Eisbären auf Reisen

Stress pur: Die Eisbären sind immer unterwegs

Mit 25 Spielen in zwei Monaten erleben die Eisbären gerade ein Programm, das den ganzen Klub herausfordert. Am meisten die Betreuer.

Eisbären-Stürmer Jamie MacQueen (l.) ist hinten dran

Eisbären-Stürmer Jamie MacQueen (l.) ist hinten dran

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Die Abflugzeit am Dienstagmorgen ging halbwegs. Um 8.40 Uhr sollte die Maschine mit der Mannschaft des EHC Eisbären abheben. Aber das heißt ja auch: Treffpunkt so gegen halb acht, die Anfahrt beansprucht Zeit, also je nachdem, wie lange jeder braucht, so zwischen 5:30 und 6 Uhr aufstehen. Um dann abends um 20 Uhr mit der eigentlichen Arbeit anzufangen.

Ein Tag im Leben eines Eishockeyprofis kann manchmal lang werden. Vor allem, wenn man wie die Eisbären in der Champions Hockey League (CHL) mitspielt. Am Dienstag traten die Berliner zum Rückspiel bei Frölunda Göteborg an, was nach dem 1:6 im Hinspiel keine Reise mit der Hoffnung auf die nächste Runde war. Diesmal verloren sie 1:4 (0:2, 0:0, 1:2). Immerhin gibt es Direktflüge nach Göteborg. Das macht vieles leichter.

Heute hier, morgen da

Zumindest für die Spieler. Die Betreuer genießen diesen Komfort nicht – und auch sonst keinen in diesen Tagen. „Das ist schon der Oberknüppel“, sagt Dirk Perschau. Mit dem Kleinbus fuhren er und René Seipelt bereits am Montagabend los. Nach Rostock zur Fähre, mit der Fähre nach Schweden, mit dem Auto noch mal 350 Kilometer nach Göteborg. Dort luden sie die übergroßen Eishockeytaschen der Profis aus, etwa 13 Kilogramm wiegen die vor dem Spiel. Nach der Partie sind die Klamotten durchnässt und zwei Kilo schwerer. Einpacken, sofort losfahren, Mittwochmorgen mit der Fähre zurück, gegen 18 Uhr in Berlin. „Dieses Jahr ist es wirklich extrem mit den Fahrten“, erzählt Perschau.

Gerade der Oktober hatte es in sich, vor der Länderspielpause in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) absolvierten die Berliner binnen 31 Tagen 14 Spiele. Nach der Pause, die mit vier freien Tagen etwas Luft verschaffte, folgt nun eine Phase von elf Partien binnen 29 Tagen. Erholsamer wird es also nicht wirklich.

Das fordert alle heraus, die Betreuer, die Spieler, die Trainer. „Von Ausbildungsmodell ist da nicht zu sprechen“, sagt Uwe Krupp. Wenn dann die Dinge nicht so funktionieren, wie sie sollten, wird es schwer einzugreifen, zu korrigieren. „Es kommt darauf an, das umzusetzen, was wir umsetzen wollen“, erzählt der Übungsleiter. Beklagen mag er sich nicht. „Wir sind ja keine Nachwuchsmannschaft, wir wissen schon, wie wir zu spielen haben“, so Krupp, der wegen der hohen Anzahl der Partien genau auf die Regeneration achten muss. Der eine oder andere Tag, der im Oktober für Training eingeplant gewesen war, wurde kurzerhand zu einem freien Tag.

Vier Auswärtsspiele in einer Woche

Mit der Pause in den Beinen und im Kopf fühlt sich nun alles wieder besser an. „Ich denke, dass wir gut Kraft gesammelt haben und mit positiver Energie in die nächsten Spiele gehen“, sagt Stürmer Daniel Fischbuch. Ganz so verkehrt findet er die schnelle Folge von Spielen nicht. Im Play-off ist es ja auch so, da verliert wenigstens keiner den Rhythmus. „Aber man hat das schon in den Beinen gemerkt“, erzählt Fischbuch.

Wenn dann noch Kollegen verletzt oder krank ausfallen, so wie bei den Berlinern, geht das Programm noch mehr an die Substanz. Das zwingt zu Disziplin. Fischbuch: „Du achtest mehr auf die Ernährung, darauf, früh schlafen zu gehen.“ Vom Privatleben bleibt bei dieser Konstellation nicht viel übrig.

Perschau sieht seine Frau gerade fast eine Woche so gut wie gar nicht. Der Spielplan schlägt jetzt mit vier Auswärtspartien heftig zu. Nach Göteborg folgt am Freitag ein Spiel in Nürnberg. Perschau und Seipelt fahren nach einer Nacht im eigenen Bett schon am Donnerstag los. Von Franken geht es direkt nach Köln, wo der EHC am Sonntag antritt.

Kein Hotel gefunden

Dann erweist sich eine der alltäglichen logistischen Hürden als zu hoch. Nur 60 Kilometer sind es von Köln nach Krefeld, wo die Eisbären am Dienstag spielen. Doch es ließ sich in der ganzen Umgebung kein Hotel für das Team auftreiben, das preislich angemessen wäre. Also fahren die Betreuer Sonntagabend von Köln nach Berlin und Montagnachmittag – nach dem Training in Hohenschönhausen – schon wieder von Berlin nach Krefeld.

Fast Food auf der Autobahn, viel Kaffee, wenig Schlaf und jeden Tag woanders. „Wir sind gerade froh über jedes Heimspiel“, so Perschau. Weil Trainings- und Spielstätte ein paar Kilometer auseinander liegen, muss er auch in Berlin viel hin- und herfahren.