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Neuer Vertrag für Uwe Krupp bei den Eisbären

Um im Saisonverlauf keine Diskussionen aufkommen zu lassen, wurde mit dem Trainer bereits bis 2018 verlängert.

Uwe Krupp treibt die Eisbären an: Schließlich will der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger endlich auch als Trainer Titel gewinnen

Uwe Krupp treibt die Eisbären an: Schließlich will der erste deutsche Stanley-Cup-Sieger endlich auch als Trainer Titel gewinnen

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin.  Vor jeder Saison stellen sich Fragen. Meist sind es von Jahr zu Jahr die gleichen. Wie sieht es mit den Fortschritten in der Mannschaft aus? Was können die neuen Spieler leisten? Wie stehen die Chancen in der Liga? Ist der Titel das Ziel?

Als großes Forum dafür gibt es eine Gesprächsrunde beim EHC Eisbären, bei der die Antworten auf die ersten drei Fragen meist diffus bleiben. Die vierte allerdings, die kann immer bejaht werden. Welchen Sinn würde es sonst machen, in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mitzuspielen?

Am Freitag ist der DEL-Start gegen die Straubing Tigers

Am heutigen Mittwoch behandeln die Berliner wieder genau diese Themen, zwei Tage später beginnen sie mit einem Heimspiel gegen die Straubing Tigers die Spielzeit 2016/17 (19.30 Uhr, Mercedes-Benz Arena). Die griffigste Nachricht allerdings wird sein, dass die Eisbären den Vertrag mit Cheftrainer Uwe Krupp verlängert haben. Still und heimlich, nach Informationen der Morgenpost sogar schon Ende Mai. Damit es in Zukunft ruhig bleibt.

„Wir wollten keine Diskussionen über dieses Thema in der Saison“, sagt Geschäftsführer Peter John Lee. Nach der kommenden Spielzeit wäre der Vertrag des 51-Jährigen ausgelaufen. Um ein Jahr, also bis 2018, wurde er ausgedehnt.

Playoff-Aus im März dient heute der Motivation

Kurz vor Weihnachten 2014 war Krupp nach Berlin gekommen. Als Nachfolger von Jeff Tomlinson trat er ein nicht ganz leichtes Erbe an. Was nicht so sehr an Tomlinson lag, sondern daran, dass nach dem Titelhattrick von 2011 bis 2013 die Zusammensetzung der Mannschaft nicht mehr richtig funktionierte, der große Hunger fehlte.

Krupps Aufgabe war es, der sportlichen Leitung um Lee und Stefan Ustorf zu helfen, an den Stellschrauben zu drehen und die Mannschaft wieder konkurrenzfähig zu machen im Titelkampf. „Man kann viel aus der Vergangenheit lernen, aber man muss auch nach vorn schauen. Da hat er eine gute Basis gelegt – und eine neue Entwicklung angestoßen“, so Lee.

Der zweite Platz nach der Hauptrunde vergangene Saison war ein wichtiger Fortschritt nach zwei Jahren ohne Viertelfinale. Dass genau an dieser Station dann bereits im März Schluss war, dient nun eher als Motivation.

Seit 2002 erst der vierte Trainer

Die Berliner stehen also vor dem nächsten Schritt. „Ich glaube, wir sind jetzt auf dem Weg in eine Richtung, wo wir wieder erfolgreich sein werden“, sagt Krupp. Diese Aussicht machte ihm die erneute Unterschrift leicht. Auch privat fühlt sich Berlin für ihn sehr gut an, das international geprägte Umfeld kommt dem früheren NHL-Profi, der 25 Jahre in Nordamerika gelebt hat, entgegen. Mit Frau Claire, einer Engländerin, und den zwei kleinen Kindern von zwei und einem Jahr wirkt Berlin wie ein familiärer Neuanfang. „Es passt alles für ihn“, erzählt Lee.

Seit 2002 ist Krupp erst der vierte Trainer im Dienst der Berliner. Auch in diesem Kontext ist die Verlängerung des Vertrages zu sehen. „Diese Kontinuität ist wichtig für uns“, sagt Lee, der nun wieder weitgehend Planungssicherheit hat. Lange Verhandlungen musste er nicht führen mit Krupp. „Die Gespräche waren einfach. Da habe ich schon ganz andere Sachen erlebt mit anderen Trainern“, sagt der Kanadier.

Mit dem Einzug in das Play-off der Champions Hockey League konnten die Eisbären bereits ein wichtiges Ziel in dieser Saison realisieren. Doch das genügt Krupp nicht. Die Einstellung des Trainers kommt an bei der sportlichen Leitung. „Er gibt alles, das merkt man. Er bringt vollen Einsatz für den Klub“, so Lee. Das Ziel dahinter ist natürlich der Titel.

Für den ersten Trainer-Titel braucht er hungrige Spieler

Als Trainer fehlt dem ersten deutschen Stanley-Cup-Sieger in der NHL dieser noch. Zwar konnte er als Coach der Nationalmannschaft viel bewirken, belebte mit Platz vier 2010 bei der Heim-WM das deutsche Eishockey. Und auch bei den Haien in seiner Heimatstadt Köln hinterließ Krupp deutliche Spuren. Doch in den Finals 2013 gegen die Eisbären und 2014 gegen Ingolstadt unterlag Krupp mit den Haien. Diese Niederlagen wirkten nach, im Oktober 2014 wurde Krupp in Köln nach Differenzen mit der Klubführung entlassen.

Gelegentliche Gerüchte, wonach es Krupp in Berlin an Gestaltungsspielraum fehle neben Lee und Ustorf, sind mit der Vertragsverlängerung hinfällig. „Er ist gut in alles eingebunden. Bei uns gibt es keine Alleingänge. Jeder weiß, was der andere will – und es macht Spaß, wenn wir zusammenarbeiten“, erzählt der Geschäftsführer.

Diese gute Atmosphäre schlägt sich auch auf die Mannschaft nieder. Krupp hat die nach vielen Titeln in sich selbst ruhenden Spieler wieder aufnahmefähig gemacht und ihnen gezeigt, dass sie offen für Neues sein müssen, um an alte Erfolge anknüpfen zu können – und wieder ernsthaft um den Titel mitzuspielen.