Eishockey

Meister München hat das Zeug für eine neue Ära

Red Bulls Geld soll Dominanz auch im Eishockey ermöglichen. Doch die Konkurrenz ist stark, auch die Eisbären wollen dagegenhalten.

Ex-Eisbär Mads Christensen feiert den Titel mit München

Ex-Eisbär Mads Christensen feiert den Titel mit München

Foto: Matthias Kern / Bongarts/Getty Images

Berlin.  Der erste Titel ist also in München angekommen. Der zweite folgt sehr bald. Ein dritter könnte sich dazugesellen. Eishockey, Fußball, Basketball – München gibt derzeit ganz klar den Takt vor in den großen Publikumssportarten.

Doch nicht das ließ Don Jacksons Augen feucht werden nach dem vierten Sieg im vierten Spiel der „Best of seven“-Serie bei den Grizzlys Wolfsburg, als er die Trophäe für die beste Mannschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) entgegennahm. „Das waren Tränen der Freude, ganz klar. Das ist sehr emotional“, sagte der Trainer (59), der zuvor schon fünf Titel mit dem EHC Eisbären gewonnen hatte. Dieser Erfolg mit dem EHC Red Bull München besitzt für den US-Amerikaner jedoch eine besondere Note. „Jungs zu sehen, die zum ersten Mal einen Titel holen, das gibt dir einen Thrill“, so Jackson.

Seinen Kapitän meint er damit beispielsweise, Michael Wolf wurde 35 Jahre alt, bevor er nun seine erste Meisterschaft feiern konnte. „Es ist eine Riesenlast, die von einem abfällt“, sagte der mit 278 Treffern Rekordtorschütze der Liga. Eine Premiere erlebte aber auch der Klub selbst mit dem Titel. Erst seit 2010 spielen den Bayern in der DEL. Die Zukunft könnte nun ihnen gehören, selbst Wolf übt sich da nicht in Zurückhaltung. „Natürlich wollen wir eine Ära prägen“, sagte der Außenstürmer im Rausch des Sieges.

Vierter Klub aus München mit Titel

Zunächst muss der EHC daran arbeiten, sich in der Heimat durchzusetzen. Bereits zum vierten Mal ging der Titel im Eishockey nach München. Der MTV holte ihn 1922, Hedos war 1994 dran und 2000 feierten die Barons. Keinem der Klubs gelang es allerdings, das Eishockey in der Fußball-Metropole nachhaltig zu etablieren. Hedos ging wenige Monate nach dem Titel pleite, die Barons flüchteten nach Hamburg. „Ich bin fest davon überzeugt, dass Eishockey seinen Platz auch in München findet“, sagte Stürmer Frank Mauer, „wir haben das Fundament gelegt.“

Auch beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB), der seinen Sitz in München hat, wird Optimismus versprüht. „Das ist keine Eintagsfliege, da ist richtig Dampf dahinter, Qualität in allen Bereichen“, sagte Präsident Franz Reindl. Mit Red Bull als Geldgeber sind die Aussichten vielversprechend.

Denn die Österreicher agieren anders als etwa die Anschutz-Gruppe seinerzeit mit den Barons. Dort ging es auch um Rentabilität des Engagements – die war bei den Barons nicht gegeben. Bei Red Bull steht eher das Prestige im Vordergrund, das Marketing über dem Gewinn. Deshalb stattete der Besitzer den Klub nach der Übernahme vor drei Jahren mit dem besten Budget der Liga aus. Etwa 12,5 Millionen Euro beträgt der Etat und liegt damit rund 1,5 bis drei Millionen über dem der Verfolger.

Anschutz will Berlinern höheren Etat zugestehen

Allerdings sind die Zeiten andere als bei den Adlern Mannheim (1997 bis 2001 vier Titel) und dem EHC Eisbären (2005 bis 2013 sieben Titel). Den einen genügte finanzielle Dominanz, die anderen fügten ein fortschrittliches Konzept hinzu. Neben dem Geld kann München zwar auf den erfolgreichsten Trainer der Liga setzen, der es wie kein zweiter versteht, Spieler zu Höchstleistungen zu bringen. Doch die Liga zu beherrschen dürfte viel schwieriger werden als einst, denn die Topklubs satteln bei ihren Investitionen immer mehr drauf, die Qualität gleicht sich an wie nie zuvor.

Auch die Eisbären wollen wieder oben mitmischen. Bei ihnen wurde mit den letzten Triumphen von Besitzer Anschutz ein Sparkurs verordnet. Jetzt könnte die andere Richtung eingeschlagen werden. „Nach drei Jahren ohne Titel gibt es Gedanken, dass man etwas machen muss“, sagt Manager Peter John Lee. Berlins Budget dürfte also steigen – und die Konkurrenz für den EHC Red Bull München größer werden.