Eishockey

Eisbären-Fans kämpfen für ihre Heimat

Wie die ungewisse Zukunft des Fanbogens an der Warschauer Brücke das Verhältnis zwischen Profiklub und Anhängern belastet.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin.  Es gab ein Zeichen. Ein spätes zwar, aber immerhin eines, das nun doch endlich die Bereitschaft erkennen lässt, das Problem zu lösen. Und das erst einmal dazu beiträgt, dass die Stimmung nicht noch stärker negativ aufgeladen wird. Das braucht in diesen Tagen, in denen es beim EHC Eisbären sportlich nicht sonderlich gut läuft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL), nun wirklich niemand.

Vor Kurzem also teilte der Klub dem Förderverein Fanbogen e.V. mit, dass man nach alternativen Standorten suche und zwei bis drei in Aussicht habe. Keiner davon sei aber konkret genug, um ihn zu benennen. Das klingt nicht nach viel, zeugt aber wenigstens davon, dass der Klub sich mit dem Thema beschäftigt. Genau diesen Eindruck hatten die Betreiber des Fanbogens zuletzt nicht. Bei ihnen machte sich das Gefühl breit, dass auf der Geschäftsstelle des EHC die Stimmung herrsche, man könne das Problem aussitzen. „Weil sich sowieso nichts ändern wird und man denkt, dass die Fans trotzdem in die Halle kommen werden“, so Stefan Theile, einer der Organisatoren des Fanbogens.

Der Name Fanbogen ist noch ein Stück Vergangenheit, als der Klub 2008 in die Mercedes-Benz Arena umzog, fanden die Anhänger in den angrenzenden S-Bahn-Bögen eine Heimstatt, in der sie vor und nach den Spielen unter sich sein konnten. Inzwischen befindet sich der Bogen am Fuße der Warschauer Brücke in gut einem Dutzend Containern. Zwei davon werden allein dafür benötigt, um Utensilien wie Fahnen und Banner für die Fankurve zu lagern. Der Fanbogen hat sich zu einer Institution entwickelt, in der Eishockeyszene weit über Berlin hinaus bekannt. Doch die Container sollen weichen. „Am 30. Juni ist hier Schluss“, sagt Theile. Die Anschutz Entertainment Group, Eigner der Eisbären, der Arena und Entwickler des Geländes rund um die Halle, benötigt den Standort, um die Bauleitung für künftige Projekte dort zu platzieren.

Nun schaltet sich sogar der Bezirk ein

Erst durch die Unterstützung von Anschutz wurde einst die Lösung mit den Containern möglich, die immer nur als temporäre Variante avisiert war. Dafür sind die Fans bis heute dankbar. Unverständnis aber herrscht darüber, warum nicht früher nach Alternativen gesucht wurde. „Wir haben es früh genug angesprochen, eine Dauerlösung zu finden“, erzählt Theile. Für ihn wie für die meisten ist schwer nachzuvollziehen, dass ausgerechnet eine Bauleitung, die ohnehin nur befristet im Einsatz ist, den aktuellen Standort beanspruchen soll und nicht dafür ein Ausweichort gesucht wird.

Inzwischen hat sich selbst die Bezirksverordnetenversammlung von Friedrichshain-Kreuzberg eingeschaltet, es wird auf mehreren Ebenen nach Grundstücken gefahndet, die einen Erhalt des Fanbogens ermöglichen. „Wir wissen, wie wichtig Fankultur ist, wir wollen das nicht verlieren“, sagt EHC-Geschäftsführer Peter John Lee. Viele Anhänger fragen sich derweil, ob dem Klub der harte Kern der Fanszene überhaupt noch wichtig genug ist. Es gibt einige Punkte, in denen sich die Fans vom EHC nicht unterstützt fühlen.

Viele Fans überlegen, keine Dauerkarte mehr zu kaufen

Mit dem Schicksal der Fankneipe verbinden etliche Anhänger nun ihren persönlichen Umgang mit dem Klub. „Für ganz viele ist der Fanbogen ein Stück Lebensqualität“, erzählt Theile. Vor allem Fans aus der Stehplatzkurve treffen sich hier, der Verein hat über 500 Jahresmitglieder und noch einmal gut halb so viele Tagesgäste. Viele wollen sich keine Dauerkarte mehr kaufen, wenn es den Bogen nicht mehr geben sollte. Das würde der Klub vor allem an der Stimmung in der Arena spüren, denn die lebt von der Atmosphäre aus der Kurve. Und diese Kurve macht das Erlebnis Eisbären zu einem großen Teil aus, dort schlägt das Herz des Klubs.

Seit Wochen fordern die Fans mit der Aktion #fanbogenbleibt Eisbären und Anschutz zum Handeln auf, beim 4:3 n.P. gegen Iserlohn am Mittwoch hingen die Schriftzüge in der Arena, sie werden auch am Freitag gegen Straubing zu lesen sein (19.30 Uhr). Einen Fanmarsch gab es auch schon. Sollten sich nicht bald konkrete Fortschritte abzeichnen, denken die Anhänger über neue Varianten des Protests nach. „Wir sind erst auf Stufe eins“, so Theile. Die nächste Stufe wäre wohl ein Vorgeschmack darauf, wie sich Eishockey ohne echte Stimmung anfühlen könnte.