Eishockey-WM

Die Reaktion auf den Sturm

Deutschland gewinnt bei der Eishockey-WM mit den Berlinern Braun und Noebels gegen die Slowakei und wahrt die Chance auf das Viertelfinale.

Constantin Braun (l.) freut sich über den ersten Sieg bei der WM

Constantin Braun (l.) freut sich über den ersten Sieg bei der WM

Foto: Andreas Gebert / dpa

St. Petersburg/Berlin.  Um die angenehme Atmosphäre unter dem noch jungen Bundestrainer war es kurzzeitig nicht mehr so gut bestellt. Marco Sturm (37) zeigte seine andere Seite, wurde sehr laut, energisch. Die Niederlage gegen das favorisierte Finnland (1:5) war verkraftbar, die gegen Frankreich (2:3 n.P.) zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Russland dagegen nicht. Als Konsequenz mischte Sturm, der dem deutschen Eishockey nach Jahren der Tristesse wieder mehr Euphorie und Erfolg bringen soll, sogar seine Angriffsreihen ordentlich durch.

Zum ersten Mal seit seiner Amtsübernahme im vergangenen Sommer war der Bundestrainer böse mit seinem Team, er reagierte – und er traf genau die richtigen Entscheidungen. Im dritten Gruppenspiel gegen die bisher sehr guten Slowaken zeigte die Mannschaft in St. Petersburg ihre andere Seite und gewann überraschend deutlich mit 5:1 (0:1, 3:0, 2:0). Damit wahrte die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) die Chance auf die erste Viertelfinalteilnahme seit 2011.

Noebels in neuer Reihe

Von den Umstellungen betroffen war auch Marcel Noebels (24). Nach der ersten Partie gegen Frankreich musste der Stürmer des EHC Eisbären gegen Finnland zuschauen. Im überaus wichtigen Duell gegen die Slowaken war er wieder mit dabei, spielte an der Seite von NHL-Star Leon Draisaitl und dem Iserlohner Brooks Macek. Diese Reihe erzielte das 4:1 (44.), Macek war der Torschütze. Der Pass kam von Verteidiger Constantin Braun (28), dem zweiten Profi vom EHC Eisbären, der seinen dritten Einsatz hatte. Patrick Hager (25.), Philip Gogulla (29.), Patrick Reimer (35.), und Dominik Kahun (54.) erzielten die weiteren Treffer.

Braun und Noebels hatten die vergangene WM wegen Verletzungen verpasst. Der Verteidiger ist nun zum vierten Mal dabei, der Stürmer zum dritten Mal. „Ich habe jetzt den Eindruck, dass ich mich als Spieler selbst gefunden habe und weiß, wo ich mich einordnen kann“, sagt Noebels. Bei den Eisbären entwickelte er sich in einer starken Saison zu einem Führungsspieler. Mit diesem Selbstbewusstsein tritt er auch beim Nationalteam auf. „Ich muss mich nicht verstecken, sondern kann vorangehen.“ Wobei die Tiefe bei der DEB-Auswahl sicher größer ist.

Braun positioniert sich besser

Braun hat sein Spiel bei den Eisbären in der zurückliegenden Saison etwas verändert. Früher agierte er oft ungestüm, inzwischen weitaus bedachter. „Ich muss nicht mehr so viel laufen wie früher, um in einer guten Position zu sein. Ich achte von Anfang an mehr auf meine Positionierung und verbrauche somit weniger Kraft“, erzählt der Verteidiger. Das sei für sein Defensivspiel auf WM-Niveau wertvoll.

Gerade deshalb, weil unter Sturm viel offensiver agiert wird als zuvor unter Pat Cortina. Der Sicherheit in der Defensive kommt daher eine besondere Bedeutung zu. Gegen die Slowakei konnte Sturm sehr zufrieden sein damit, wie das Team – das noch vier Gruppenspiele vor sich hat und demnächst auch mit NHL-Torhüter Thomas Greiss planen kann nach dessen Ausscheiden mit den New York Islanders in der zweiten Play-off-Runde – seine Anforderungen umsetzt: „Ich bin schon erleichtert, aber mehr für die Jungs. Man hat gemerkt, dass die Spannung da war.“