Eishockey

Absurde Situation bei den Eisbären Berlin

Florian Kettemer ist der beste Torschütze. Doch der Vertrag des Verteidigers in Berlin läuft in einer Woche aus

Florian Kettemer traf als Verteidiger bereits acht Mal in dieser Saison für die Eisbären.

Florian Kettemer traf als Verteidiger bereits acht Mal in dieser Saison für die Eisbären.

Foto: kolbert-press/Burghard Schreyer / imago/kolbert-press

Berlin.  Eisbären-Trainer Clément Jodoin ist eigentlich bekannt dafür, dass er in seinen Erklärungen gern einmal ein bisschen weiter ausholt. Als nach dem Spiel gegen die Düsseldorfer EG die Frage auf Florian Kettemer kam und darauf, ob der Verteidiger seiner Mannschaft auch über den November hinaus erhalten bleiben wird, wurde der Berliner Coach jedoch auf einmal ganz wortkarg. Dazu könne er nichts sagen, antwortete Jodoin und wirkte nicht glücklich über diese Feststellung. „Da müssen Sie schon die Bosse fragen.“

Kettemers Vier-Monats-Vertrag läuft nur noch bis Ende nächsten Freitag, also noch genau sechs Tage. In jeder anderen Branche wäre es undenkbar, dass ein Arbeitnehmer zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht weiß, wie es weitergeht. „Aber Eishockey ist eben anders“, meinte EHC-Sportdirektor Stéphane Richer, der sich ansonsten ebenfalls bedeckt hielt. Zwar bestätigte er, dass man mit Kettemer momentan Gespräche führe. Genaue Details ließ aber auch er sich nicht entlocken. Es ist eine absurde Situation. Sportlich steht außer Frage, dass Florian Kettemer den Eisbären weiterhelfen würde. Mit acht Treffern ist er zusammen mit Jamie MacQueen bester Torschütze des Klubs und sogar der beste Verteidiger der gesamten Liga. Auch am Donnerstag gegen Düsseldorf traf er wieder, sein Tor im Penaltyschießen sicherte den Eisbären einen wichtigen Extrapunkt.

Der 32-Jährige hat schon jetzt genauso viele Tore erzielt wie in den vergangenen vier Spielzeiten bei Red Bull München zusammen. Mit den Münchnern hatte er dreimal in Folge den Titel geholt – Kettemer bringt also auch eine Siegermentalität mit, die dem aktuellen Eisbären-Team gut zu Gesicht steht.

Einen solchen Spieler lässt man eigentlich nicht so einfach ziehen. Würden die Verantwortlichen das tun und die Saison in der Folge nicht wie erhofft verlaufen, würden sie sich angreifbar machen. Andererseits hätte der Verein bei einem Verbleib Kettemers, sofern alle Spieler gesund sind, neun Verteidiger im Kader – das sind zu viele. Zwar ist der junge Maximilian Adam auch noch in Weißwasser in der zweiten Liga spielberechtigt. Nach dessen guten Leistungen wäre eine solche Herabsetzung eines hoffnungsvollen Talents allerdings ebenfalls nur schwer vermittelbar.

Kettemer selbst meint: „Ich habe gezeigt, dass ich gern für die Eisbären spiele und dass ich mich voll reinhaue.“ Auch andere Vereine seien interessiert, doch Berlin bleibe sein erster Ansprechpartner. Unabhängig vom Ausgang der Verhandlungen wolle er die Sache professionell zu Ende bringen.

Als Kettemer nach Berlin kam, herrschte in der Abwehr gerade große Not. Aktuell fällt mit Kai Wissmann erneut ein Stammspieler bis Ende des Jahres aus, was die Chancen erhöht, dass er seinen Aufenthalt verlängert. „Wenn die Eisbären mir zeigen, dass sie mich wirklich wollen und meine Leistung wertschätzen, dann würde ich sehr gern bleiben“, sagt Kettemer. Eishockey mache ihm gerade richtig Spaß. Außerdem habe er gemerkt, dass sich der Sport besser als erwartet auch mit seinem zweiten Beruf als Mentalcoach vereinbaren lässt. Es liegt nun an den Eisbären, eine Entscheidung zu treffen – und das geht jetzt nur noch mit einem längerfristigen Kettemer-Vertrag.

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