Eishockey

Play-off-Finale: Die Bären sind los

Sparringspartner hatte Red Bull München genug in den Vorjahren. Die Berliner wittern im Finale nun eine echte Titelchance.

Berlin gegen München, das Duell verspricht ein rasantes Play-off-Finale in der DEL

Berlin gegen München, das Duell verspricht ein rasantes Play-off-Finale in der DEL

Foto: nordphoto / Engler / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Finale, oho. Im Prinzip kennt er nichts anderes. Seit 15 Jahren spielt Frank Hördler professionell Eishockey, acht Endspielserien erlebte der Verteidiger dabei, gewann sieben Meisterschaften. Finale, oho – bringt einen wie ihn emotional also nicht mehr so richtig in Wallung, oder? Doch, tut es, wenn das letzte Finale schon fünf Jahre zurückliegt und die Zeit seitdem nicht gerade als Erfolgsgeschichte in die Klubhistorie des EHC Eisbären eingeht. „Das fühlt sich einfach geil an“, sagt Hördler mit Bezug auf das, was ihn ab Freitag erwartet. Die Eisbären kämpfen gegen Red Bull München um den Titel der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Finale, oho. Endlich wieder.

Aber diesmal anders. Nicht als Favorit, sondern als Außenseiter gehen die Eisbären in das erste Spiel heute in München (19.30 Uhr/Sport1) und den Rest der „Best of seven“-Serie. So wie das seit zwei Jahren jeder tut gegen München und sich bislang immer nur als Sparringspartner erwiesen hat, nie als ernsthafter Konkurrent. Die Bayern wollen nun den Hattrick schaffen, den dritten in der DEL-Geschichte nach Mannheim (1997 bis 1999) und den Eisbären (2011 bis 2013). Trainer Don Jackson weiß, wie das geht, mit den Berlinern gelang ihm das ja auch. „Don hat die Angewohnheit, solche Finals zu gewinnen“, räumt EHC-Trainer Uwe Krupp ein. Aber: „Wir haben auch eine gute Mannschaft.“ Eine, die so von sich überzeugt ist, dass sie glaubt, die Mün-chner nach langer Zeit im Play-off wieder an ihre Grenzen führen zu können.

Krupp gibt sich vor dem ersten Finale gelassen

Viel spricht für Red Bull, natürlich. Der Etat liegt mit fast 14 Millionen Euro an der Spitze der Liga, etwa drei Millionen über dem der Eisbären. Entsprechend sieht der Kader aus. „Sie sind sehr tief“, sagt EHC-Sportdirektor Stéphane Richer und verweist damit auf die große Spieleranzahl. Zudem liegt die Qualität im Team enorm hoch, gleich sieben deutsche Olympiahelden hat Jackson zur Verfügung. Beim EHC arbeitet Krupp mit drei. Noch bedeutsamer aber erscheint, dass das Personal die offensive Spielweise von Jackson so verinnerlicht hat und perfekt ausführt, dass dem Gegner kaum Ansatzpunkte bleiben, um sich selbst zu entfalten. „Du musst schon suchen, um Schwachstellen zu finden“, sagt Krupp. Ein paar ganz kleine, meint er, ausfindig gemacht zu haben. Der wichtigste Aspekt für die Eisbären, um in diesem Finale erfolgreich zu sein, liegt aber vor allem darin, selbst möglichst keine Fehler zu machen. Das ist in einem Spiel schon schwer, aber die Berliner müssen das in einer ganzen Serie versuchen.

Krupp sieht trotzdem entspannt aus vor dem Start, er lacht viel. Fast wie einer, der schon weiß, dass der Finaleinzug ihm eine Vertragsverlängerung eingebracht hat. Sein Kontrakt läuft ja aus. Aber das ist jetzt nebensächlich: „Wie viel Einfluss der Trainer hat, wird immer überbewertet. Im Endeffekt stehst du hinter der Bande und kümmerst dich darum, dass die Atmosphäre gut ist.“ Einen Plan gibt er den Spielern natürlich auch mit. Umsetzen müssen sie ihn aber selbst. „Wir müssen wahnsinnig aufpassen“, sagt Hördler. So wenig wie möglich auf der Strafbank sitzen, lautet ein Leitsatz. Münchens Monster-Powerplay erstickt jede Hoffnung.

Die Berliner konnten sich auf mehreren Ebenen verbessern

Mit gleicher Spieleranzahl sind die Vorteile nicht so klar verteilt. Jackson lässt immer nach vorn spielen, mit viel Druck. Sogar die Verteidiger rücken tief in die offensive Zone vor. Neben der normalen Disziplin ist daher taktische Treue zum Spielplan wichtig, der eine sehr kompakte Defensive vorsieht. „Jeder kleinste Fehler wird zu einer Torchance führen“, sagt Kapitän André Rankel. Auf der anderen Seite steht die Offensivabteilung der Eisbären, abgesehen halt vom Überzahlspiel, der der Bayern kaum nach. Mit ihren Fähigkeiten können die Berliner den Münchnern den Spaß ganz schön verderben. „Wir müssen die Scheibe schnell spielen und uns gut unterstützen“, sagt Rankel. Dabei wird ein enorm waches Spiel im Aufbau nötig sein, mit minimalen Scheibenverlusten. „Wir wollen probieren, dass die offensiven Spieler der Münchner auch mal ein bisschen defensiver spielen müssen“, so Richer. Klingt fast, als hätte er vergessen zu sagen: „Mal sehen, ob sie das können.“

Vergangenes Jahr im Halbfinale mussten sie es nicht, die Berliner unterlagen in der Serie 1:4. „Jetzt sind wir besser“, erzählt Richer. Alle Mittelstürmer des EHC sind neu (Louis-Marc Aubry fehlte 2017 verletzt) und geben dem Team mehr Kreativität sowie defensive Verantwortung. Mit Clement Jodoin hat Krupp jetzt zudem einen äußerst erfahrenen Co-Trainer an der Seite. Die Berliner konnten sich seither auf mehr Ebenen steigern als München. Für die Endspielserie verspricht das in jedem Fall ein offensives Spektakel. Finale, oho.

Mehr zum Thema:

Der älteste Eisbär hat im Titelkampf die meiste Arbeit

Ohne Demut gegen den Dominator

Die Eisbären kämpfen sich ins Finale