Eisbären Berlin

Zwischen Weihnachtsmarkt und Eishalle

Eisbären-Verteidiger Gervais nähert sich nach seiner langen Verletzungspause wieder seiner gewohnten Form. Straubing nächster Gegner.

Im Aufwind: Eisbären-Verteidiger Bruno Gervais (r.)

Im Aufwind: Eisbären-Verteidiger Bruno Gervais (r.)

Foto: City-Press / City-Press GbR

Berlin.  Für die Freizeitgestaltung der nächsten Wochen müssen keine großen Pläne mehr geschmiedet werden. Kein Monat macht es Bruno Gervais da so einfach wie der vor Weihnachten. „Ich liebe die Weihnachtsmarktsaison“, twitterte er vor ein paar Tagen. Da eröffnete er mit dem EHC Eisbären gerade die Eisbahn auf dem Alexanderplatz.

Ja, wenn Gervais nicht als Verteidiger bei den Berlinern arbeiten und am Mittwoch gegen Straubing spielen würde (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena), hätte er schon eine andere Idee. Vergangene Saison überlegte er, ein wenig scherzhaft zwar, ob er nicht in seiner Heimat in der Nähe von Montreal einen Weihnachtsmarkt eröffnen solle. Rein zufällig organisiert nun sein Vater Sylvain, der städtischer Angestellter ist, in Granby solch ein Schaubuden-Spektakle nach deutschem Vorbild. Denn seinem Vater zeigte er die Berliner Märkte vor einem Jahr. „Das Essen ist gut, die Dekorationen sind so schön“, so der 32-Jährige über seine Vorliebe.

Kopf schneller als die Beine

Zurück zum Spaß findet er auch auf dem Eis langsam wieder. Die vergangenen Wochen waren ziemlich aufreibend, körperlich und psychisch. Mit angezogener Handbremse startete er in die Saison der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Nach einem Kreuzbandriss, das musste der Kanadier erst lernen, kann der Körper nicht so schnell, wie der Kopf gern möchte. „Das ist ganz schön hart. Du denkst, dass du gleich wieder da bist, wo du warst. Doch wenn du auf dem Eis stehst, ist davon nichts zu sehen“, sagt Gervais. Bis zu seiner Verletzung im Januar spielte er überragend, war eine ständige Gefahr im Überzahlspiel, hatte ein gutes Auge für den Aufbaupass und sicherte nach hinten souverän ab. Jetzt nähert er sich diesem Niveau wieder.

Gegen Ingolstadt gelang Gervais der dritte Saisontreffer. Wichtiger aber ist die Arbeit in der Defensive, seine Routine im Stellungsspiel. Die vermisste er in den ersten Wochen der Saison. „Ich wusste beim ersten Spiel, dass ich geduldig sein muss mit mir selbst“, sagt der Verteidiger. Geduld allerdings zählt in dieser Hinsicht nicht zu seinen Stärken. Trainer Uwe Krupp sagte mehrfach, dass er „Bruno vor sich selbst schützen“ müsse. „Das ist meine Mentalität“, sagt der dazu.

Müller fällt drei Monate aus

Nach und nach steigerte Krupp die Einsätze, ließ ihn in immer mehr verschiedenen Situationen aufs Eis. Oft wirkte der Kanadier, der zuvor so elegant, so geschmeidig gespielt hatte, hölzern und fehlerbehaftet. „Gewichte kannst du schon sehr schnell wieder wie vorher stemmen, aber bis du deine Explosivität zurück hast, ist es ein langer Weg“, erzählt Gervais. Erleichtert wurde der dadurch, dass „wir einige gute junge Verteidiger haben. Das nimmt den Druck, schnell zurückzukommen und gleich viel zu spielen.“

Einer der Jungen, Jonas Müller, fällt nun wegen einer Thrombose im Bein für drei Monate aus. „In den vergangenen vier bis fünf Wochen war Jonas richtig gut“, so Krupp. Wichtig also, dass Gervais sich in seinem Formaufbau an das Optimum pirscht. „Er ist immer noch in einer Position, wo er sein Spieltempo und die Laufqualität verbessern kann“, sagt Krupp. Die kommenden Wochen mit weniger Spielen als zuletzt werden sich da positiv auswirken.

NHL-Trikots für guten Zweck

Die hohe Frequenz der Belastung machte dem Kanadier bei seinem Comeback zu schaffen, weil die nötigen Pausen fehlten, die das fragile Knie gebraucht hätte, um die vielen Kräfte besser wegzustecken, die bei einem Spiel auf das Gelenk wirken. Aus der Vorsicht, mit der Gervais immer spielte, wurde obendrein Unsicherheit, weil er mit seiner angepassten Spielweise bei sehr vielen Gegentreffern auf dem Eis stand. Der einstige Topverteidiger entwickelte sich zu einem Grund für die fehlende Stabilität in der Abwehr der Eisbären. Die beiden Partien ohne Gegentreffer zuletzt konnten die Berliner auch deshalb abliefern, weil Gervais seine stützende Funktion für die Defensive wieder wahrnehmen kann.

Hilfestellung will er nicht nur dem Team bieten, sondern auch anderen. Gervais ist sozial engagiert und sammelt gerade mit dem Klub Spenden für Straßenkinder e.V. Hereinkommen sollen die über eine Versteigerung, für die Gervais sieben NHL-Trikots mit Unterschriften besorgt hat. Fünf (Gervais, Spencer Machacek, Barry Tallackson, Micki DuPont, Kyle Wilson) davon von EHC-Profis mit Trikots ihrer früheren Klubs. Zwei von den NHL-Stars Cary Price (Montreal) und Claude Giroux (Philadelphia), der 2012 kurz bei den Eisbären spielte. Solch ein Geschenk gibt es auf keinem Weihnachtsmarkt.