Eishockey

Die Problemverschiebung der Eisbären

Dem Angriff der Eisbären fehlt die Balance. Nur mit einem Mann mehr sind sie wirklich gefährlich. Gegen Wolfsburg soll sich das ändern.

Eisbären-Stürmer Colin Smith (M.) scheitert am Torhüter

Eisbären-Stürmer Colin Smith (M.) scheitert am Torhüter

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Die Botschaft des Arztes traf den Trainer nicht unvorbereitet. Schon vor Tagen hatte Clément Jodoin über den dicken Knöchel von Jamie MacQueen die Stirn in Falten gelegt und Schlimmeres befürchtet. Seit Donnerstag weiß er, dass der Kanadier den Eisbären wegen einer Verletzung des Syndesmosebandes sechs Wochen fehlen wird in der Deutschen Eishockey Liga.

Schon die fünfte schwere Verletzung ereilt die Berliner damit in der noch jungen Saison. „Wir haben Missgeschicke über Missgeschicke“, sagt Jodoin. Er will sich nicht beklagen, Spieler hat er immer noch genug. Dass nun aber ausgerechnet der beste Torschütze ausfällt, schmerzt eben doch. Denn in der Offensive läuft es bei den Berlinern nicht reibungslos. Wie die Schwierigkeiten dort gelagert sind, trägt schon kuriose Züge. „Letztes Jahr hatten wir das Problem, dass wir keine Tore ein Überzahl geschossen haben. Dieses Jahr schießen wir keine Tore Fünf gegen Fünf“, sagt Stürmer Marcel Noebels.

Früher war das Powerplay das Manko

Das ist natürlich stark zugespitzt, aber grundsätzlich hat sich bei den Eisbären ein Problem verschoben. Aus einem der schwächsten Überzahlspiele der Liga wurde in dieser Saison sogar das beste. Dafür leidet nun die Fähigkeit, den Puck bei voller Spielerzahl im Netz unterzubringen, was zuvor bestens funktioniert hatte. Zwei Partien blieben die Eisbären bereits gänzlich ohne Tor bei Fünf gegen Fünf.

Im Prinzip sind die Berliner damit in ihrer Entwicklung keinen Schritt weitergekommen. Früher konnten sie ihr Powerplay-Problem durch viele Treffer bei gleicher Spielerzahl gut kaschieren. Wenn es aber drauf ankam, machten die fehlenden Überzahltore den Unterschied zuungunsten der Eisbären. Jetzt retten ihnen die Überzahltreffer viele Punkte, wenn es aber wenige Strafzeiten gibt wie zuletzt gegen Ingolstadt (1:3), dann gehen sie leer aus.

Als Jodoin das Team im Sommer als Cheftrainer übernahm, lag sein Fokus darauf, das Überzahlspiel zu verbessern und damit den guten Angriff zu optimieren. Es hat sich auch viel getan im Powerplay. „Wir bewegen den Puck viel schneller, keiner hält ihn zu lange. Es geht: Bumm, bumm, Schuss, bumm, bumm, Schuss“, sagt Verteidiger Daniel Richmond. Der Wille, den Puck zum Tor zu bringen, ist viel größer geworden, und alle fünf Spieler arbeiten gemeinsam daran. Zwölf Powerplay-Tore erzielten die Berliner, die meisten in der DEL. Die beste Quote mit 21,82 Prozent ziehen sie auch aus ihren Situationen.

Mehr Biss bei gleicher Spielerzahl nötig

Demgegenüber stehen aber lediglich 17 Tore bei gleicher Spieleranzahl. Mehr als zehn Treffer liegen die besten Team in der Tabelle hier vor den Eisbären, die das frühere Überzahl-Phlegma auf den Normalfall übertragen haben. „Ein Spieler hat den Puck und die anderen vier warten, dass er irgendetwas macht“, erzählt Richmond. Meist befinden sich die Kollegen zu weit vom Tor weg, um das Spiel gefährlich zu machen.

Für den Trainer liegt eine Ursache des Mankos an der Systemdisziplin. Die Spieler halten ihre vorgegebenen Positionen zu wenig und müssen dadurch zu häufig neu aufbauen. Anders als bei den Verletzungen ist Jodoin hier aber nicht machtlos, er kann die Heilung des krankenden Angriffswirbels beschleunigen und ließ die Profis im Training vor dem Spiel am Freitag gegen Wolfsburg (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena) die taktischen Feinheiten immer wieder einstudieren. Richmond weiß aber, dass das allein nicht genügt: „Wir müssen mehr schuften und sowohl den Puck als auch die Leute vor das Tor bringen.“ Erst wenn das gelingt und die Balance im Angriff hergestellt ist, entwickelt sich die Mannschaft weiter.