Eishockey

Eisbären mit neuen Ambitionen in der Champions League

Die Berliner starten mit zwei Heimspielen international in die neue Saison. Am Wochenende warten die Topteams aus Zug und Brno.

Foto: Christian Thiel / imago/Christian Thiel

Berlin.  Immer wieder wischte die Mitarbeiterin über das Podest, auf dem der Siegerpokal der Champions Hockey League (CHL) aufgestellt war. Penibel entfernte sie selbst den kleinsten Fleck, bis der Sockel genauso glänzte wie die Trophäe. Auf keinen Fall wollten die Berliner als Gastgeber der diesjährigen CHL-Pressekonferenz den Eindruck erwecken, der Wettbewerb werde hierzulande nicht ausreichend wertgeschätzt.

Auf dem Eis hatte es in der Vergangenheit nämlich oft so ausgesehen. Die Vertreter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) spielten in der CHL bislang nur eine untergeordnete Rolle – weiter als ins Achtelfinale schaffte es noch kein deutscher Klub. Manchmal wirkte es, als wäre der europäische Wettbewerb für die Vereine nur eine lästige Pflicht. Darin liegt für CHL-Geschäftsführer Martin Baumann auch die Erklärung für das mäßige Abschneiden. „Wenn die Deutschen immer noch diese Mentalität haben, dann ist genau das der Grund, weshalb sie so früh rausfliegen“, sagt er. Mit halber Kraft sei nichts zu gewinnen. „Die CHL ist keine Micky-Maus-Liga.“

Deutsche Klubs nehmen den Wettbewerb nun wichtiger

Das haben nun auch die deutschen Klubs begriffen. Die Eisbären, die Ice Tigers Nürnberg und der deutsche Meister EHC Red Bull München haben vor dem Start am Freitag jedenfalls hohe Ziele formuliert: „Ich will gewinnen“, sagt Berlins Trainer Clément Jodoin. „Und wenn wir selbst nicht gewinnen können, dann drücken wir den anderen deutschen Teams die Daumen.“ Nach dem Gewinn der Olympia-Silbermedaille durch die Nationalmannschaft betrachten die Klubs die Champions Hockey League als die nächste nationale Aufgabe. Die Eisbären spielen zum Auftakt zweimal zu Hause: am Freitag (19.30 Uhr) gegen den EV Zug aus der Schweiz, am Sonntag (17 Uhr, beide Spiele im Wellblechpalast) gegen den tschechischen Klub Kometa Brno. Dritter Gegner ist der weißrussische Meister Neman Grodno. Die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe erreichen das Achtelfinale.

„Die CHL ist in Deutschland angekommen“, meint DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Die Änderung des Formats mit Reduzierung von 48 auf 32 Teilnehmer sowie einer ausschließlich sportlichen Qualifikation, nachdem es in den ersten Jahren noch automatische Startplätze gab, haben der Liga gut getan. „Die Glaubwürdigkeit ist deutlich gestiegen“, sagt Martin Baumann.

Im Wellblechpalast ist mit besserer Stimmung zu rechnen

Und auch das Preisgeld: 1,94 Millionen Euro, davon 365.000 für den Sieger, werden in dieser Saison ausgeschüttet, ein Plus von 25 Prozent. Bis 2022/23 sollen die Prämien auf 3,46 Millionen Euro (720.000 Euro für den Sieger) steigen. Das spielerische Niveau wächst ebenfalls – mit der panrussischen KHL gilt die Champions Hockey League als der stärkste Klubwettbewerb hinter der nordamerikanischen Profiliga NHL. Die Pläne einer Zusammenarbeit mit der KHL liegen laut Baumann momentan allerdings auf Eis: Die Russen würden lieber eigene Expansionspläne verfolgen.

In den Zuschauerzahlen spiegelt sich das bislang allerdings nicht wider, zu CHL-Spielen kommen hierzulande bislang deutlich weniger Fans als selbst gegen schwächere Teams in der DEL. „Da gibt es sicher noch Potenzial nach oben“, sagt Baumann. Letztlich sei es nicht anders als beim Fußball: „Die Messis und Ronaldos sieht man nur, wenn man auch ins Stadion geht. Dieses Denken vermisse ich bei den deutschen Fans noch ein wenig.“ Die Eisbären sorgen mit dem Umzug in den kleineren Wellblechpalast immerhin dafür, das die Stimmung trotz deutlich weniger Besuchern nicht leidet.

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