Eishockey

Die Eisbären haben ein Heimproblem

Die Berliner müssen gegen Nürnberg die vierte Pleite in Serie in eigener Halle hinnehmen. Team und Fans sind frustriert

Eisbär Brendan Ranford (l.) kann sich nicht durchsetzen.

Eisbär Brendan Ranford (l.) kann sich nicht durchsetzen.

Foto: Christian Thiel / imago/Christian Thiel

Berlin.  Der Abend war gelaufen, zumindest für Kevin Poulin. Er bewegte sich ein paar Meter aus seinem Tor hinaus, holte aus und drosch seinen Schläger so hart auf das Eis, dass er in zwei Teile zerbrach. Anschließend drehte er ab, fuhr zur Bank und setzte sich. Keine acht Spielminuten waren da vollendet, aber das hatte eben auch gereicht. Drei Gegentore, alles erinnerte an die drei Katastrophen-Heimspiele des EHC Eisbären zuvor. Es war eine Hypothek, die die Berliner nicht mehr abtragen konnten an diesem Abend und somit die vierte Partie in Folge in der Mercedes-Benz Arena verloren. Diesmal gegen die Nürnberg Ice Tigers und mit 2:5 (2:3, 0:1, 0:1).

Wer etwas Positives suchen mochte an diesem Abend, der konnte immerhin anmerken, dass die Berliner im Spiel gegen die Franken so viele Tore erzielten wie bei den jüngsten drei Heim-Niederlagen zusammen. Doch das ließ den Heimspiel-Horror, den die Eisbären in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gerade bieten, auch nicht weniger gruselig erscheinen. Viele Pfiffe hatte es zuletzt dafür gegeben, diesmal waren die 8226 Fans lange gnädig, denn sie erkannten den durchaus vorhandenen Willen, sich dem Desaster entgegenzustemmen.

Erstes Gegentor schon nach 23 Sekunden

Doch ihr Eifer spricht die Berliner nicht frei von Vorwürfen, denn er war viel zu spät sichtbar. Ein starkes Spiel in Köln (5:2) lag hinter der Mannschaft von Trainer Clément Jodoin, ein Auftritt mit Verve, mit Spielwitz. Aber zu Hause, wo nun unbedingt an diese Leistung angeknüpft werden sollte, ließen die Eisbären ihre Konzentration in der Kabine. Nach 23 Sekunden schloss Jason Bast schon einen Konter zur Nürnberger Führung ab. Zwar konnte James Sheppard schnell ausgleichen (3.), doch in der achten Minute traf Leonhard Pföderl binnen 31 Sekunden gleich doppelt und trieb damit Poulin auf die Bank, von der Maximilian Franzreb ins EHC-Tor kam.

Der Plan von Geduld, Spaß und einfachem Spiel hatte sich damit schnell erledigt. Zwar konnte Florian Busch die Berliner mit dem baldigen Anschlusstreffer wieder besser in die Partie bringen und den Kampfgeist wecken (15.). Doch die Eisbären hatten zu große Mühe, sich gegen die äußerst robusten Nürnberger vor dem Tor durchzusetzen. Stattdessen erhöhten die Franken durch Brandon Buck (33.) und Will Acton (60.), während Busch einen Penaltyschuss vergab (40.). Damit blieb den Eisbären nur die traurige Bilanz, in den vergangenen fünf Partien gegen alle vier Mannschaften am Tabellenende gespielt und es geschafft zu haben, alle diese Spiele als Verlierer zu beenden. Das Ziel, die Hauptrunde der DEL unter den besten vier Teams abzuschließen, wirkt damit überholt.