Eishockey-Play-off

Eisbären stehen im Viertelfinale

Im längsten Spiel der Klubgeschichte setzen sich die Berliner in Straubing 3:2 in der dritten Verlängerung durch. Jetzt wartet Mannheim.

Zum zweiten Mal wird Jamie MacQueen (17) der Matchwinner für die Eisbären

Zum zweiten Mal wird Jamie MacQueen (17) der Matchwinner für die Eisbären

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Straubing.  Es wirkte, als wollte diese Partie kein Ende nehmen. Egal, wie die Pucks geflogen kamen, einer der beiden Torhüter bekam immer noch ein Körperteil, Stock oder Handschuh in den Weg. Erst als Jamie MacQueen in der 104. Spielminute abzog und die Scheibe stark abgefälscht wurde, flog der Puck vorbei an Matt Climie im Straubinger Tor zum 3:2 (1:2, 1:0, 0:0, 0:0, 0:0, 1:0) für den EHC Eisbären ins Netz. Die Kollegen jubelten, während die Straubinger die Köpfe hängen ließen. Denn die Berliner zogen im vierten Anlauf zum ersten Mal über das Pre-Play-off in das Viertelfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ein.

Es war der zweite Sieg in der "Best of three"-Serie für die Eisbären im zweiten Spiel. Und zum zweiten Mal war MacQueen, der in der ersten Partie zwei Treffer erzielt hatte, der Matchwinner für die Berliner, die mit dem Erfolg im mit 103:17 Minuten längsten Spiel der Klubgeschichte auch ihre Auswärtsserie von zwölf Niederlagen in Folge überwanden.

Intensiv von Beginn an

Die Eishalle in Straubing gehört nicht zu den modernsten in der DEL. Neben der in Iserlohn sei es die einzige, sagt EHC-Stürmer Marcel Noebels, die er tatsächlich noch als Halle bezeichnen würde und nicht als Arena, so wie die anderen. Alt, klein, eng, laut – so ist es am Pulverturm, dort entsteht schnell eine Stimmung, die Schiedsrichter dazu verleitet, unbewusst schneller in die Pfeife zu blasen, den Arm zu heben und Strafzeiten für den Gegner auszusprechen. Insofern überraschte es nicht, dass die Berliner diesmal wesentlich öfter auf der Strafbank saßen als noch zwei Tage zuvor in der eigenen Arena beim 3:1.

Doch nicht allein die Umgebung mag daran Schuld gewesen sein, die Gastgeber zwangen die Eisbären mit ihrer sehr intensiven Spielweise, auch körperlich aktiver als üblich zu werden. Straubing, das war sofort zu sehen, wollte in dieser Partie nicht ab- und schon gar nicht auf das Saison-Aus warten. Da die Gegenwehr der Eisbären nicht immer den Regeln entsprach, geriet der EHC schon früh in Rückstand. Sean Sullivan nutzte der erste Überzahlspiel (5.), Scott Timmins auch das zweite (12.). Immerhin hatte Alex Roach mit seinem ersten Tor für den EHC überhaupt nur 31 Sekunden nach dem 0:1 den zwischenzeitlichen Ausgleich hergestellt (6.).

Eisbären mit guten Nerven

Die alte Stärke der Niederbayern aus der Hauptrunde blitzte also wieder auf, eine große Gefahr für die Eisbären, die offensiv zwar den direkten Weg zum Tor suchten, in der Defensive jedoch einige Patzer begingen. Das frühe Stören der Aufbaupässe durch die Tigers bescherte Torhüter Petri Vehanen viel Arbeit. Daran änderte auch die Rückkehr des erfahrenen Micki DuPont in die Abwehr nichts. Im Angriff konnten die Berliner ebenso nach Verletzungspause den Kapitän André Rankel wieder einsetzen. Charles Linglet und Kai Wissmann gesellten sich daher zu Barry Tallackson auf die Tribüne als überzählige Akteure.

Trotz des Rückstands verloren die Eisbären nicht die Nerven, sie spielten mit gutem Tempo mutig nach vorn. So als würde es die miese Auswärtsserie von zwölf Niederlagen in Folge gar nicht geben. Das zwang auch die Straubinger, die Berliner härter anzugehen als erlaubt. Die Bestrafung dafür nahm Spencer Machacek vor, der in Überzahl für das Team von Trainer Uwe Krupp zum erneuten Ausgleich traf (31.).

Dienstag geht es in Mannheim weiter

Nach stürmischen Straubinger Schlussminuten im zweiten Drittel beruhigte sich die Partie zu Beginn des dritten Abschnitts. Beide Mannschaften beschränkten sich weitgehend auf ein Forechecking mit nur einem Stürmer. Absicherung nach hinten hatte nun Vorrang, schließlich konnte jeder Fehler das Spiel entscheiden. Bis es so weit war, ging es aber zunächst in die Verlängerung. In dieser übten die Berliner mit zunehmender Spielzeit mehr Druck aus. Dennoch war es mit einem Drittel Overtime nicht getan, so dass die Berliner die längste Partie ihrer Klubgeschichte erlebten. Dieses entwickelte sich zu einem Spiel der Torhüter, immer wieder glänzten Vehanen und Straubings Matt Climie mit starken Paraden. Bis MacQueen in der dritten Verlängerung doch noch traf.

Für die Eisbären geht es nun am Dienstag weiter, in Mannheim müssen die Berliner beim Zweiten der Hauptrunde antreten. In der anderen Pre-Play-off-Serie setzte sich überraschend Liga-Neuling Fischtown Pinguins Bremerhaven als Zehnter der Hauptrunde gegen den Siebten ERC Ingolstadt durch. Nach dem Sieg am Mittwoch (4:1) gelang mit einem 6:5 im zweiten Spiel der Einzug in das Viertelfinale. Dort treffen die Bremerhavener auf Titelverteidiger RB München.

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