Eishockey

Wie sich Erich Kühnhackls Sohn in der besten Liga behauptet

Nach vielen Rückschlägen hat sich Tom Kühnhackl bei den Pittsburgh Penguins durchgesetzt. Ein harter Weg nach oben für den 24-Jährigen.

Tom Kühnhackl (r.) muss sich mit Rangers-Verteidiger Dan Boyle auseinandersetzen

Tom Kühnhackl (r.) muss sich mit Rangers-Verteidiger Dan Boyle auseinandersetzen

Foto: Brad Penner / USA Today Sports

Berlin.  Von Routine soll noch keiner reden, aber ein bisschen hat die Gewöhnung schon eingesetzt. Das geht schnell im Profisport, und das ist gut so, denn die Gedanken können nicht lange in anderen Sphären kreisen. Selbst dann nicht, wenn Träume in Erfüllung gehen.

Tom Kühnhackl spielt in diesen Tagen im Play-off der nordamerikanischen Eishockey-Profiliga NHL, zum ersten Mal. In der Nacht vor der Premiere, gab er zu, habe er lange wach gelegen. Als er im Trikot der Pittsburgh Penguins das Eis betrat, „da hatte ich Gänsehaut“. Dann schoss er auch gleich noch sein erstes Play-off-Tor in der NHL.

Pittsburgh führt mit 2:1

Dieses Tor, sogar in Unterzahl erzielt, machte den Unterschied gegen die New York Rangers. Inzwischen sind drei Partien absolviert in der ersten Runde, Kühnhackl legte beim jüngsten 3:1 zum spielentscheidenden Treffer auf, Pittsburgh führt in der „Best of seven“-Serie mit 2:1.

Viele halten die Penguins um Superstar Sidney Crosby für einen der Favoriten. Seit Wochen zeigt sich das Team in bestechender Form. Was auch an Kühnhackl liegt.

„Es ist abgefahren“, sagt er. Sechs Jahre tingelte er durch Nordamerikas untere Ligen, war schon fast abgeschrieben. Wegen Verletzungen fiel er lange aus, wegen eines extrem harten Checks war er mal 20 Spiele gesperrt. Doch von Rückschlägen ließ sich Kühnhackl nie unterkriegen. Mit 24 Jahren hat er es jetzt geschafft, ist Stammspieler in der besten Liga der Welt.

Der Trainer zollt Respekt

Manchmal ist es nicht allein das Talent, das nach oben führt. Kühnhackl besitzt Talent, schon von Natur aus. Sein Vater ist Erich Kühnhackl (65), Deutschlands Eishockeyspieler des vorigen Jahrhunderts. Doch für den Sohn brauchte es auch Glück, um den Schritt nach oben zu vollziehen.

Bei den Penguins fehlten zu Jahresbeginn viele Spieler verletzt. Außerdem wurde sein Trainer aus der AHL, Mike Sullivan, kurz zuvor zum Chef in Pittsburgh befördert. „Ihm wurde nichts geschenkt. Er hat sich seinen Platz verdient, und zwar auf die harte Tour. Davor habe ich viel Respekt“, sagt Sullivan.

So wie er jetzt auftritt, setzt er alles daran, diesen Platz nicht mehr herzugeben. In der dritten Reihe spielt Kühnhackl überwiegend, viel in Unterzahl. „Am Anfang war ich sehr nervös mit all diesen Spielern um mich herum, in diesem Klub. Aber ich fühle mich immer wohler und mein Selbstvertrauen steigt mit jedem Training“, erzählt Kühnhackl.

Mit fünf Toren und zehn Vorlagen in 42 Punktspielen wusste der Landshuter zu beeindrucken. Obwohl Punkte eher Beiwerk sind. „Ich habe die Aufgabe zugeteilt bekommen: Scheibe tief, Forechecking, Scheibe erobern, Checks fertig machen, einfach arbeiten“, sagt er.

Meinung des Vaters eingeholt

Sein Spiel, das hat Kühnhackl zuletzt umgestellt. „Um defensiv zuverlässiger zu sein“, sagt er. Damit entwickelte sich der Angreifer von einem Offensivtalent zu einem kompletteren Profi. Auf dem Weg dorthin war auch die Meinung des Vaters wichtig: „Als ich nach Amerika ging, habe ich immer mehr seinen Rat gesucht und ihn gefragt, wie ich mein Spiel verbessern kann.“

Erich Kühnhackl versucht nun sogar, Play-off-Spiele des Sohnes vor Ort zu erleben. Selbst spielte er nie in der NHL. „Damals waren die Zeiten andere, der Verdienst in Deutschland größer. Jetzt musst du rübergehen“, erzählte er einmal. Für Tom hat sich der Schritt jetzt ausgezahlt, wenn auch erst spät.

Mit seinen ersten Play-off-Darbietungen imponierte Kühnhackl sogar seinem Kapitän. „Es sah so aus, als würde er seine Energie und Aufregung zu seinem Vorteil nutzen“, so Sidney Crosby, der den Deutschen noch länger an seiner Seite haben wird. Denn die Penguins verlängerten den Vertrag von Tom Kühnhackl um zwei Jahre.