Eishockey

Die Saison der Eisbären endet mit einer riesigen Enttäuschung

K.o. auch unter Krupp: Der Hauptstadtklub verliert am Sonntag in einem dramatischen dritten Pre-Playoffspiel bei den Nürnberg Ice Tigers 2:3 (0:0, 0:2, 2:0/0:1) nach Verlängerung.

Foto: Oliver Mehlis / dpa

Die Eisarena in Nürnberg hat vielen Stadien im Lande etwas voraus. Sie liegt direkt neben einem Gewässer. Dutzendteich heißt es und ist größer, als der Name suggeriert. In Verbindung mit dem frühlingshaft-sonnigen Wetter, das der Sonntag brachte, konnte das die Gedanken schon in eine andere Richtung lenken. Ein Fan des EHC Eisbären beließ es derweil nicht nur beim Kopfkino, er stieg in den See und planschte ausgiebig. Gegen Mittag trug sich dies zu, und es gab schon die Richtung vor für das, was sich später ereignete. Die Berliner, diesmal die Mannschaft, nahmen Abschied von der Eishockey-Saison, sie können sich nun allerlei Sommervergnügungen widmen.

Richtig gut kam das bei den Profis des EHC Eisbären nicht an. 2:3 (0:0, 0:2, 2:0, 0:1) nach Verlängerung hatten sie im dritten Spiel gegen die Nürnberg Ice Tigers verloren und schieden im Kampf um den Einzug in das Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) nach der zweiten Niederlage aus. Zum dritten Mal versuchten die Berliner sich seit der Einführung des Pre-Play-off 2007 an diesem Umweg, zum dritten Mal führte er nicht ans Ziel. Wie im Vorjahr endete die Saison für den Rekordmeister der DEL, der von 2011 bis 2013 noch drei Titel in Folge gefeiert hatte, mit einer riesigen Enttäuschung.

Zu großen Hoffnungen, dass dem Klub das erspart bleiben würde, lud schon die Hauptrunde nicht ein. Als Neunter von 14 Mannschaften gingen die Eisbären aus ihr hervor, schnitten damit einen Rang schlechter ab als vergangene Saison. Selbst der Trainerwechsel zu Uwe Krupp und die Verpflichtung von Stefan Ustorf als Sportlichem Leiter vermochten den Niedergang des einst dominierenden Vereins der Liga nicht aufzuhalten.

EHC zu oft in Unterzahl

Wenigstens verschwanden sie mit Anstand von der Bühne. Die Partie im Wellblechpalast, wo die Berliner nach dem 2:6 im ersten Spiel mit einem 6:3 eine passende Antwort gaben, hatte noch einmal genügend Mut verschafft, um gegen die Serien anzukämpfen. Gegen Nürnbergs große Heimstärke mit zuletzt zehn Siegen in Folge, gegen die Berliner Auswärtsschwäche mit jüngst sieben Niederlagen hintereinander. Sie waren nah dran, das Blatt zu wenden.

Obwohl man in der zweiten Pause nicht mehr viel auf die Berliner hätte wetten sollen. Gut eine halbe Stunde lang sprach zuvor Vieles für sie. Kontrolliert traten sie auf, wach in den wichtigen Situationen. Das nötige Glück stand ihnen auch zur Seite. Eine doppelte Unterzahl mussten sie 41 Sekunden lang überstehen. Überhaupt spielten sie ein bisschen zu oft mit einem Mann weniger, was sie aber mit Kampfgeist kompensierten.

Sogar einen Penaltyschuss von Tim Schüle konnte Torhüter Petri Vehanen abwehren (25.), kurz danach zwei Alleingänge von Steven Reinprecht parieren (27./28.). Es sah danach aus, als würden sich die Nürnberger die Zähne an den Berlinern ausbeißen und die irgendwann den Lucky Punch setzen. Doch dann durchbrach Yasin Ehliz den Bann nach einem Konter, traf zur Führung der Nürnberger (32.). Als Reinprecht fünf Minuten später elegant mit der Rückhand zum 2:0 für die Franken traf, schien alles erledigt.

Strafzeiten verhindern den möglichen Sieg

Als eine Mannschaft, die sich in einer Partie noch einmal aufbäumen kann, taten sich die Eisbären bislang schließlich nicht hervor in dieser Saison. Doch sie wehrten sich – gegen die Ice Tigers, gegen das Saisonende. Sie änderten die Richtung der Partie. Lange hatten die Gastgeber bestimmt, wo es lang geht. Zwei Drittel lang lagen die Eisbären in der Schussstatistik weit zurück, im dritten Abschnitt ergab sich ein umgedrehtes Bild. Julian Talbot leitete dabei die Aufholjagd früh ein (42.). Immer weiter bedrängten die Berliner das Tor der Franken, deren Probleme wuchsen. Mit dem diesmal seltenen Vorteil des Überzahlspiels konnten die Eisbären schließlich ausgleichen, Casey Borer traf mit einem Schlagschuss (52.).

Bei den Ice Tigers sorgte das wohl für ein wenig weiche Knie. Auch zu Beginn der Verlängerung konnten sie damit nicht umgehen. Die Berliner spielten zwingender, bedrängten das Nürnberger Tor. Doch Strafzeiten verhinderten den möglichen Sieg, denn nach einer überstanden doppelten Unterzahl nutzte Jason Jaspers ein einfaches Powerplay zum Treffer (78.), der die Nürnberger in das Viertelfinale brachte, wo sie nun Mannheim gegenüberstehen.