Spitzenspiel

Treffen der Kanoniere bei den Eisbären

Wenn die Eisbären am Sonntag die Nürnberg Ice Tigers empfangen, duellieren sich die besten Scorer der Eishockeyliga.

Nicholas Petersen war ein Glücksgriff für den EHC

Nicholas Petersen war ein Glücksgriff für den EHC

Foto: City-Press / picture alliance / City-Press Gb

Berlin.  Ein Trainer kann sich auch über die kleinen Dinge freuen. In diesem Fall durfte Uwe Krupp ein Erfolgserlebnis im Powerplay bestaunen. „Es kommt nicht so oft vor, dass wir in Überzahl treffen“, sagt der Coach des EHC Eisbären und verwies auf eines der großen Defizite der Berliner in dieser Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Das Tor trug dazu bei, am Freitag einen Punkt beim 3:4 nach Penaltyschießen in Iserlohn zu gewinnen. Micki DuPont war der Schütze.

Einer der üblichen Verdächtigen also. Einer, der oft dabei ist, wenn die Tore fallen. Von dieser Sorte geben sich am Sonntag in der Mercedes-Benz Arena gleich eine ganze Menge die Ehre – die Besten der DEL in Angriff und Abwehr. Das Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers wird ein Treffen der Kanoniere (19 Uhr).

Sechs Topscorer im direkten Vergleich

In der Offensive stellen die Berliner mit Nicholas Petersen (29 Punkte) und Darin Olver (28) die beiden Besten, es folgen die Nürnberger Patrick Reimer (27) und Leonhard Pföderl (27). In der Verteidigung bieten die Eistiger den Topscorer in Jesse Blacker (22), DuPont (21) belegt Platz zwei. Bis auf Olver konnten alle Profis ihrer Bilanz in den Freitagspielen einen Punkt hinzufügen. Das verspricht für den Sonntag sogar noch etwas mehr Spektakel als ohnehin üblich im Eishockey.

„Darüber will ich gar nicht nachdenken“, sagt Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter der Berliner. Natürlich weiß er um die offensiven Waffen des Tabellenzweiten, der auch die zweitmeisten Treffer erzielt hat. „Wir wollen kein Spiel, wo es hin und her geht und der gewinnt, der das letzte Tor schießt“, so Ustorf. Ein bisschen mehr System darf es also sein, auch wenn das vielleicht nicht ganz so aufregend sein mag wie offensive und auch defensive Zwanglosigkeit.

Meister brauchen keine Topscorer

Zwei Spieler ganz oben in der Scorerliste der Liga zu haben, ist bei den Berlinern absolut ungewöhnlich. Was seine Gründe hat. Denn ein Blick auf die Zahlen der vergangenen Jahre zeigt, dass der Erfolg einer Mannschaft ein breites Fundement benötigt. Seit dem ersten Titel der Eisbären 2005 hatte der spätere Meister lediglich in sechs der zwölf Spielzeiten einen Spieler unter den besten zehn Punktesammlern der Hauptrunde – und auch nie mehr als einen. Der ordnete sich zumeist im Mittelfeld ein.

Was dahinter steckt, ist klar: Bei wem die Offensive letztlich auf nur einer starken Reihe lastet, der kommt nicht weit. „Du musst ausgewogen sein“, sagt Ustorf. Auch Krupp weiß: „In der besten Situation hast du ein ausgeglichenes Scoring.“ Mit Torjäger Petersen und den anderen Neulingen war genau das auch angestrebt für diese Saison beim EHC. Doch der Effekt blieb zunächst aus.

Mehr Ausgewogenheit angestrebt

Auch dafür gibt es Gründe: Zum einen spielen Petersen und Olver zusammen enorm stark. Auf der anderen Seite mussten die Eisbären viele Verletzungen hinnehmen und konnten oft nur mit drei Reihen antreten. „Für Balance brauchst du gesunde Spieler. Marcel Noebels zu verlieren (Kreuzbandriss, d.A.), war zum Beispiel verheerend für unser Team“, sagt Olver. Ein paar Kollegen benötigten zudem lange, um besser in Form zu kommen. Hier konstatiert Ustorf seit ein paar Wochen Fortschritte. „Aber natürlich brauchen wir noch mehr von den anderen“, sagt er.

Dann könnte auch endlich das Problem behoben werden, dass die Eisbären mit Teams haben, die besser platziert sind. In dieser Saison gab es nur wenige Punkte gegen diese Mannschaften. Nürnberg immerhin konnte geschlagen werden im ersten Aufeinandertreffen in Berlin (3:2 n.P) – mit zwei Treffern von DEL-Topscorer Nicholas Petersen. Mehr als über das nächste Tor des Kanadiers würde sich Trainer Uwe Krupp allerdings darüber freuen, wenn er nicht wieder fünf Spiele auf den nächsten Überzahltreffer seiner Eisbären warten müsste.