Eishockey

Die neue Nummer eins der Eisbären

| Lesedauer: 5 Minuten
Marcel Stein
Kevin Poulin im Olympiaeinsatz für Team Canada

Kevin Poulin im Olympiaeinsatz für Team Canada

Foto: Harry How / Getty Images

Kevin Poulin wird Stammtorhüter der Eisbären, die zudem in Marcel Noebels ihren besten deutschen Stürmer zurückbekommen.

Berlin.  Clément Jodoin musste reden. Viel reden. Diesmal sogar nach Trainingsschluss. Erst mit dem Torwarttrainer, dann mit dem neuen Torwart, später noch mit dem quasi neuen Stürmer. Jodoin wollte schließlich genau wissen, mit wem er für den Freitagabend planen kann, wenn der EHC Eisbären gegen Bremerhaven im dritten Spiel der neuen Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL) endlich die ersten Punkte verbuchen möchte (19.30 Uhr, Telekomsport). Und anders als durch viele Worte ließ sich der Zustand der Spieler für den Cheftrainer nicht eruieren. Beobachten konnte Jodoin weder Kevin Poulin noch Marcel Noebels. Kurzfristig erst waren die beiden eingeflogen.

Noebels beendet Camp bei den Bruins

Teilweise zur Überraschung der Eisbären. Per Twitter hatte Noebels am Donnerstagmorgen seine Rückkehr nach Berlin annonciert. „Ich weiß, dass er spielen möchte. Wenn er kann, wird er dabei sein“, sagte Jodoin. Mehr vermochte der Coach aber nicht zu berichten, er hatte nichts gehört, wie das Camp bei den Boston Bruins für den Stürmer gelaufen war, wie er sich fühlt, ob er eine Pause braucht nach den anstrengenden Tagen in den USA. Noebels hatte von dem Klub aus der nordamerikanischen NHL die Chance zu einer Teilnahme am Trainingslager bekommen, wollte sich für einen Vertrag empfehlen und ließ seinen Kontrakt in Berlin dafür ruhen. Nach einer Woche im Camp wurde der 26-Jährige aus dem Kader gestrichen. Er freue sich nun, „mit den Eisbären in die Saison zu starten“, ließ Noebels wissen.

Obwohl sich sein Traum nicht erfüllt hat, für die Eisbären ist die Rückkehr eine gute Nachricht. Ein deutscher Nationalspieler mit den Qualitäten von Noebels hätte eine Lücke hinterlassen, die nur schwer zu füllen gewesen wäre. Die Berliner gewinnen mit dem Olympiazweiten noch einmal deutlich an Substanz im Kader.

Poulin wartete auf NHL-Angebote

Genau dieses Ziel verfolgte Sportdirektor Stéphane Richer, als er am Mittwoch den Torhüter Kevin Poulin (28) einen Vertrag für diese Saison unterzeichnen ließ. Denn mit Marvin Cüpper (24) hatte sich ein Torhüter langfristig verletzt (Syndesmoseband), so dass Maximilian Franzreb (22) zuletzt alle Verantwortung trug. „Auf ihm lag zu viel Druck“, so Trainer Jodoin. Der wird nun deutlich geringer, denn der Plan der Berliner, mit zwei jungen, deutschen Torhütern die Saison zu bestreiten, ist Geschichte. Poulin ist ein erfahrener Torwart, ein Kanadier. „Da kann man zwischen den Zeilen lesen“, so Jodoin, ohne konkret zu benennen, was passieren wird. Es ist ohnehin klar, dass der neue Mann die neue Nummer eins der Eisbären werden wird.

Vielleicht schon am Freitag, doch da wollte Jodoin die Eindrücke seines Torwarttrainers abwarten, nachdem Poulin am Donnerstag das erste Mal mit dem Team gearbeitet hatte. „Ich habe mich in den letzten Wochen so gut es ging in Form gehalten“, erzählt Kevin Poulin. Daheim in der Nähe von Montreal übte er unter Anleitung eines Torwarttrainers und wartete auf Angebote. Einige hatte er, die gefielen ihm aber nicht. Aus den Kontakten zu einigen NHL-Klubs wurde nichts.

Bronze bei den Spielen in Südkorea

Dann erreichte ihn die Offerte der Eisbären. „Bruno Gervais, der ja mal hier gespielt hat, ist ein guter Freund von mir und erzählte mir viel über den Klub“, so Poulin. Die Entscheidung sei ihm dann leicht gefallen. Seine Vita hat nicht jeder Torhüter zu bieten, der in der DEL landet. Poulin spielte für die New York Islanders 52 Mal in der NHL, war in der panrussischen KHL unterwegs, stand für die kanadische Olympiaauswahl zwischen den Pfosten und gewann in Südkorea Bronze. Zuletzt war Poulin in der Schweiz und stieg mit Kloten in die zweite Liga ab.

Als Entscheidung gegen Franzreb will Jodoin die Verpflichtung von Poulin nicht verstanden wissen. „Er ist jung, hat eine gute Zukunft vor sich. Manchmal muss man auf dem harten Weg lernen, aber das wird ihn langfristig weiterbringen“, sagt der Trainer, für den das Engagement des neuen Goalies noch einen anderen angenehmen Effekt hat. Der Leistungsdruck im Kader erhöht sich. „Wir haben jetzt einen Import mehr. Das heißt, einer muss auf der Tribüne sitzen.“ Denn von den nun zehn Ausländern dürfen nur neun gleichzeitig spielen. Jodoin muss also jeweils einen Feldspieler aussortieren.

Cundari fällt gegen Bremerhaven aus

Zumindest aber für die Partie gegen Bremerhaven nimmt ihm Mark Cundari die Aufgabe ab. Der Verteidiger ist an der Hand verletzt und damit der fünfte Ausfall bei den Eisbären. Allein aus diesem Grund kommt die Rückkehr von Marcel Noebels aus Boston und die schnelle Verpflichtung von Kevin Poulin den Berlinern gerade mehr als recht. Nun müssen nur noch die Gespräche von Trainer Clément Jodoin mit allen Beteiligten die entsprechenden Resultate erbringen.