Eishockey

Die innere Sicherheit der Eisbären

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Marcel Stein
Jamie MacQueen (2.v.l.) markiert das 2:0

Jamie MacQueen (2.v.l.) markiert das 2:0

Foto: imago sportfotodienst / imago/Contrast

Mit der Konzentration auf eine stabilere Abwehr gelingt den Eisbären gegen Ingolstadt beim 3:0 der zweite Sieg ohne Gegentor in Folge.

Berlin.  Kauend kämpfte sich Peter John Lee durch den Kinderwagenstau vor der Kabine. Die Frauen wollen eben immer ganz nah dabei sein, wenn ihre Männer arbeiten. Und irgendwie werden es immer mehr Frauen, mit immer mehr Kindern, die nach einem Spiel des EHC Eisbären vor der Kabine der Berliner warten auf ihre frisch geduschten Partner. Klubchef Lee scheute sich dennoch nicht, ein zweites Mal durch den engen Gang zu schlüpfen. Zurück kam er mit zwei Stücken Stolle und einem Lächeln. „Für die Trainer“, sagte er auf dem Weg in deren Zimmer. Die waren aber in der Kabine, dort, wo Lee gerade den Stollen hergeholt hatte. Da versuchte wohl jemand, seine Lust am Genuss zu vertuschen.

Wer zuletzt viel einstecken musste, der darf es sich ruhig auch mal gut gehen lassen. Bevor das Kuchenbuffet aufgetischt worden war, hatte Lees Mannschaft im Duell des Siebten gegen den Achten den ERC Ingolstadt mit 3:0 (2:0, 0:0, 1:0) bezwungen. Beim nunmehr sechsten Heimsieg in Folge gelang das zweite Spiel ohne Gegentor hintereinander. Für ein defensiv chronisch anfälliges Team wie die Eisbären eine Seltenheit.

Nach 30 Sekunden trifft Gervais

Für eine Mannschaft, die sich in den vergangenen Wochen sehr schwer tat in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) bedeuteten die Ergebnisse des Wochenendes gegen Ingolstadt und zuvor Düsseldorf (5:0) mehr als nur sechs Punkte. „Ich würde nicht sagen, dass es perfekt war, aber ein Schritt in die richtige Richtung“, sagte Verteidiger Constantin Braun. Ein paar Dinge wurden zuletzt verändert in der Defensive. Das hat die Unterzahlformation stabiler gemacht, aber auch das Auftreten bei gleicher Spieleranzahl. Es wird aggressiver gearbeitet, mehr mit dem Gegner mitgelaufen, anstatt auf starr Positionen verharrt.

Das quittierte der Trainer mit Lob. „Wir haben gut gearbeitet vor Petri Vehanen, um das Spiel zu gewinnen“, sagte Uwe Krupp. Die sehr frühe Führung durch Bruno Gervais nach nur 30 Sekunden kam dem EHC wie schon gegen Düsseldorf – da hatte Darin Olver nach 49 Sekunden getroffen – entgegen. Bereits mit diesem Treffer wuchs ein Gefühl, das den Berlinern anzusehen war in der Art, wie sie sich bewegten. Sie strahlten innere Sicherheit aus, sie sind wieder von sich überzeugt. Auch, wenn nicht alles optimal funktioniert.

Bullys kleine Party

Ein gutes Beispiel dafür ist das Überzahlspiel, es bleibt ein Problemfeld, zu oft landen die Zuspiele auf der falschen Schlägerseite. Doch immerhin konnten die Eisbären nach der Spieldauerstrafe gegen David Elsner das fünfminütige Powerplay zum 2:0 nutzen. Jamie MacQueen traf (17.) und machte Maskottchen Bullys Geburtstagsfeier noch ein bisschen freudvoller. Mit Partyhut, Kollegen von anderen Berliner Vereinen und allerlei Einlagen beging der große Stoff-Eisbär seinen 15. Jahrestag vor 12.824 Besuchern. Gut 900 davon kamen unter anderem per Sonderzug aus Oberbayern.

Diese konnte ihre Ingolstädter Mannschaft zwar aktiver sehen im zweiten Drittel, doch die Berliner blieben stabil, wurden nicht nervös. „Da geht es um Aufmerksamkeit in verschiedenen Spielbereichen“, sagte Krupp zur solideren Abwehr. An sich beschäftigt sich sein Team mehr mit dem Toreschießen, weil das zuletzt aber nicht klappte, entstand ein Missverhältnis. Die Defizite hinten konnten nicht mehr kompensiert werden. Erst mit der daraus entstandenen Konzentration auf die Verteidigungsarbeit gelang es nun, wieder souverän und erfolgreich zu spielen.

Kraft für die Zukunft

Natürlich geschehen dabei Fehler. Ingolstadt hatte die eine oder andere Chance. Doch Torhüter Vehanen parierte sicher: „In 60 Minuten ergibt sich so etwas immer.“ Allgemein kontrollierten seine Vorderleute die Partie aber gut, blockten viele Schüsse. Als Ingolstadt den Torhüter für einen weiteren Feldspieler getauscht hatte, traf Olver mit einem Rückhandschlenzer aus dem eigenen Drittel zum 3:0 (58.).

„Wir hatten eine harte Zeit. Die Spiele jetzt sind ein gutes Zeichen, sie werden uns Kraft geben für den Rest der Saison“, sagte Vehanen, dessen Team am Mittwoch die Straubing Tigers empfängt (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena), und suchte seinen Weg durch die Kinderwagenparade, um noch etwas durch die Arena zu joggen. Anders als Lee muss er schließlich noch auf seinen Körper achten.