DEL-Finale

Die späte Krönung des Michael Wolf

Münchens Kapitän Michael Wolf steht vor der Vollendung seiner eindrucksvollen Laufbahn. Noch ein Sieg gegen Wolfsburg fehlt den Bayern.

Michael Wolf darf oft jubeln, bald wohl auch über seinen ersten Titel

Michael Wolf darf oft jubeln, bald wohl auch über seinen ersten Titel

Foto: Tobias Hase / dpa

Berlin.  Es ist eine dieser Geschichten, die nach Happy End klingen. Mit einem Schlussakkord, der fast zu schön erscheint, um wirklich wahr zu sein. Sportler streben nach Erfolg, nach Titeln. Michael Wolf musste 35 Jahre alt werden, also dem Ende seiner Karriere schon sehr nahe kommen, damit sich für ihn diese Chance ergibt. Nun ist sie da, die Meisterehre in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) für Red Bull München und Kapitän Michael Wolf dürfte unausweichlich sein. Das Beste kommt manchmal doch am Schluss.

Realistisch scheint München nicht mehr auszuhalten, mit 3:0 Siegen liegen die Bayern im Finale vorn. Vielleicht schon am Freitag in Wolfsburg findet die „Best of seven“-Serie ihr Ende (19.30 Uhr, ServusTV). Wolf spricht vom Ausrufezeichen seiner Karriere, das er mit dem Titel setzen würde.

Die Laufbahn des Außenstürmers ist lang, wie sein Alter vermuten lässt. Sie verlief jedoch nicht, wie es bei einem zu vermuten ist, der solche Zahlen vorweisen kann. Schon 277 Tore erzielte der Allgäuer in der DEL. Das ist Rekord. Kapitän der Nationalmannschaft war er, oft bester deutscher Spieler der DEL, bester dies und bester das. „Solche Spieler findet man nicht so oft“, sagt Bundestrainer Marco Sturm.

Von unten bis nach oben

Wolf hat Instinkt, für seine vielen Treffer benötigte er nur 595 Spiele. Sein Talent setzte sich aber erst spät durch. Von Liga vier in der Heimat Füssen über Liga drei und zwei führte sein Weg erst mit 24 in die höchste Spielklasse. Weil die großen Klubs seinem Können nicht trauten, landete Wolf bei den Iserlohn Roosters.

Für die meisten ist das ein kleiner Verein in der Provinz, für Wolf wurde er mehr. „Die Roosters sind meine sportliche Heimat, ich identifiziere mich mit diesem Verein und seinen Fans“, sagte er mal. Neun Jahre blieb er, die meiste Zeit als kongeniales Duo mit Robert Hock. Nur dreimal schafften sie es mit den Roosters ins Play-off-Viertelfinale, doch die Atmosphäre am Seilersee war Wolfs Welt.

Wolf ist bodenständig, loyal. Die Sehnsucht nach dem Titel und die gewünschte Nähe zur Familie in Füssen ließen ihn 2014 dennoch um Vertragsauflösung bitten. München bot die Nähe – und die große Perspektive für einen erfolgreichen Karriererest. Im ersten Anlauf im Vorjahr endete der wieder im Viertelfinale, mit 0:4 gegen Wolfsburg.

Erstmals mehr als Viertelfinale

Jetzt fügt sich alles, erstmals Halbfinale, erstmals Finale, dazu mit Revanche. „Ich bin sehr stolz auf die Jungs, jeder kämpft für den anderen. Wir sind nicht nur spielerisch stark, sondern können auch kämpferisch überzeugen“, sagt der Kapitän, der sieben Treffer im Play-off erzielte.

Mittlerweile gehe der Stürmer immer sehr früh ins Bett, damit er gut regenerieren könne, sagt er. Und natürlich entsprechend dazu beitragen, dass es wirklich zum Happy End kommt. „Michael ist der perfekte Kapitän“, sagt Trainer Don Jackson. Ein Vorbild, das vor seiner späten Krönung steht.