Eishockey

Trainer Clément Jodoin hat die Qual der Wahl

Der Eisbären-Kader ist üppig wie selten. Öfter als gewohnt werden Spieler auf die Tribüne müssen. Auch am Freitag gegen Iserlohn.

Neu-Eisbär Poulin fällt aus, Fan-Liebling Busch zurück

Die DEL-Saison begann für die Berliner Eisbären eher durchwachsen. Hier kommen drei Dinge, die ihr vor dem nächsten Spieltag wissen solltet.

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Berlin.  Als der Trainer an der Kabine vorbeigeht und Florian Busch sieht, blickt er kurz hoch und knurrt: „Versau’ es bloß nicht morgen.“ Busch lacht, der Stürmer weiß, dass Clément Jodoin den Spruch nicht als Drohung an ihn gerichtet hat. Der Kanadier macht gern mal seine Späßchen. Was dem Kabinenklima bei den Eisbären zuträglich ist.

In diesen Tagen allerdings gewinnt die launige Aussage von Jodoin an Ernsthaftigkeit. Wegen Busch etwa, der nach einer Rippenverletzung am Freitag gegen die Iserlohn Roosters vor seinem ersten Saisonspiel in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) steht (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Weil der 33-Jährige, der wegen einer Gehirnerschütterung sogar im Dezember 2017 sein letztes DEL-Spiel bestritten hat, gesetzt ist, muss ein anderer Spieler auf die Tribüne. Und das ist erst der Anfang.

Was im Fußball zur Normalität gehört, ist im Eishockey nicht alltäglich. Es steckt deutlich weniger Geld in der DEL, trotzdem werden ohnehin schon viele Spieler benötigt, um die Kader zu füllen. Sich da noch überzählige Profis zu leisten, war für viele Klubs kaum machbar. Doch mittlerweile lässt sich ein Trend in der DEL erkennen. Wer kann, der investiert. Es werden immer öfter schon früh in der Saison mehr Ausländer geholt, als eingesetzt werden dürfen. Auch bei den deutschen Spielern statten sich die Topklubs so aus, dass auf der Tribüne nicht mehr nur Verletzte Platz nehmen müssen.

Poulin fehlt wegen einer Augenentzündung

Die Eisbären hatten nicht so extrem geplant, sie wurden eher gezwungen. „Wenn du keine Tiefe hast, funktioniert es nicht. Wir hatten fünf Verletzte zu Beginn, wir mussten Spieler holen, um uns selbst zu schützen“, sagt der Trainer. Zwei erfahrene Deutsche wurden in Verteidiger Florian Kettemer und Stürmer Jason Jaspers zusätzlich verpflichtet, hinzu kam Torhüter Kevin Poulin. Der Kanadier hilft dem Trainer nun bei seiner Entscheidung, er leidet an einer Augenentzündung und kann gegen Iserlohn nicht spielen. Poulin übernimmt nach der Rückkehr von Mark Cundari (Handverletzung) den Part des einen überzähligen Ausländers. Wer für Busch draußen bleibt, will der Trainer erst am Freitagvormittag entscheiden.

Für Jodoin erwächst aus der Kadersituation ein komfortables Problem, selten hatte ein EHC-Trainer so viel Auswahl, zumal noch drei Verletzte, wenn auch nicht alle so bald, zurückkehren werden. „Wir haben davor keine Angst. Als Profi muss du bereit sein, die Situation zu akzeptieren“, so der Trainer. Der Druck im Team steigt, Motivation und Leistungsbereitschaft kann das positiv beeinflussen. Zumindest, wenn alle weitgehend gesund sind – was in einer Eishockeysaison nicht zwangsläufig der Fall ist.

Kaum Platz für Talente im DEL-Team

Doch selbst bei Ausfällen kann Jodoin nun noch eine komplette und erfahrene Mannschaft aufs Eis schicken. „So einen Kader brauchst du, wenn du Meister werden willst“, sagt Verteidiger Jens Baxmann. Für junge Spieler ist diese Tatsache allerdings ein Nachteil. Sonst kamen sie zum Zug, wenn Verletzungen aufzufangen waren. Aber jetzt besteht kein Bedarf. Mit 25 Jahren ist Daniel Fischbuch der jüngste Stürmer im EHC-Stammteam. Alle im Sommer verpflichteten Talente müssen bei Partnern in unteren Ligen spielen – mit wenig Aussichten auf DEL-Einsätze.

In der Abwehr nimmt mit Kai Wissmann (21) ein großes Talent den seit dieser Saison reservierten Platz für einen deutschen U23-Spieler ein. Jonas Müller fällt nicht mehr unter diese Regelung, weil er schon bald 23 wird. Bundestrainer Marco Sturm sagte jüngst mit Blick auf den Mangel an Talenten, die im Nationalteam ankommen: „Wir müssen in diesem Bereich ein bisschen mehr tun.“ Bei den Eisbären ist der Spielraum für Nachwuchsförderung auf höchster Ebene gerade gering. Die reservierten Plätze für deutsche U23-Spieler steigen erst in den nächsten beiden Spielzeiten sukzessive auf drei. In dieser Saison würden sich nur mehr Chancen für die ganz jungen Talente ergeben, wenn die Etablierten es zu oft versauen. Oder es eine Verletztenmisere sondergleichen gebe.