Eishockey

Eisbär Noebels lässt für die NHL sein neues Haus stehen

Der Berliner Stürmer begibt sich in sein Nordamerika-Abenteuer und hofft, dass ihn ein Handicap nicht zu sehr dabei stört.

Eisbären-Profi Marcel Noebels (M.) im Finale gegen München

Eisbären-Profi Marcel Noebels (M.) im Finale gegen München

Foto: Paul Zinken / dpa

Berlin. Sicher ist in diesen Tagen weniges, aber immerhin gibt es jetzt eine Liste, die ihm Gewissheit verschafft. Die ganz große Fliegerei bleibt Marcel Nobels erspart, er muss nur nach Boston und nicht gleich noch weiter nach Peking. Die nordamerikanische Eishockeyliga NHL will nämlich in China etwas Werbung für sich machen, und die Boston Bruins schicken dafür einen Teil der Mannschaft zum Trainingscamp nach Asien. Marcel Noebels’ Name steht auf der Liste der Spieler, die in den USA bleiben und sich auf den Saisonstart in der NHL vorbereiten.

Viel mehr lässt sich für den Stürmer aber nicht vorhersehen. „Jetzt bin ich wieder im Modus, bei dem man im Ungewissen lebt“, sagt der 26-Jährige. Bleibt er Spieler des EHC Eisbären und verdient sein Geld in der Deuschen Eishockey Liga (DEL)? Oder wird er NHL-Profi der Bruins, oder geht er bald in deren Zweitligateam in Providence aufs Eis mit der Hoffnung, zu Höherem berufen zu werden? Am Sonntag steigt Noebels ins Flugzeug. Ab Donnerstag liegen gut zweieinhalb Wochen Camp vor ihm. In dieser Zeit wird sich alles entscheiden.

Das Schicksal wendet sich komplett

Allein diese Chance begeistert den Profi, weil sie kaum greifbar schien in den vergangenen Jahren. „Es gab viele negative Sachen, die auf mich gewirkt haben“, erzählt er. Zweimal war er kurz vor großen Turnieren aussortiert worden, zog sich zudem mit einem Kreuzbandriss eine schwerwiegende Verletzung zu. Binnen kürzester Zeit wendete sich sein Schicksal in eine ganz andere Richtung. Etwas überraschend wurde er für Olympia nominiert und gewann mit dem deutschen Team im Februar noch überraschender Silber in Südkorea. Im DEL-Play-off gehörte Noebels zu den Besten der Liga, war schließlich auch bei der WM dabei: „Vielleicht habe ich jetzt das Glück, dass der kleine Prozentsatz, der mir in der Vergangenheit gefehlt hat, auf meiner Seite ist.“

Trotzdem blickten seine Augen auch etwas traurig vor der Abreise. Fünf Wochen schon trainiert er mit den Eisbären, die ihn für die Dauer des Nordamerika-Abenteuers aus dem Vertrag freigeben und Sonntag in der Champions Hockey League bei Kometa Brno ohne ihn antreten (17 Uhr, DAZN). Noebels ist also gut vorbereitet auf das Camp, zu dem ihn die Bruins eingeladen haben. Doch eine Schambein-Verletzung, die er bereits im Frühjahr im Finale gegen München spürte, behinderte ihn zuletzt wieder. „Mal ist es besser, mal schlechter. Ich hoffe, dass ich im Kopf frei bin, wenn das Training dort beginnt. Es ist halt blöd, dass es genau jetzt kommt. Das ärgert mich“, sagt Noebels. Die Verletzung hat ihn beschäftigt in den vergangenen Wochen, schließlich könnte sie großen Einfluss haben auf seine Leistungsfähigkeit im Camp. Und eine zweite Chance in der NHL, die würde er wohl kaum so schnell bekommen.

Weg über die AHL wäre eine Option

Also gibt sich Noebels kämpferisch. „Ich will in Boston alles raushauen. Ich mache so lange mit, bis es wirklich nicht mehr geht“, erzählt er. Im besten Fall unterbreiten ihm die Bruins ein Vertragsangebot. Das würde ihn aber wahrscheinlich nicht gleich in das NHL-Team führen. „Das Fenster dort wird nicht groß sein, die meisten Reihen stehen fest“, sagt Noebels. Für seinen Traum von der NHL wäre für ihn auch der Weg über die zweite Mannschaft akzeptabel, obwohl der schwieriger ist. „Es ist halt ein Ellenbogengeschäft“, sagt der Angreifer.

Wenn es auch mit der AHL nicht klappt, hat Noebels immer noch vier Jahre Vertrag bei den Eisbären, bei denen er ansonsten eine große Lücke hinterlassen würde – und ein Haus am Stadtrand, das gerade fertig wird. Im November ist der Einzug geplant. „Ich freue mich eigentlich auf das Haus“, erzählt der Stürmer, der gerade nicht weiß, ob er seiner Freundin beim Einrichten helfen kann. Oder ob er überhaupt mal in seinem Haus wohnen wird.

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