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Müllers Rückkehr kommt den Eisbären gerade richtig

Olympia-Held Jonas Müller feiert nach zwei Monaten gegen die DEG sein Comeback und soll den Eisbären die Siegermentalität wiedergeben.

Eisbär Jonas Müller (r.) hat abgezogen, Münchens Jason Jaffray kann nur hinterherschauen

Eisbär Jonas Müller (r.) hat abgezogen, Münchens Jason Jaffray kann nur hinterherschauen

Foto: Britta Pedersen / picture alliance/dpa

Berlin.  In der Tierwelt ist rot eine weit verbreitete Warnfarbe. Die Botschaft: Fass mich lieber nicht an! Beim Training der Eisbären Berlin sind es eher die gelben Leibchen, die den anderen Spielern signalisieren sollen, dass einer ihrer Teamkollegen noch angeschlagen ist und sie ihn deshalb besser in Ruhe lassen.

Ein solches Textil trug bis vor Kurzem auch noch Jonas Müller. Nach seiner Schulterverletzung hatte der 23-Jährige fast zwei Monate lang kein Spiel mehr absolviert, auch im Training musste er es ruhiger angehen lassen. Im Heimspiel am Donnerstag (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) gegen die Düsseldorfer EG soll der Verteidiger nun sein langersehntes Comeback geben.

Man kann das rote Trikot, das er am Mittwoch zum Training angezogen hatte, als Ausdruck seiner Entschlossenheit deuten. „Ich freue mich, dass ich wieder dabei sein kann“, sagt Jonas Müller. Zwar würde die Schulter nach wie vor ein wenig zwicken, „aber der Arzt hat gesagt, das ist ganz normal“. Wunderdinge darf man von ihm allerdings nicht gleich erwarten. „Mir fehlt noch ein wenig die Übersicht“, sagt Müller, weshalb er seine Rolle auf dem Eis vorerst auch etwas defensiver interpretiert, als man es normalerweise von ihm gewohnt ist. Er wolle versuchen, die einfachen Dinge richtig zu machen und erst einmal vor dem eigenen Tor nichts anbrennen zu lassen. Dann kämen die offensiven Akzente bald wieder von ganz allein.

Trainer Jodoin betont Bedeutung der nächsten Spiele

Für die Eisbären kommt Müllers Rückkehr trotzdem zum richtigen Zeitpunkt. Gegen Düsseldorf kann der Klub erstmals in dieser Saison auf alle drei Olympia-Helden zurückgreifen – neben Jonas Müller noch Marcel Noebels und Frank Hördler. Das Trio hatte im Februar bei den Olympischen Spielen in Pyeongchang gemeinsam die Silbermedaille gewonnen. Ein wenig von dieser Siegermentalität stünde auch dem EHC derzeit gut zu Gesicht. In den Spielen gegen die DEG sowie am Sonntag in Ingolstadt geht es jeweils gegen die direkte Konkurrenz. Gewinnen die Berliner diese Partien, rücken sie wieder ganz nah an den vierten Platz heran, der im Play-off Heimrecht bedeuten würde – das Mindestziel für den Vizemeister.

Umgekehrt würde das Loch zur Spitze ziemlich groß werden, gingen beide Spiele verloren. Damit sich jeder im Verein über deren Bedeutung im Klaren ist, hat Trainer Clément Jodoin die Tabelle in der Kabine aufgehängt. Es dürfte ihm nicht gefallen haben, wie fahrlässig seine Mannschaft zuletzt mit der Situation umgegangen ist. Bei der 0:3-Pleite am Sonntag in Augsburg resultierten alle drei Gegentreffer aus individuellen Fehlern. „Wir müssen lernen, den Puck auch unter Druck besser zu kontrollieren“, sagt er. Im Training funktioniere das schon gut, doch wenn es ernst wird, würden sich seine Spieler noch immer zu viele Fehler leisten.

Ihm fallen noch viele Dinge ein, an denen die Mannschaft arbeiten müsse. Die Abstimmung beim Reihenwechsel zum Beispiel oder auch die richtige Länge für die jeweiligen Schichten auf dem Eis. „Das sind Sachen, die man manchmal aus den Augen verliert, die aber am Ende den Unterschied ausmachen können“, sagt Jodoin. Spielerisch sind die Eisbären derzeit kein Spitzenteam, darüber können auch die vier Siege aus den vergangenen sechs Spielen nicht hinwegtäuschen. Jonas Müller hatte zuletzt ausreichend Zeit, sich das Treiben auf dem Eis von der Tribüne aus anzuschauen. Er meint: „Gerade in der Offensive ist noch viel Luft nach oben.“ Zwar würde die Mannschaft viel Zeit in der gegnerischen Zone verbringen. „Aber wir kreieren daraus einfach nicht genügend Torchancen.“

Rummel nach Olympia-Silber über den Kopf gewachsen

Es fehlt die letzte Konsequenz im Angriff, möglicherweise auch ein Zeichen wachsender Verunsicherung. Doch dieses Argument lässt Trainer Jodoin nicht gelten: „Das sind Profis. Sie sind hier, um Leistung abzuliefern.“ Auch für Müller macht der Coach keine Ausnahme. In den Spielen vor seiner Verletzung wirkte der Nationalspieler seltsam nervös. Fast schien es, als würde ihm der ganze Rummel nach dem Olympia-Silber, das ihm aktuell sogar eine Nominierung als Berlins Sportler des Jahres eingebracht hat, über den Kopf wachsen.

„Ich versuche, das jetzt einfach zu vergessen und wieder von vorn anzufangen“, sagt er. Für ihn gilt dabei dasselbe wie für das Team insgesamt: Dass sie schnellstmöglich zurück zu alter Stärke finden wollen. Ansonsten könnte die Farbe rot bald nämlich noch eine ganz andere Bedeutung bekommen: als Alarmstufe rot.

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