1000. Spiel

Was andere Berliner Rekordspieler zu Felskis Jubiläum sagen

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Dietmar Wenck

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Alba, Hertha, BR Volley, Füchse, Union und der Berliner Hockey-Club haben auch ihre treuen Spieler, die Felski großen Respekt zollen.

Henrik Rödl ist eine Legende im Berliner Sport, nicht nur darin ähnelt er Sven Felski. 512 Partien in elf Saisons hat er im Trikot von Alba Berlin Basketball gespielt, dem Verein, bei dem er seine komplette Profikarriere verbrachte. Er kam auf 5226 Punkte, wurde sieben Mal Meister, Europapokalsieger, er war Kapitän, immer loyal, hat öffentlich nie Kritik geübt. Kollegen nannten ihn den „Leim, der alles zusammenhält“. Ein stiller Star, zu dem alle aufblickten. Aber bei der Zahl 1000 „fällt mir buchstäblich nichts mehr ein“, sagt der 43-Jährige, „so eine Leistung ist unfassbar. Und das bei einem Verein, der einen so hohen Anspruch hat.“

Rödl, der seit zwei Jahren Trainer des Bundesligisten TBB Trier ist, wurde für seine Treue von Alba belohnt: Sein Trikot mit der Nummer 4 wurde an die Hallendecke der O2 World gezogen. „Ich habe das als ganz besondere Ehre empfunden und wünsche ihm, dass er sie auch erfahren wird.“ Bisher hängt dort neben Rödls Kleidungsstück nur das Hemd eines anderen Eisbären-Heroen vergangener Tage, Mark Beaufait.

Vielleicht nicht mehr lange, denn am Dienstagabend könnte Felski zum sechsten Mal mit dem EHC Meister werden. Gut möglich, dass er dann aufhört und sein Trikot nicht mehr benötigt. Ein spezielles Spiel zum Abschied – Pal Dardai, mit 286 Bundesliga-Einsätzen der Rekordspieler von Hertha BSC, hat das erlebt. Im letzten Spiel der vergangenen Zweitligasaison gegen Augsburg stellte Trainer Markus Babbel den Ungarn in die Startformation. Dardai (36) wird das nie vergessen. „Wenn die Leute dann wie bei mir aufstehen und klatschen, dafür lohnt es sich, Sportler zu sein, sogar seine Gesundheit zu riskieren.“ Für Felski ist er voller Anerkennung: „20 Jahre auf dem Niveau, da gehört so viel Disziplin dazu.“ Anfangs sei es schwer, nicht wie die Freunde in die Disko zu gehen, am Ende der Karriere werde es immer schwerer, körperlich mitzuhalten. Er wünscht Felski einen emotionalen Abschied, denn: „Das kann man nicht mit Geld bezahlen.“

Vielleicht hat Jaroslav Skach (36), Kapitän der BR Volleys, dieses Gefühl gerade erlebt, mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Es war sein 348. Spiel für die Berliner in neun Jahren; er gewann einen Titel gleich auf Anhieb und nun den zweiten. Seine Zukunft in Berlin ist noch ungewiss. Der Tscheche hat besonders vor einer Zahl riesigen Respekt: „1000 ist natürlich sehr ungewöhnlich“, sagt er, „aber 20 Jahre immer in demselben Verein – das ist in der heutigen Zeit eine phantastische Treue.“ Ebenfalls voller Anerkennung ist Petr Stochl, seit 2006 im Tor der Füchse Berlin, in seiner ersten Saison in die Bundesliga aufgestiegen und mit 197 Einsätzen jetzt Nummer eins der Hauptstadt-Handballer: „Man muss bedenken: Es reicht nicht, 20 Jahre in so einem guten Verein zu sein. Man muss auch die Leistung zeigen und gesund bleiben, damit man mitspielen kann.“ Stochl feiert am Dienstag in jedem Fall – seinen 36. Geburtstag.

Lutz Hendel hat Sven Felski lange nicht mehr zugeschaut, zuletzt war er in Wellblechpalast-Zeiten dabei. Der 53-Jährige hat zwischen 1976 und 1993 insgesamt 344 Ligaspiele für den 1. FC Union absolviert. Seinem Verein kehrte er nur während seiner Armeezeit zwangsläufig kurz den Rücken, eine treue Seele also auch er. „Vor Sven Felski kann ich nur den Hut ziehen“, sagt er, „Eishockey ist ja sehr viel Körperkontakt, eine ziemliche Klopperei. Da ist es eine große Leistung, auf so viele Spiele zu kommen.“

Dem Eisbären-Urgestein am nächsten kommt noch Natascha Keller, wobei die Zahl der Partien, die sie für den Berliner Hockey-Club absolviert hat, nicht genau dokumentiert ist. „An die 600 werden es sein“, schätzt die 34-Jährige, die in London ihre fünften Olympischen Spiele erlebt. Mit 16 startete sie 1993 ihre Bundesliga-Karriere, wurde Olympiasiegerin, Welt- und Europameisterin, zehn Mal Deutsche Meisterin, Europacupsiegerin, Welthockeyspielerin. Ihre mehr als 400 Länderspiele sind vermutlich ein Rekord, der ewig halten wird. Aber 1000 Ligaspiele – traut sie sich das noch zu? Lachend schüttelt sie den Kopf: „Ganz sicher: Den Rekord werde ich Sven nicht streitig machen.“