Eishockey

NHL-Star Draisaitl ist 68-Millionen-Dollar-Mann

Seit Olympia macht das deutsche Eishockey von sich reden. In Berlin verstärkt NHL-Star Draisaitl die Auswahl.

Leon Draisaitl spielt in der NHL für die Edmonton Oilers

Leon Draisaitl spielt in der NHL für die Edmonton Oilers

Foto: Anke Waelischmiller/SVEN SIMON / picture alliance / SvenSimon

Berlin.  Viel hat Marco Sturm von seinen Helden nicht gesehen in letzter Zeit. Zu viel zu tun, die Helden spielen, er trainiert. Immer noch die Nationalmannschaft natürlich, aber die sieht in der Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft anfangs eben ganz anders aus als am Ende. Weil viele der besten Profis im Finale der Deutschen Eishockey Liga gebunden sind. Gleich zehn Spieler, die vor zwei Monaten in Südkorea Olympiasilber gewannen, mischen im Duell zwischen den Eisbären und München mit. Ein kluger Schachzug daher, den Sturm sich ausdachte mit seinem kleinen Trainingslager in Berlin dieser Tage. So konnte er am Freitagabend die vierte Partie der Serie in der Arena vor Ort verfolgen.

Seine Mannschaft zu finden für die WM, ist jedes Mal eine Herausforderung für den Bundestrainer. Aktuell erscheint sie noch ein wenig größer als normal, weil sich viel verändert hat. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) wird plötzlich mit anderen Augen gesehen, seit sie vor zwei Monaten in Südkorea sensationell Silber-Sieger wurde. „Der Druck ist jetzt größer“, sagt Sturm. Bislang fuhr er mit moderaten Erwartungen zu Titelkämpfen, für das Turnier in Dänemark (4. bis 20. Mai) sieht zumindest die öffentliche Wahrnehmung anders aus. Jetzt gehen eben Helden auf Reisen.

Aber nur teilweise. Einige wichtige Spieler sind zurückgetreten, einige verletzt. Das WM-Team wird anders aussehen. Einer der Neuen ist in Berlin zur dritten Phase der Vorbereitung hinzugestoßen, Leon Draisaitl heißt er und verkörpert die große Hoffnung, dass die WM nicht mit einem Realitätsschock endet. Olympia war schließlich ein Experiment unter Laborbedingungen, ohne die Stars aus der nordamerikanischen NHL, die ihren Profis die Teilnahme untersagte. „Das ist schon ärgerlich, nicht dabei gewesen zu sein“, sagt Draisaitl. Er spielt bei den Edmonton Oilers, gehört mit 22 Jahren zur Elite seines Sports, besitzt einen Vertrag, der ihm in acht Jahren 68 Millionen Dollar einbringt. Insofern ist seine Olympia-Absenz für ihn verkraftbar. Ehrlicherweise wäre Deutschland ein solcher Erfolg auch nie möglich gewesen, hätten alle Teams ihre NHL-Stars einsetzen können.

Zugeschaut hat Draisaitl aus der Ferne natürlich. „Das war ein riesiger Erfolg, der so viel bewirkt für das deutsche Eishockey. Das hat ein kleines Ausrufezeichen gesetzt“, sagt der gebürtige Kölner. In den sozialen Medien habe er seit dem Erfolg etwas festgestellt: „Man merkt überall, dass über das deutsche Eishockey mehr gesprochen wird.“ Damit das so bleibt, wäre ein gutes Abschneiden bei der WM wichtig. Die jüngsten zwei Turniere verliefen mit der Viertelfinal-Teilnahme erfolgreich.

Vor dem Stürmer liegen bei der WM große Aufgaben

Draisaitl half dabei mit, in Köln kam er im Vorjahr zum Ende der Gruppenphase und ging am Tag seiner Ankunft sofort aufs Eis. Da Edmonton das Play-off verpasste, kann sich der Mittelstürmer nun in Ruhe auf das Turnier vorbereiten. Sturm betont, wie wichtig die frühe Anwesenheit des Angreifers sei: „Einen solchen Spieler wie Leon allein im Training auf dem Eis zu haben, kann einiges bewirken.“ Er stellt dessen Entwicklung auch als wichtigen Faktor für das Team heraus: „Er ist noch mal auf einem anderen Level.“ Im zweiten Jahr in Folge verbuchte Draisaitl 70 Punkte, sein Auftreten in der NHL entspricht dem einer großen Persönlichkeit.

Dem deutschen Publikum blieb dieser Reifeprozess in Wolfsburg am Donnerstag verborgen, beim 7:1 im Testspiel gegen Frankreich schaute Draisaitl zu. Nach einer Trainingspause braucht er noch Zeit. Ob der Star an diesem Sonnabend in Berlin gegen Frankreich auf dem Eis steht (17.45 Uhr, Sportforum/Sport1), ist nicht entschieden. „Ich will nichts riskieren“, so Sturm. Er benötigt Draisaitl bei der WM in bester Verfassung. Schließlich geht es nicht nur darum, die Silber-Gewinner zu verstärken, Draisaitl muss auch die fehlende Erfahrung zurückgetretener Führungsspieler wie Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer auffangen. Das ist viel verlangt von einem 22-Jährigen, obwohl dieser in der NHL zu den Besten zählt.

Immerhin hat er Unterstützung, Dennis Seidenberg (36, New York Islanders) kommt nächste Woche hinzu. Auch Korbinian Holzer (30, Anaheim Ducks) schließt sich dem Team noch vor der WM an. Doch geschaut wird natürlich auf Draisaitl, aber das kennt er. „Es geht hier nicht um mich, sondern um die Nationalmannschaft und darum, dass wir wieder so gut wie möglich abschneiden“, sagt der Angreifer. Wie gut das sein kann, hängt im Vergleich zu Olympia noch mehr an der Konkurrenz, die oft viel mehr NHL-Erfahrung aufbieten kann als das DEB-Team. Konkret will er deshalb nicht werden. „Es ist zu früh zu sagen, was unser Ziel ist. Man sollte damit auch vorsichtig sein“, erzählt Draisaitl. Er weiß, dass eine schwere Aufgabe vor ihm liegt.

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