NHL-Play-off

Ein Bayer erobert mal eben New York

Eishockey-Torwart Thomas Greiss erlebt mit 30 Jahren bei den Islanders ein Karrierehoch. Bis vor Kurzem war er ein namenloser Ersatzmann.

Der Rückhalt der New York Islanders: Thomas Greiss aus Füssen

Der Rückhalt der New York Islanders: Thomas Greiss aus Füssen

Foto: (AP Photo/Rich Schultz / picture alliance / AP Images

Berlin.  Glorifizierungen gehören im Sport zum Geschäftsmodell, das Volk braucht eben Helden. Der Weg dorthin kann bisweilen sehr kurz sein, ein großes Spiel, ein großer Sieg. Als „menschliche Mauer“ betitelte die „New York Post“ Thomas Greiss in der ersten Play-off-Runde der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL bereits. Die „New York Times“ empfand den deutschen Torhüter als „episch“. Greiss hielt so gut, dass die New York Islanders nach 23 Jahren zum ersten Mal eine Play-off-Runde gewinnen konnten. Einen Namen hat er sich in New York also gemacht.

Wer es in dieser Stadt schafft, sang schon Frank Sinatra, der schafft es überall. Für Greiss muss sich das etwas eigenartig anhören. Er erfährt gerade, wie es ist auf der Sonnenseite der Karriere. Mit 4:2 Siegen warf sein Team die Florida Panthers aus dem Rennen, dreimal setzten sich die Islanders in der Verlängerung durch. Greiss erhält beste Kritiken. „Man muss den Hut vor ihm ziehen, denn er war unglaublich“, sagt selbst Panthers-Stürmer Shawn Thornton. Der Torwart versucht, gelassen zu bleiben. Obwohl er nach dem Einzug in die zweite Runde eine kleine Einordnung vornahm. „Es war einer der schönsten Siege, die ich je erlebt habe“, sagte Greiss.

Vor zehn Jahren in die USA

Mit seinem Englisch hört er sich dabei an wie ein echter Amerikaner, Greiss spricht schnell, nuschelt. Das kann er so gut, weil er schon so lange drüben ist. Vor zehn Jahren ging er in die USA. Zwar erhielt er bereits in seiner zweiten Saison erste Einsätze in der NHL, doch zu mehr als einem fast namenlosen Ersatztorwart reichte es nicht. Weder in San Jose, noch in Phoenix oder Pittsburgh. Im vergangenen Sommer wechselte Greiss mit 89 NHL-Spielen in neun Jahren zu den Islanders nach New York, dort änderte sich alles.

Inzwischen ist er 30 Jahre alt, blickt mit 41 Hauptrundenspielen im Trikot der New Yorker und 23 Siegen auf die beste Saison seiner Karriere. „Solche Chancen bekommst du nicht oft“, sagt er. Greiss gehörte zu den konstantesten Torhütern der Liga, ihn zu verpflichten wurde Manager Garth Snow, einst selbst Torhüter, als einer der klügsten Schachzüge in seinen zehn Jahren bei den Islanders ausgelegt.

Zum ersten Mal im Play-off

Deren Trainer Jack Capuano dankte bereits Gott für den Füssener, der prinzipiell wieder als Ersatzmann eingeplant gewesen war. Doch die Nummer eins Jaroslav Halak verletzte sich mehrfach, auch vor dem Play-off. Das nutzte Greiss, der bis dahin nur 40 Minuten Play-off-Eishockey gespielt hatte – 2010 mit San Jose. In seiner ersten Play-off-Serie überzeugte er nun wie nie zuvor. „Er hat endlich die Chance bekommen, zu zeigen, wie gut er ist“, sagte Greiss’ dänischer Teamkollege Frans Nielsen, der dienstälteste Islander.

In der zweiten Runde dürfen die New Yorker wieder nach Florida reisen, Tampa Bay Lightning heißt der Gegner. Obwohl Halak zurückerwartet wird, sollte der Platz von Greiss nicht mehr diskutabel sein. Eine Fangquote von 94,4 Prozent und 1,79 Gegentore pro Spiel sprechen für sich. „Thomas war herausragend“, sagt Stürmer John Tavares, der andere überragende Spieler des Teams. Anders als Greiss ist Tavares die Heldenverehrung aber lange gewohnt.