DEL

Bei den Eisbären Berlin kippt die Stimmung

Die Eisbären kämpfen nach unnötigen Rückschlägen heute gegen Schwenningen um Wiedergutmachung. Ein Selbstläufer wird dies aber nicht.

Eisbären-Torwart Kevin Poulin muss es wieder einmal allein richten

Eisbären-Torwart Kevin Poulin muss es wieder einmal allein richten

Foto: Carmen Jaspersen / dpa

Berlin.  Besuch aus Los Angeles ist gerade wieder da. Mike O’Connell, der Verantwortliche für die Spielerentwicklung bei den Kings, schaut bei den Kollegen des EHC Eisbären vorbei. Mit Peter John Lee, dem Geschäftsführer, und Stéphane Richer, dem Sportlichen Leiter, beobachtete O’Connell am Donnerstag das Training des Vizemeisters der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Beide Klubs sind über ihren Besitzer verbunden, beide Klubs plagen sich derzeit aber auch mit ähnlichen Problemen. Die Kings gehören zu den schwächsten Teams in der nordamerikanischen NHL, die Eisbären repräsentieren mit Platz acht eher Mittelmaß. Eine angenehme Atmosphäre verleiht das dem Treffen gerade nicht.

Grummelig kam Richer dann auch daher bei der Frage, ob denn die jüngst abgelehnte Rotation weiter keine Option sei. Schließlich ist der Kader groß, ein Spieler wie Mark Cundari sicher heiß. „Nein“, mehr mochte der Sportchef nicht von sich geben. Cundari hat als überzähliger Ausländer offenbar keine Chance mehr, obwohl andere Spieler kaum Anlass geben, diesen Standpunkt so resolut zu vertreten. Es wirkt etwas, als würden sich die Eisbären dem internen Konkurrenzkampf verschließen.

Fehler folgt auf Fehler

Zwei Niederlagen gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller mussten die Berliner zuletzt hinnehmen und traten dabei nicht unbedingt so auf, als hätten sie wirklich alles getan, um das zu verhindern. Geschäftsführer Lee spricht von „zu viel Risiko“, das die Mannschaft eingehe, und sich damit nicht an die Vorgaben halte. „Wenn es nicht läuft, will natürlich jeder zeigen, dass er es besser kann. Da passieren solche Sachen“, sieht Stürmer Florian Busch ähnliche Probleme: „Dann ergibt sich ein Domino-Effekt – und Fehler folgt auf Fehler.“

Aus den Worten des Trainers ergibt sich viel mehr der Schluss, dass die einzelnen Profis an Grenzen stoßen, weil sie nicht genug bei der Sache sind. „Sie müssen jetzt einfach bereit sein“, sagt Clément Jodoin vor der Partie am Freitag gegen Schwenningen, den Tabellenletzten (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena).

An die Aufmerksamkeit der Spieler hatte der Trainer zuletzt immer wieder appelliert, ohne Erfolg. Nach den jüngsten Erlebnissen sollten die Berliner wissen, dass die Partie gegen Schwenningen kein Selbstläufer wird. „Wir spielen gegen eine gute Mannschaft, die nichts mehr zu verlieren hat. Wir müssen gewinnen, dazu muss jeder sein bestes Spiel zeigen. Wir haben keine Wahl“, so Jodoin. Auch um die Fans wieder zu versöhnen, die mit dem 0:4 gegen Köln und dem 1:4 gegen Wolfsburg zuletzt zwei heftige Heimklatschen erlebten. Erst mit einem Sieg am Freitag wird die Atmosphäre beim EHC wieder angenehmer.