DEL

Eisbär Matt Foy ist der günstige Teamspieler mit Handicap

Der Angreifer Matt Foy ist zwar verletzungsanfällig, aber er ist wichtig für den Erfolg und kostet die Eisbären auch nur wenig Geld. Gegen Iserlohn ist sein Einsatz mal wieder gefährdet.

Foto: Rauchensteiner/Augenklick / pa/ Augenklick/

Er fehlte beim Training, aber große Sorgen machte sich der Trainer nicht. Mit seiner Erkältung würde Matt Foy wohl spielen können am Freitag gegen Iserlohn, so Jeff Tomlinson (19.30 Uhr, O2 World). Es klang ein bisschen so, als wäre es ausgeschlossen, dass diesen Mann etwas umhauen kann. Stämmig ist der Stürmer, kräftig, groß, man möchte tatsächlich meinen unverwüstlich.

Sehr wahrscheinlich nimmt ihn die Erkältung wirklich nicht aus dem Spiel, ansonsten geht der Eindruck, den sein Anblick bietet, deutlich in die falsche Richtung. Irgendetwas zwickt und zwackt bei dem 30-Jährigen eigentlich immer, er ist körperlich etwas anfällig. Langfristig planen kann mit so einem Spieler an sich niemand. Im Sommer verlängerte Peter John Lee, Manager des EHC Eisbären, den Vertrag des Kanadiers aber gleich um zwei Jahre. Was durchaus verwunderte. „Peter hat sich einfach gut gefühlt mit dieser Entscheidung“, sagt Foy. Das muss er wohl, und es gibt auch gute Gründe dafür.

Ein paar davon waren am Dienstag gegen Köln zu sehen, Foy passte, Foy rannte, Foy kämpfte. Drei Vorlagen standen am Ende nach dem 5:4 in seiner Bilanz. „Er kennt nur eine Einstellung, immer volle Pulle“, sagt Lee. Das bewundert auch der Trainer: „Über diese Energie, die er hat, verfügen nur wenige.“

Aufs Eis bringen kann er die jedoch nur sehr unregelmäßig. Zehn Spiele bestritt er bisher in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) von 26. „Es war schon ein Risiko, ihm einen langen Vertrag zu geben“, sagt der Manager. Vor allem bei dieser Vorgeschichte. An Talent fehlte es Foy nie, er schaffte es sogar bis in die NHL, spielte 57 Mal für Minnesota Wild. Doch dann begannen die Probleme, Verletzungen hier, Verletzungen da, in vier Spielzeiten brachte er es gerade einmal auf 40 Partien, wegen des Rückens pausierte er ein Jahr komplett. Auch in seinem ersten EHC-Jahr verpasste Foy 18 Partien wegen eines Rippenbruchs. Anfang dieser Saison waren die Adduktoren und das Syndesmoseband dran.

Lange Leidensgeschichte

Seine Leidensgeschichte ist lang. „Ich hoffe jedes Mal, dass es die letzte Verletzung ist“, sagt Foy, „es ist nicht einfach, damit umzugehen.“ Das ganze Jahr Pause, erzählt er, habe ihm damals gut getan. „Ich habe gelernt, die Dinge klarer zu sehen. Viel spielt sich im Kopf ab, wenn du in so einer Situation bist.“ Er musste lernen, sich zu kontrollieren. Wer so viel verletzt ist, will schnell wieder zurück ins Team. Wer zu früh zurückkommt, kann aber auch alles verschlimmern. Foy: „Das ist ein schmaler Grat.“ Auf dem befand sich auch seine Karriere. „Mit seiner Geschichte ist es nicht einfach, irgendwo unterzukommen auf diesem Niveau“, sagt Lee. Irgendwo in der Dritten Liga musste er in Nordamerika neu anfangen. Nach einer Saison bekam der dann 2012 einen Jahresvertrag in Berlin.

Seine Investition hat sich gelohnt, findet Lee. „Man weiß bei ihm nie, wie viele Spiele man bekommt. Aber das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt bei ihm“, sagt der Manager. Foy kostet also recht wenig. Und wenn er denn spielt, bringt er viel für die Mannschaft. Seine Nebenleute profitieren sehr von ihm, weil er mit seiner aufopferungsvollen Spielweise Freiräume für die anderen schafft. Foy zieht nie zurück, Überblick hat er auch. Die dritte Reihe des EHC, die lange nicht funktionierte, wurde durch ihn erst wieder konkurrenzfähig. „Er tut der Mannschaft gut“, sagt Kollege Laurin Braun. Foy erleichtert den anderen die Arbeit.

Foy spielt immer am Limit

Gerade für einen Teamspieler wie ihn ist es besonders hart, wenn er zuschauen muss. „Du fühlst dich dann einfach nicht als Teil des Teams. Mental ist es für mich aber wichtig, ein Teil der Mannschaft zu sein“, sagt Foy. Das dürfte der Grund sein, warum sein Einsatz nie unter der Maximalbelastung liegt. Was dem Trainer manchmal etwas Angst einjagt, weil er denkt, Foy könnte sich mit seiner schonungslosen Art gegen sich selbst verletzen. „Meine Energie zu geben, das ist mein Spiel“, sagt er. Und nebenbei sammelt er selber fleißig Punkte. Sieben waren es in seinen zehn Einsätzen.

Foys Einsatz gegen Iserlohn wäre also wichtig für den Trainer, zumal ja schon André Rankel ausfällt. Beim Kapitän, der seit drei Wochen fehlt, wurde nach einer Virusinfektion mittlerweile auch eine Gehirnerschütterung diagnostiziert. Für seine Rückkehr gibt es derzeit keine Prognose. Dagegen ist selbst der anfällige Foy gerade ein sicherer Kandidat.

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