DEL

90 Prozent Eisbären sind nicht genug

Die Eisbären verlieren beim 0:4 gegen den Vorletzten Krefeld erstmals in dieser Saison ein Heimspiel und gehen als Zweiter in die Liga-Pause

Shuhei Kuji (r.) durfte gegen Krefeld wieder aufs Eis. Geholfen hat es den Eisbären nicht

Shuhei Kuji (r.) durfte gegen Krefeld wieder aufs Eis. Geholfen hat es den Eisbären nicht

Foto: imago sportfotodienst / imago/Mario Stiehl

Berlin.  Darin Olver hatte genug. Das war ihm deutlich anzusehen. Jetzt noch über das Spiel zu reden, das hätte er wirklich nicht gebraucht. „Wir wurden ausgespielt. Das war keine gute Leistung“, knurrte er. Die erste Heimniederlage der Saison im siebten Spiel musste der EHC Eisbären hinnehmen, 0:4 (0:1, 0:1, 0:2) gegen Krefeld. Die Berliner waren Tabellenführer der Deutschen Eishockey Liga (DEL), Krefeld lediglich Vorletzter.

Unversucht ließen die Eisbären fast nichts, schon über zweieinhalb Minuten vor dem Ende nahm Trainer Uwe Krupp den Torhüter vom Eis, um mit einem Feldspieler mehr noch etwas zu bewegen. Viel zu bewegen wäre zwar kaum mehr gewesen, es stand 0:3. Dann passierte das an diesem Tag wohl Unvermeidliche, von ganz hinten aus dem eigenen Drittel über die Bande traf David Fischer zum 4:0 für Krefeld (58.). Den Gästen, unterstützt von über 800 per Sonderzug angereisten Fans, gelang fast alles; bei den Eisbären lief so gut wie nichts. Deshalb wurden sie von den Adler Mannheim von der Spitze verdrängt.

Mark Olver muss früh raus

Die letzte Ligapartie vor der Länderspielpause fing schon dumm an. Mark Olver, Darins Bruder, gab nach seiner Verpflichtung unter der Woche sein Heimdebüt. Offenbar mit großem Ehrgeiz kam er zum ersten Wechsel aufs Eis, drehte bei einem Puckgewinn eine sehenswerte Pirouette und musste beim nächsten Puckkontakt vom Eis. Mit einem harten Check hatte er Christian Kretschmann in die Bande befördert – Spieldauerstrafe in Minute drei. „Mark ist ein sehr emotionaler Spieler. In diesem Moment hat er eine falsche Entscheidung getroffen“, sagte Krupp. Kurz darauf bekam Marvin Cüpper, 21, bei dessen DEL-Debüt das erste Gegentor durch Scott Valentine.

Trotzdem lag es nicht an Olver und Cüpper, der den verletzten Ersatzkeeper Kevin Nastiuk vertrat und für den pausierenden Stammtorhüter Petri Vehanen auflief, dass die Partie nicht besser lief. „Wir brauchten zu lange, um ins Spiel zu finden“, sagte Darin Olver. Den Berlinern gelang es selten, gegen die zuvor vier Partien sieglosen Pinguine mal Druck vor dem Tor zu erzeugen. Trainer Krupp nahm den Verlauf des Sonntagnachmittag in der Mercedes-Benz Arena vor 13.230 Zuschauern als Beleg für die Lage der Liga. „Wenn du nur 90 Prozent gibst, verlierst du“, sagte er. Genau da lag das Problem.

Berliner ohne Konsequenz

Irgendwie sah man bei den Eisbären nicht die Konsequenz, die sie zuletzt auszeichnete. Zwei Konter führten zu den weiteren Treffern der Rheinländer durch Dominik Meisinger (29.) und Henrik Eriksson (43.). Krefeld, das war in jeder Sekunde der Partie deutlich zu erkennen, gab alles. „Wir hatten Glück und ein System, das funktionierte“, freute sich Trainer Rick Adduono, für den die Luft zuletzt dünn geworden war bei den Pinguinen.

Sein Team ließ sich in Berlin von den vielen mitgereisten Fans feiern. Bei den Eisbären, bei denen der Japaner Shuhei Kuji durch den Ausschluss von Mark Olver wieder Eiszeit erhielt, nachdem er zuvor in Straubing (4:1) nur auf der Bank gesessen hatte, wollten sie diese Niederlage schnell verdrängen. Zwar pausiert die DEL jetzt, doch die Berliner sind auch noch in der Champions Hockey League (CHL) aktiv. Dort empfangen sie am Dienstag den schwedischen Klub Skelleftea AIK zum Achtelfinal-Hinspiel (19 Uhr, laola1.tv). Allerdings im Wellblechpalast in Hohenschönhausen, weil die große Arena belegt ist. Schon eine Woche später findet das Rückspiel in Schweden statt, bevor es am 13. November in der DEL gegen Düsseldorf mit einem Heimspiel weitergeht. So viel Pause haben die Berliner also gar nicht.

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