Heimsieg

Harter Kampf für die Eisbären

Die Berliner stehen nach 3:2-Sieg im Penaltyschießen gegen Nürnberg wieder an der Spitze der Deutschen Eishockey Liga.

Harte Bandagen vor dem Tor der Nürnberger

Harte Bandagen vor dem Tor der Nürnberger

Foto: Jürgen Engler

Berlin.  Wer schon früher in die Arena kommt und sich das Warmspielen anschaut, der erhält dafür die Gelegenheit, ein bisschen mehr über die Spieler des EHC Eisbären zu erfahren. Wenn die Profis bei lauter Musik ihre Kreise ziehen, passen und schießen, wird von Zeit zu Zeit einer von ihnen von einer Kamera ins Visier genommen. Auf dem LED-Würfel zeigt eine Einblendung, welches Lied gerade läuft, auf Wunsch des Spielers im Bild.

Micki DuPont mag es rockig, er ließ AC/DC laufen mit „Who made who“. Kyle Wilson hält es eher mit Rap und brachte Eminem mit „Till I collapse“ zu Gehör. Rap und Hip Hop gehen allgemein ganz gut beim EHC. Bruno Gervais ließ Macklemore auflegen mit „Can’t hold us“. Ob die Titel schon einen Bezug zum Spiel herstellen sollen, ist nicht bekannt. Die Berliner waren jedenfalls nicht aufzuhalten von den Nürnberg Ice Tigers. Vor 11.023 Zuschauern gewannen sie das vierte von fünf Spielen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Nach Penaltyschießen setzten sie sich mit 3:2 (2:1, 0:1, 0:0, 1:0) durch.

Busch muss vom Eis gebracht werden, kommt aber wieder

Ein wenig wie bei Eminem sah es zunächst bei Florian Busch aus. Keine drei Minuten waren absolviert, da lag er zusammengesunken auf dem Eis und konnte nicht mehr selbst aufstehen. Als er nach einem Zusammenprall in die Kabine geführt wurde, war zu befürchten, dass er länger ausfällt. Dabei hatte er sich gerade in Form gespielt nach einer Verletzungspause. Nach zehn Minuten kehrte er jedoch zurück.

Da stand es schon 1:0 für die Berliner. In Überzahl hatte Nick Petersen getroffen, nachdem er Torhüter Andreas Jenike mit ein paar Bewegungen seines Schläger verwirrt hatte (7.). Es war eine doppelte Überzahl gewesen, ausgelöst durch Milan Jurcina. Der Verteidiger spielte zuletzt in Berlin, nun ist er Nürnberger. Er habe ein Angebot des EHC gehabt, wollte zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nach Russland. Das überlegte sich der 33-Jährige später noch einmal, das Leben in Deutschland und die überschaubare Reiserei im Vergleich zur Russland ließen ihn dann doch eher zur DEL tendieren. Nürnberg schlug vor gut zwei Wochen zu. Nicht zum Nachteil der Berliner, denn Jurcina musste häufig auf die Strafbank.

Generell aber soll Jurcina helfen, die Defensive der Franken zu stabilisieren. Die war bislang ähnlich durchschnittlich wie die der Eisbären, beide gingen mit zwölf Gegentreffern in die Partie. Doch die Offensive der Berliner funktionierte bislang besser, so dass dennoch drei Siege in den ersten vier Partien heraussprangen. Nürnberg nahm erst einmal alle drei Punkte mit. Als André Rankel mit einem unerwarteten Handgelenkschuss zum 2:0 für die Berliner einschlenzte, hätten wohl viele gedacht, dass es dabei bleibt.

Kozak trifft doppelt für Nürnberg

Das Spiel jedoch entwickelte sich zu einer sehr riskant geführten Partie. In der Defensive passten beide Teams viel quer, es entstanden viele schnelle Angriffe. Diese Spielweise erfordert große Aufmerksamkeit, genau die war bei den Eisbären zuletzt jedoch nicht sonderlich ausgeprägt. „Wir haben in manchen Spielen nur 20 oder 30 Minuten gut gespielt. Der Schlüssel ist einfach, die Konzentration durchweg hochzuhalten“, sagte Stürmer Darin Olver. Kollege Frank Hördler verschätzte sich jedoch, schlug über den Puck und ermöglichte damit einen Konter, der zum Anschluss durch den Nürnberger Sommerzugang Andrew Kozak führte (22.).

Aufgrund der Anzahl der Gegentore hatte EHC-Trainer Uwe Krupp in den zurückliegenden Tagen „sehr viel Wert auf die Defensivarbeit gelegt“, wie der Sportliche Leiter Stefan Ustorf im Stadionheft die Fans wissen ließ. Trotzdem schaffte es Kozak bald wieder, allein auf EHC-Torhüter Petri Vehanen zuzustürmen. Weil er dabei von Jens Baxmann unzulässig aufgehalten wurde, gab es einen Penalty, den Kozak mit einem harten Schuss verwandelte und den Ausgleich herstellte (22.).

Petersen verwandelt den entscheidenden Penalty

Der passte durchaus zu der Partie, beide Teams agierten sehr aktionsreich, oft aber überhastet. Das Spiel wirkte dadurch zerfahren, wurde jedoch gleichermaßen intensiv geführt. Weil das zu keinem weiteren Tor führte, ging die Partie in die Verlängerung, die ebenso torlos endete. Erst im Penaltyschießen konnte ein Sieger gefunden werden. Als einziger von sechs Schützen traf Nick Petersen – und sicherte damit den Eisbären auch die Tabellenführung.