Eishockey

Die Eishockey-Liga ist in einem Zwiespalt

Einerseits stärken neue Teams wie Bremerhaven das Image der DEL. Doch sie sorgt sich zugleich um ihre Ausgeglichenheit.

Richie Regehr von Meister München im Zweikampf mit Jack Combs von Aufsteiger Bremerhaven

Richie Regehr von Meister München im Zweikampf mit Jack Combs von Aufsteiger Bremerhaven

Foto: imago sportfotodienst / imago/foto2press

Berlin.  Viel länger, so scheint es, hätte die Hauptrunde der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht dauern dürfen. Punkt um Punkt holte die Konkurrenz auf, schob sich vorbei. Doch Platz zehn blieb trotz vier Niederlagen in den letzten vier Partien gerade noch erhalten – um einen Zähler. Die Überraschung ist am Ende also gelungen, Bremerhaven, der Aufsteiger, spielt in der K.o.-Phase noch mit.

Zugetraut hatte das den Pinguins, so heißen sie wirklich, kaum jemand außerhalb von Fischtown, so nennen sie ihre Stadt tatsächlich. Die wirtschaftlichen Unterschiede sind groß zwischen erster und zweiter Liga. Doch auch der mit Abstand kleinste Etat der Liga (3,8 Millionen Euro – Titelverteidiger München gibt fast zehn Millionen mehr aus), hielt die Norddeutschen nicht davon ab, die DEL im Sturm zu erobern. Sportlich sowie emotional mit ihren stimmungsgeladenen Fans. "Bremerhaven hat sich in allen Belangen etabliert und ist eine Bereicherung für die Liga", sagt Gernot Tripcke, Geschäftsführer der DEL.

Verkauf der TV-Rechte an Telekom macht sich bezahlt

Tatsächlich konnten die Pinguins, die im Pre-Play-off ab Mittwoch auf Ingolstadt treffen, den Rückzug der Hamburg Freezers erstaunlich gut abfedern. Das Fehlen des Klubs aus der Großstadt, den Besitzer Anschutz, der ebenso Eigner der Eisbären Berlin ist, wegen verlustreicher Geschäfte auflöste, drückt zwar die Zuschauerbilanz der DEL leicht nach unten auf 6200 im Durchschnitt pro Partie. "Die Lücke, die Hamburg hinterlassen hat, ist in absoluten Zahlen nicht zu kompensieren", sagt Tripcke. Trotzdem passt so ein Klub wie Bremerhaven ganz gut ins Konzept. Mit Spaß am Spiel und Hunger auf Erfolg bestätigen die Neulinge das Image der DEL. Alles kann passieren, die Großen sind nicht sicher vor den Kleinen. "Ausgeglichenheit ist eine besondere Qualität unserer Liga", sagt Tripcke. Der Abstand zwischen Keller und Spitze liegt in der DEL im Verhältnis von 2:1 in der Punktzahl. In den anderen deutschen Spitzenligen ist der Abstand wesentlich größer, dass der Erste vier oder fünf Mal mehr Punkte als der Letzte hat, ist normal.

Um diese Balance sorgt sich die Ligaführung mehr und mehr. Die Entwicklungen der jüngsten Zeit stellen die DEL vor Herausforderungen. Aufgrund des Mangels an guten deutschen Spielern haben sich die Preise verändert. "In den letzten Jahren gab es eine Kostensteigerung bei den Gehältern, insbesondere getrieben von den deutschen Ergänzungsspielern. Das tut gerade Klubs mit kleineren Etats weh", so der Liga-Chef. Das verleiht dem Thema Ausländerbeschränkung eine größere Dimension. Vor allem kleine Klubs könnten mit mehr preiswerten Ausländern besser wirtschaften.

Die DEL beharrte auf der Begrenzung auf neun Ausländer auf dem Spielberichtsbogen, ist sich aber der komplexen Problematik bewusst. "Wir haben Bedenken, was da in Menge und Qualität aus Deutschland nachkommt. Das ist auch nichts, wo wir sagen können, das wird sich von allein lösen. Dazu ist die Eishockey-Community in Deutschland zu klein", sagt Tripcke. Bremerhaven etwa behilft sich mit eingedeutschten Ausländern. Das wird an Standorten mit mehr Geld nicht immer gern gesehen, ist aber aktuell die einzige Lösung. Eine intensivierte Nachwuchsförderung, die die DEL gern sehen, die aber auch viel Geld kosten würde, kann keine schnellen Alternativen produzieren.

Eishockey ist ein Zuschussgeschäft

Auf der anderen Seite lässt sich derzeit beobachten, dass manche die Ausgeglichenheit wohl gern hinter sich lassen würden. "Die Personaletats gehen auseinander, weil es Klubs gibt, die an der Schraube drehen können, andere nicht", erzählt der Geschäftsführer. Die ersten Vier der Tabelle sind getrieben von Titelsehnsucht, was sich im Budget niederschlägt. Auch die Berliner wollen nach enttäuschenden Jahren mehr investieren. Für die Kleinen bleibt da speziell auf dem deutschen Spielermarkt kaum etwas übrig. "Wenn das irgendwann zu viel ist, wird es gefährlich, weil Partner und Gesellschafter kleinerer Klubs die Lust verlieren könnten, falls sie sich selbst nicht mehr als wettbewerbsfähig ansehen. Die Schere darf nicht zu groß werden", sagt Tripcke. Eishockey ist ein Zuschussgeschäft. Wenn Gesellschafter keinen Sinn mehr erkennen in ihrem Engagement, kann das enden wie in Hamburg.

Daran ändert auch der Neustart in den audiovisuellen Medien wenig. Die Liga profitierte vom Verkauf der TV-Rechte an die Telekom. Seit dieser Saison sind alle Spiele live zu sehen, dazu überträgt Sport1 im freien Fernsehen eine Partie am Sonntag. "Das ist eine strategische Partnerschaft mit einem guten Produkt. Wir können sagen, dass wir an einem Wochenende im Livebereich unsere Reichweiten im Vergleich zum Vorjahr etwa verdreifacht haben", erzählt der Ligen-Chef.

In der vergangenen Saison übertrugen ServusTV und Laola1.TV je eine Partie am Freitag und am Sonntag. Bei Sport1 erreicht ein Spiel durchschnittlich 220.000 und in der Spitze 500.000 Zuschauer. Hinzu kommen bis zu 150.000 Aufrufe pro Spieltag über Telekom Eishockey. Starke Zahlen für die DEL, aber die Diskussionen über mehr Ausländer in der Liga, die den Kostendruck senken würden, sind für die Klubs existenzieller und könnten bald alles andere für eine Weile überlagern.

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