DEL-Viertelfinale

Eisbären lassen den Ballast einer ganzen Saison hinter sich

Partie vier der Serie gegen Mannheim ist am Mittwoch schon ein Schlüsselspiel. Die Eisbären brauchen einen Sieg, um nicht unter Druck

Marcel Noebels (r.) will mit den Eisbären einen Schritt schneller sein

Marcel Noebels (r.) will mit den Eisbären einen Schritt schneller sein

Foto: imago sport / imago/osnapix

Berlin.  An seinem Geburtstag ließ Marcel Noebels andere ausnahmsweise etwas tiefer in sein Privatleben blicken. Vielleicht vor Rührung, denn die Kollegen sangen dem Stürmer des EHC Eisbären gerade ein kleines Ständchen zum Abschluss des Trainings. Danach erzählte er, dass es ihn mit dem Aberglauben ganz schön erwischt hätte. Vor Spielen immer alles mit links zuerst anzuziehen, sei so eine Gewohnheit. Seine Mutter, sagte er, würde sogar vor jeder Partie eine Kerze anzünden. Hätte der Vater zumindest erzählt. Ein bisschen in diese Richtung geht auch einer seiner Kerngedanken zum vierten Spiel gegen die Adler Mannheim am Mittwoch (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena/Sport1). "Wir müssen nicht viel ändern, sondern nur an uns glauben", sagte der 25-Jährige.

So banal es klingt, der Ansatz ist der richtige. Diese Bilanz lässt sich nach drei Partien in der "Best of seven"-Serie im Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zwischen den Berlinern und den Kurpfälzern ziehen. Zwar liegt der EHC nach Siegen 1:2 zurück, bei den Niederlagen scheiterten die Eisbären aber weniger an der Stärke der Adler als an eigenen kleinen Schwächen. "Wir brauchen uns hockeymäßig nicht zu verstecken", sagt Noebels. Mit kleinen Korrekturen lässt sich schon viel bewirken.

Mannschaft tritt viel Euphorie an

Sicher ist nicht zu leugnen, dass die Adler am Sonntag in ihrem Heimspiel stärker auftraten als zuvor. "Mannheim war physisch und läuferisch besser in den ersten 40 Minuten", sagt Stürmer Florian Busch, das habe automatisch die Fehlerquote der Berliner erhöht. Dennoch ergaben sich daraus nicht viele gute, klare Chancen für den Kontrahenten. Das Spiel (2:3) blieb eng, und mit einer weiteren dummen Strafzeit am Ende erzeugten die Eisbären einen erneuten Nachteil für sich.

Die Konzentration auf sich selbst ist also der Schlüssel für die Berliner. Wenig Strafen kassieren und den eigenen Plan befolgen, lauten die wichtigsten Eckpunkte. Dann wird es sehr schwer für die Adler, den Zweiten der Hauptrunde, gegen den Achten. Nach der Ausgangsposition wäre es kaum zu erwarten gewesen, dass die Gegner in dieser Serie so nah beieinander stehen. "Jetzt sieht man, was wir in der Lage sind zu spielen", sagt Kapitän André Rankel. Die nachhaltigen Verletzungsprobleme sind überwunden, seine Mannschaft ist kaum mehr zu vergleichen mit dem Team von vor zwei, vier oder sechs Monaten.

"Das ist eine Serie auf Augenhöhe", sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter. Die Eisbären spielen mit einer Euphorie, die besonders in der ersten Heimpartie gegen die Adler (6:3) sichtbar wurde. Wie befreit vom Ballast der Vergangenheit, der schlechten Statistiken. Mit diesem Bewusstsein wirken heikle Situationen nicht mehr so bedrohlich. Es fällt dem Team leichter, Probleme zu lösen.

Keine Angst vor dem Schlüsselspiel

Die nächste Partie hat nun wahrlich eine große Bedeutung. "Das ist ein Schlüsselspiel. Es wäre nicht schön, mit 1:3 nach Mannheim zu fahren", sagt Busch. Wie viel in dieser Mannschaft tatsächlich steckt, kann sie nun allen zeigen. Wie das gelingen soll, ist klar. "Wir müssen mehr bei denen im Drittel spielen", so Busch. Die Aggressivität der ersten beiden Partien ist nötig, das schnelle Überbrücken der neutralen Zone. "Wir werden alles in die Waagschale werfen", sagt Trainer Uwe Krupp.

Ausgiebig ließ er noch einmal das Überzahl- und Unterzahlspiel üben. Nach dem Training verbrachte Noebels seinen Geburtstag weitgehend für sich. Um sich zu konzentrieren für Mittwoch. Aus Gewohnheit fährt er dann wie immer mit dem Kollegen Julian Talbot zur Halle.

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