Eishockey

Stanley-Cup: Dieses Finale begeistert Amerika

Das Duell zwischen Washington und Las Vegas ist der ungewöhnlichste Kampf um die begehrteste Eishockeytrophäe seit vielen Jahren.

Dieser Mann will endlich feiern: Alexander Owetschkin

Dieser Mann will endlich feiern: Alexander Owetschkin

Foto: Kim Klement / USA TODAY Sports

6000 Zuschauer beim Training, dieses Gefühl ist selbst für Alexander Owetschkin neu. Der Mann hat viel erlebt, die Liste seiner Erfolge und Auszeichnungen in der nordamerikanischen Profiliga NHL ist lang. Mehr als ein halbes Dutzend Mal schoss der Russe die meisten Tore in der besten Eishockeyliga der Welt. Doch die Leidenschaft, die er gerade rund um seine Washington Capitals spürt, die bewegt selbst den Star auf einer ganz anderen Ebene. „Wir waren niemals zuvor in dieser Position. Meine ganze Karriere habe ich für dieses Team gespielt, und wir hatten niemals solchen Erfolg. Die Stadt dreht jetzt durch“, sagte Owetschkin, kurz bevor er in den Flieger nach Las Vegas stieg. Dort treten die Capitals am Montag zum ersten Spiel der „Best of seven“-Finalserie um den Stanley Cup an.

Dieses Duell zwischen den Männern aus der Zockermetropole in Nevada und den Hauptstädtern begeistert gerade Amerika. Weil endlich nicht wie in den Jahren zuvor die großen Favoriten um die Trophäe spielen. Weil es so unerwartbar schien vor der Saison, weil die Geschichten dahinter so unglaublich und emotional sind. Auf der einen Seite stehen die Las Vegas Golden Knights, die gerade erst in die Liga aufgenommen wurden und mit einer absolut unterschätzten Mannschaft alle Rekorde brechen. Auf der anderen Seite Washington mit dem großen Owetschkin, für den nach etlichen Versuchen und viele Enttäuschungen mit dem Team das große Happy End zum Greifen nah ist.

Superstar Owetschkin steht vor seinem größten Erfolg

Inzwischen ist der Russe 32 Jahre alt, persönliche Erfolge interessieren ihn nur noch am Rande. Davon hatte er so viele, ebenso wie bittere Momente, wenn Washington mal wieder als eines der Spitzenteams der Punkterunde früh ausschied. In seiner 13. Saison mit den Capitals sieht er den Teamgeist als größten Trumpf. Voller Pathos beschrieb er nach dem Finaleinzug gegen Tampa Bay, wie jeder Mitspieler „alles gegeben und seinen Körper für das Team geopfert“ habe.

„Vielleicht besaßen wir in der Vergangenheit mehr Qualität auf dem Papier, aber jetzt kennt jeder seine Rolle. Jeder gibt alles, jeder versteht sich mit dem anderen“, sagt Torhüter Braden Holtby, der den Deutschen Philipp Grubauer zu Beginn des Play-off im Tor verdrängte. Mit der neuen Ausrichtung gelang es Owetschkin sogar, seinen Dämon zu besiegen – den anderen Superstar der NHL, den Kanadier Sidney Crosby. Im Viertelfinale setzte sich Washington gegen die Pittsburgh Penguins samt Crosby durch, gegen den der Russe in wichtigen Duellen zuvor auf allen Ebenen verloren hatte: sechs Mal in Serie.

Las Vegas trotz allen Wahrscheinlichkeiten

Damit der Triumph im siebten Duell auch zum Cup führt, ist allerdings noch viel harte Arbeit erforderlich. Las Vegas spielt bislang gegen alle Wahrscheinlichkeiten. Eine Truppe, die zu Saisonbeginn als schlechteste Mannschaft der Liga gehandelt wurde, weil sie aus jungen oder anderswo aussortierten Profis rekrutiert worden ist, zeigt eindrucksvoll, wie sehr Experten daneben liegen können. „Es ist für die Liga vielleicht die beste Story in der jüngeren Vergangenheit“, schrieb das US-Magazin „Forbes“.

Der übertragende TV-Sender NBC freut sich über beste Einschaltquoten. „Die Nation ist fasziniert von der unglaublichen Geschichte“, sagt Sam Flood, leitender Produzent bei NBC. In Las Vegas Geld auf einen Stanley-Cup-Sieg der Knights zu setzen, bringt jetzt nicht mehr viel. Vor der Saison hätte so ein Tipp einen reich gemacht, bei 500:1 lagen die Quoten. „Wie könnte man eine solche Saison besser beenden als mit dem Gewinn des Stanley Cups?“, so Stürmer James Neal. Diese Frage dürfte auch Alexander Owetschkin stellen, die Antwort wäre dieselbe.

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