DEL-Start

Überall mehr Freiraum für die Eisbären

Die Eisbären Berlin gehen mit einer veränderten Offensive in die neue Saison. Das soll den Rekordmeister wieder titelreif machen.

Endlich wieder Feiern, das wollen die Eisbären

Endlich wieder Feiern, das wollen die Eisbären

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Es war nur ein Detail, aber eines, das schon einen gewissen Wandel beschreibt. Der Platz in der Mitte des Podiums bei allen Gesprächsrunden mit dem Hauptsponsor gehörte bislang Billy Flynn. Diesmal aber, im 21. Jahr der Partnerschaft, kam Flynn in Jeans und T-Shirt, setzte sich an den Rand und hörte zum ersten Mal einfach nur zu. Flynn, beim EHC Eisbären immer der Mann für die guten Kontakte und für das Geschäftliche zuständig, zieht sich endgültig zurück.

Das hat etwas vom Ende einer Ära. Aber das betrifft nicht nur Flynn, auch Hartmut Nickel, die ewige graue Eminenz im Trainerstab, beschränkt sich zukünftig auf das Rentnerdasein. Das gleiche gilt für Bernd Karrenbauer, den Materialwart, der wie Nickel schon in der DDR ein Eishockey-Nationalspieler war. Beide werden in einer Woche offiziell verabschiedet.

Hinter sich lassen würden die Eisbären am liebsten aber vor allem die Zeit, in der sie mit der Titelvergabe in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nichts zu tun haben. Drei Spielzeiten ging das so, in der zurückliegenden Saison kam die Mannschaft immerhin in das Viertelfinale. Ein Fortschritt, ja, aber keiner, der Zufriedenheit auslöst. „Wir waren besser, als da auszuscheiden“, sagt Trainer Uwe Krupp. Das will er belegen in der neuen Saison, die am Freitag mit dem Spiel gegen die Straubing Tigers startet (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena).

Der Trainer muss kaum meckern

Die Stimmung in der Mannschaft ist getragen von dieser Absicht. Krupps Spieler versprühen Erfolgshunger. Die guten Auftritte in der Champions Hockey League (CHL), in der die Eisbären trotz schwerer Gruppe das Play-off erreichten, verbreiten Zuversicht. „Jeder einzelne Spieler zieht komplett durch. Das motiviert einen zusätzlich“, sagt Kapitän André Rankel. So sehr, dass Krupp so gut wie nie schlampiges Training monieren und laut werden muss. „Alle ziehen in die gleiche Richtung“, so der Trainer. Eine gute Grundlage.

Mit ihren Entscheidungen im Sommer, so glauben die Verantwortlichen, sollte das Fundament des EHC noch stabiler geworden sein. Neun Spieler verließen den Klub, nur fünf neue kamen. Vier davon sieht Krupp in wichtigen Funktionen, sie alle liegen im Angriff. „Wir sind auf den ersten Blick etwas vielseitiger, etwas gefährlicher. Wir haben mehr Spieler, die in unterschiedlichen Rollen eingesetzt werden können. Das gibt mir als Trainer mehr Handlungsfreiraum“, sagt Krupp. An Torgefahr mangelte es dem Team im Play-off der Vorsaison, nachdem in der starken Hauptrunde mit Platz zwei die Last des Toreerzielens auf zu wenigen Schultern verteilt gewesen war.

Vier neue Stürmer - mehr Flexibilität

Nicholas Peterson (27/Iserlohn), Daniel Fischbuch (23/Düsseldorf), Jamie MacQueen (28/Kassel) und Kyle Wilson (31/Langnau/Schweiz) sind die Profis, die mehr Flexibilität in die Offensive bringen sollen. In der CHL wirkten sie gut integriert und zeigten die Tugenden, die sich Krupp sowie Peter John Lee, der Geschäftsführer, und Stefan Ustorf, der Sportliche Leiter, erhofft haben. Etwas getrübt wird der gute Eindruck durch die Verletzung von Stürmer Marcel Noebels, der mit einem Kreuzbandriss wohl für die komplette Saison ausfällt.

Kein Grund für Krupp, an den Zielen zu rütteln. „Es ist in dieser Liga sehr schwer, Meister zu werden. Aber wir haben das Potenzial“, so der Trainer. Zwar sei die Konkurrenz stark, aber kein Team habe den Status eines FC Bayern im Fußball. Mehr als die halbe Liga könne den Titel holen – auch die Eisbären.

Wieder mehr im Fokus von Anschutz

Die fühlen sich nicht nur durch Krupp wieder stärker als in den Jahren zuvor. „Uwe hat uns wieder auf den richtigen Weg geführt, er hat uns den Glauben zurückgegeben“, sagt Ustorf über den Trainer. Auch sehen sich die Berliner nun mehr im Fokus ihres Besitzers. Im Sommer beendete die Anschutz Entertainment Group ihr Engagement bei den Hamburg Freezers, der Klub wurde aufgelöst. „Das ist schade für die DEL, aber auf der anderen Seite konzentriert sich die AEG wieder auf uns, das ist eine gute Sache“, sagt Lee. Der Eigner garantiert nicht nur den Fortbestand, auch bezüglich des Etats könnte der Spielraum steigen.

Für den Trainer genießt dieser Punkt vorerst keine Bedeutung. Er arbeitet daran, dass die Spieler in der Saison zusammenfinden und als Team zusammenwachsen. „Der Erfolg hängt von der Entwicklung der Mannschaft ab“, sagt Uwe Krupp. Dabei gibt es mehr als nur ein Detail, auf das es letztlich ankommt.

Wichtige Fakten zum Ligastart:

Neuling: Nach dem überraschenden Ausstieg der Hamburg Freezers rückten die Fischtown Pinguins Bremerhaven aus der DEL2 nach. Sie sind der 32. Klub in der DEL. 18 neue Spieler verpflichtete der Neuling, dennoch wird er sich im Keller der Liga wiederfinden. Seit 2000 gelang nur einem von zwölf Auf- oder Quereinsteigern der Sprung in das Play-off: dem EHC München 2011. Bremerhaven hat den mit Abstand geringsten Etat in der DEL mit etwa 3,8 Millionen Euro.

Einer weniger: Die DEL passt die Regeln zur Verlängerung an. Steht es nach 60 Minuten unentschieden, wird in der Hauptrunde wie in der NHL in Nordamerika fortan nur noch mit drei statt vier Feldspielern pro Team gespielt. Das soll zu schnelleren Entscheidungen führen – und weniger Penaltyschießen.

Oben ohne: Am 7. Januar 2017 verwandelt sich das Fußballstadion des Bundesligisten 1899 Hoffenheim in eine Eishockeyarena. Die Baden-Württemberg-Rivalen Adler Mannheim und Schwenninger Wild Wings treffen in Sinsheim unter freiem Himmel aufeinander. Es ist das dritte Winter Game in der DEL nach 2013 in Nürnberg (damals gegen Rekordmeister Eisbären) und 2015 in Düsseldorf.

Schneller fertig: Die Saison ist wegen der WM in Deutschland im Mai 2017 um eine Woche verkürzt und dauert bis maximal zum 21. April. Selbst wenn der neue Meister erst nach sieben Finalspielen feststehen sollte, hätte Bundestrainer Marco Sturm noch zwei Wochen Zeit, sich mit seinem kompletten Kader auf die WM vorzubereiten. Dies liegt aber nicht am Entgegenkommen der DEL, sondern daran, dass Sturm auf die sonst übliche Länderspielpause im Februar verzichtet. In der Zeit spielt die Liga diesmal weiter.

Favoriten: Meister Red Bull München hat seinen exquisiten Kader noch einmal verstärkt – unter anderem mit den Nationalspielern Brooks Macek (Iserlohn) und Jerome Flaake (Hamburg). Nach der verkorksten letzten Saison steht der wichtigste Zugang der Adler Mannheim an der Bande: Erfolgstrainer Sean Simpson kehrte aus der Schweiz in die DEL zurück. Auch die Kölner Haie zählen zur ersten Reihe der Titelanwärter. Diese drei Mannschaften geben in der DEL das meiste Geld aus, München etwa 12,5 Millionen Euro, Mannheim und Köln je 11,5. Die Eisbären Berlin verfügen über rund 10 Millionen Euro.