abgewanderten Nick Petersen die gegnerischen Abwehrreihen durcheinanderwirbelte. Gerade Backman personifiziert die Krise geradezu: Acht Tore hat der Amerikaner nach 33 gespielten Partien auf der Habenseite – in der vergangenen Saison waren es zu diesem Zeitpunkt schon mehr als doppelt so viele.

Die Torflaute ist neben dem Strafzeitenproblem wohl der wichtigste Grund, weshalb die Eisbären weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. Am Sonntag beim Auswärtsspiel in Krefeld (14 Uhr, Telekomsport) sind drei Punkte Pflicht, will man den direkten Einzug ins Viertelfinale noch erreichen. Begleitet werden die Berliner von 1200 Fans, die per Sonderzug anreisen. Eigentlich sollte es im Sambawagen Party geben, doch die Stimmung dürfte durch die jüngsten Ergebnisse etwas getrübt sein.

Von den sieben Partien seit dem Trainerwechsel von Clement Jodoin auf Richer hat Berlin nur drei gewonnen, die Verunsicherung ist spürbar. Unverständlich ist, weshalb Richer die Angriffsreihen ständig verändert, was die Unsicherheit womöglich erst recht geschürt hat. Gegen Straubing lief jedenfalls selbst in Überzahl nicht viel zusammen – zum Teil kamen die Eisbären nicht einmal in ihre Powerplay-Formation. Die Kritik an Richer, der beim EHC zugleich Manager ist, wird lauter.

Weitere Verpflichtungen schloss der Frankokanadier zumindest für den Moment aber aus: Die Mannschaft habe genügend Qualität, um Tore zu schießen. Torwart Kevin Poulin kann dabei ausnahmsweise nicht helfen, wie er fast schon bedauernd anmerkte. „Ich kann die Tore ja nicht selbst erzielen“, meinte er.

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